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Interview

Helmut Drexler: Neue Klappe ohne OP


Bei Herztherapie geht der Trend zu pfiffigen Methoden und der Regeneration des eigenen Körpergewebes. Wie das funktioniert, erklärt Prof. Helmut Drexler, Direktor der Abteilung Kardiologie und Angiologie an der MHH.
Prof. Helmut Drexler, Direktor der Abteilung Kardiologie und Angiologie an der MHH

Prof. Helmut Drexler, Direktor der Abteilung Kardiologie und Angiologie an der MHH

© Dennis Börsch

Wie lässt sich sicher feststellen, ob ein Patient einen Herzinfarkt hat?

In der Regel diagnostizieren wir den Herzinfarkt mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) und anhand von Blutwerten. Bei jedem Herzschlag entsteht ein schwacher Strom, der als Kurve dargestellt wird. Beim Herzinfarkt werden Herzmuskelzellen zerstört. In diesen Bereichen findet keine elektrische Erregung mehr statt. Das ergibt dann ein typisches Bild. Im Blut befinden sich Eiweißbestandteile aus dem Herzmuskel als Zeichen für den Muskelgewebe-Untergang.

Bleibt das EKG als Diagnose die erste Wahl?

Die Elektrokardiographie und die Laborwerte haben einen hohen Standard für die zuverlässige Diagnose eines akuten Herzinfarktes erreicht. Um aber frühzeitig zu erkennen, ob sich Herzgefäße gefährlich verändert haben und ein Infarkt droht, geben Computertomographien (CT) zuverlässigere Information. Dabei wird der Patient per Röntgenstrahlung quasi in Scheiben aufgenommen. Die CT-Untersuchung ist allerdings teuer, aufwendig und bedeutet für den Patienten eine enorm hohe Strahlenbelastung. Die beste, aber auch eingreifendere Methode ist die Herzkatheteruntersuchung. Sie ermöglicht es, gleichzeitig einen krankhaften Befund wie etwa ein stark verengtes Herzkranzgefäß zu behandeln.

Wie heißt die Methode der Zukunft?

Ich setze auf die Kernspintomographie. Sie liefert eine genaue Diagnose ohne Strahlenbelastung, denn sie arbeitet mit einem Magnetfeld. Damit lassen sich gleichzeitig die Gefäße und ihre Funktionstüchtigkeit darstellen. Die Auflösung muss allerdings noch besser werden.

Was tut sich hinsichtlich der Therapien?

Wir arbeiten mittlerweile mit beschichteten Stents. Das sind Gefäßstützen, die mit Medikamenten versehen sind, die das erneute Zuwachsen hemmen. Zur neuesten Entwicklung gehören Stents auf Magnesiumbasis, deren Metallgerüst sich im Laufe von Monaten auflöst. Zudem gibt es bereits Methoden, mithilfe von Kathetern Herzklappen zu reparieren. So können etwa durch Verkalkung verengte Aortenklappen mit einem Stent geweitet werden. In diesem befindet sich eine weitere künstliche Klappe, die sich direkt im Gefäß entfaltet, ohne dass operiert werden muss. Das ist eine Revolution.

Und wie steht es mit der Regeneration von Herzmuskelgewebe?

Auch daran arbeiten wir. Bislang gilt: Einmal zerstörtes Herzgewebe bleibt zerstört. Das Herz besitzt zwar Stammzellen, die neue Herzmuskelzellen ausbilden könnten. Es gibt davon aber offenbar zu wenig, und die sind zu inaktiv. Wir wollen erreichen, dass sich aus bestimmten vorbehandelten Stammzellen im Knochenmark Herzmuskelzellen entwickeln. Die Zellen geben wir mit Medikamenten dorthin, wo sie gebraucht werden: an die durch Infarkt geschädigte Stelle. Wenn es so eines Tages gelänge, die körpereigene Regenerationskraft im Körper selbst zu verstärken, wäre das genial.

Interview: Kirsten Allée

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