Zuletzt machten MHH-Forscher vielen Herzpatienten mit der Züchtung von Herzklappen Hoffnung. Wie weit ist die Forschung fortgeschritten?
Wir könnten weiter sein, wenn wir dürften. Doch die deutschen Gesetze stehen im Weg. Für unser Verfahren brauchen wir menschliche Spenderherzklappen als Grundgerüst. Aus diesem werden dann alle Zellen entfernt, und die übrig bleibende Kollagenmatrix besiedeln wir im Labor mit Gefäßzellen des Patienten. So wächst eine vollständige Herzklappe heran, die dem Patienten transplantiert werden kann – ohne die Gefahr von Gerinnseln, Embolien und Abstoßungen. Im Ausland haben wir Patienten bereits erfolgreich operiert. In Deutschland geht das nicht, da der Umgang mit Gewebespenden nicht klar geregelt ist.
Heißt das, Sie können nicht weiterforschen?
Nein, denn es gibt mittlerweile eine EU-Richtlinie, die nur noch nicht in deutsches Recht umgesetzt worden ist. Aber ich denke, dass das bald passieren wird. Dann werde ich mit Kollegen aus Tübingen und Kiel eine klinische Studie starten. Außerdem ist es mein Ziel, Herzmuskelgewebe und irgendwann ein ganzes Herz nur aus patienteneigenem Zellmaterial – ohne Spenden – zu züchten. Und da haben wir jetzt mit der „AutoVaM“-Methode einen ganz wichtigen Schritt getan.
Was machen Sie dabei genau?
„AutoVaM“ steht für autologe vaskularisierte Matrix, also ein patienteneigenes, mit Gefäßen versorgtes Gewebegerüst. Wir entnehmen dem Patienten irgendwo im Körper ein Stück Gewebe mit den Blutgefäßen, besiedeln dieses mit Herzmuskelzellen des Patienten und züchten so neues Herzmuskelgewebe. Bislang haben wir das an zwei Patienten erfolgreich getestet. Bei ihnen wurde jeweils aus einem Stück Dünndarm ein neuer Herzvorhof hergestellt.
Bei welchen Patienten planen Sie, diese Methode einzusetzen?
Bei Patienten, bei denen etwa infolge eines Herzinfarkts sehr viel Herzmuskelgewebe abgestorben ist, oder bei Patienten mit großen Herztumoren, die wir vollständig entfernen müssen. Ihnen können nur noch gezüchtete Bioimplantate helfen.
Ist gezüchtetes biologisches Material auch bei Bypass-Operationen anzuwenden?
Daran forschen wir gerade. Ziel ist es, den Patienten bei der Operation weniger zu belasten. Bisher werden Venen und Arterien des Patienten verwendet, um verschlossene oder verengte Gefäße zu umgehen. Wir testen gerade, ob sich nicht auch Arterien etwa von Rindern eignen. Das würde dem Patienten einen Eingriff an seinem Arm oder Bein ersparen.
Interview: Vanessa Meyer
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