Oft dauert es sehr lange, bis eine psychosomatische Störung als solche erkannt wird. Bis dahin haben die Betroffenen meist unzählige vergebliche Arztbesuche hinter sich. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, psychosomatische Krankheiten zu erkennen: „Bei unserem heutigen Vergütungssystem, in dem technische Untersuchungen vergleichsweise viel besser bezahlt werden als das Eingehen des Arztes auf die persönliche Situation des Patienten, hat der Arzt oft nicht mehr viel Zeit für den Patienten“, sagt Prof. Harald Gündel, Direktor der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). So sei es meist schwierig für den Arzt, den kranken Menschen gut genug zu kennen, um ihn ganzheitlich zu behandeln.
Für den Patienten selbst ist es oft nicht leicht einzusehen, dass seine Schmerzen keine organische Ursache haben. Wer gibt schon gerne zu, dass der ständige Ärger mit dem Chef krank machen kann? Viele Betroffene fühlen sich von ihrem Arzt unverstanden oder sogar gekränkt, wenn er ihnen einen Besuch beim Psychotherapeuten vorschlägt.
In der von ihm geleiteten MHH-Abteilung können sich Hilfesuchende zunächst beraten lassen, welche Art der Behandlung für sie infrage kommt – stationär, tagesklinisch oder ambulant. Insgesamt gibt es in der MHH zehn tagesklinische und 20 stationäre Plätze sowie eine ambulante Sprechstunde. In der Klinik wird für jeden Patienten ein individueller Tagesplan mit unterschiedlichen Therapieformen erarbeitet. Neben Einzel- und Gruppengesprächen werden überwiegend psychodynamische beziehungsweise verhaltenstherapeutische Verfahren sowie Körper- und Kreativtherapien angeboten. Die Behandlung in der Klinik kann zwischen drei und neun Wochen dauern, danach muss sich der Betroffene einen Therapeuten zur Weiterbehandlung an seinem Wohnort suchen. Und das ist gar nicht so einfach, da es bundesweit nicht ausreichend viele solcher Fachärzte gibt. Dabei brauchen Patienten lange Zeit Unterstützung: Seelische Krankheiten grundlegend in den Griff zu bekommen, kann viele Monate bis Jahre dauern. Ziel einer Therapie ist es, die Patienten zu befähigen, erneute Krisen selbst zu bewältigen. „Wir zeigen den Patienten die Werkzeuge, die sie im Verlauf immer selbstständiger nutzen müssen“, sagt Gündel.
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