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Patientengeschichte

In der Warteschleife für ein neues Organ

Von Nicola Zellmer

Stefan Koeppen hat einen Wunsch: Irgendwann möchte der junge Mann aus Bremerhaven noch einmal selber Fußball spielen. Dass er nicht einfach mit seinen Freunden auf den Bolzplatz gehen und loskicken kann, liegt an seiner schweren Erbkrankheit: Der 26-Jährige leidet an Mukoviszidose.
Olaf Wiesner (l.) erklärt seinem Patienten anhand einer Röntgenaufnahme, wie Mukoviszidose die Lunge schädigt.

Olaf Wiesner (l.) erklärt Stefan Koeppen, wie Mukoviszidose die Lunge schädigt.

© Rainer Surrey

In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der größten Mukoviszidoseambulanz für Erwachsene in Norddeutschland, wartet er derzeit auf eine Spenderlunge, die ihm wieder zu einem möglichst normalen Leben verhelfen soll.

Mukoviszidose oder auch cystische Fibrose (CF) ist die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung hellhäutiger Menschen. Das Hauptsymptom ist ein sehr zähflüssiger Schleim in Lunge und Bronchien, der nicht abgehustet werden kann und daher einen guten Nährboden für Lungenkeime darstellt. CF-Kranke leiden daher meist mehrmals im Jahr unter Infektionen, die auf Dauer ihre Lungenfunktion schwächen und sie kurzatmig werden lassen. Auch die Bauchspeicheldrüse und manchmal der Darm sind in ihrer Funktion eingeschränkt. In Deutschland leben rund 8000 Menschen mit Mukoviszidose. Dabei treten die Symptome nur bei jenen Menschen zutage, die von Mutter und Vater ein mutiertes Gen geerbt haben – alle anderen, etwa vier Prozent der deutschen Bevölkerung geben den Erbfehler nur weiter, erkranken aber nicht selbst.

Stefan Koeppen hat Glück gehabt. Bei ihm trat die Krankheit erst verhältnismäßig spät in Erscheinung. „Erst mit 20 Jahren ging es mir richtig schlecht“, sagt er. „Ich habe gemerkt, dass Laufen und Treppensteigen wegen der Luftnot nicht mehr so gut funktionieren. Vorher hatte ich eigentlich eine gute Kindheit – bis auf die vielen Medikamente.“ Etwa zehn Kapseln pro Mahlzeit muss Koeppen schlucken: Medikamente zum Schleimlösen, Medikamente mit Verdauungsenzymen und Antibiotika. Zudem inhaliert er Arzneien, die ebenfalls den Schleim verflüssigen sollen. „Bei Mukoviszidose können die Flimmerhärchen wegen des zähen Schleims ihrer Reinigungsfunktion nicht mehr nachkommen“, erklärt Olaf Wiesner, leitender Oberarzt der MHH-Abteilung für Pneumologie. Die Bronchien seiner Patienten kontrolliert er regelmäßig mit einer Lungenspiegelung. Dabei wird ein schmaler Schlauch mit Beleuchtung und Kamera durch Nase und Luftröhre in die Bronchien geschoben.

Neben der Behandlung des zähflüssigen Schleims kämpfen die Lungenärzte gegen die ständigen Infektionen der Mukoviszidosekranken. „Dieses Jahr war mein Infektionsjahr“, sagt Stefan Koeppen. „Ganze achtmal war ich deswegen sogar im Krankenhaus.“ Seit Juli ist der frühere Gebäudereiniger und Kurierfahrer sogar Rentner – krankheitsbedingt. Die vielen Angriffe von Bakterien, Viren und Pilzen haben sein Lungengewebe so stark geschädigt, dass keinerlei körperliche Anstrengung mehr möglich ist. Tag und Nacht ist Koeppen an ein Gerät angeschlossen, das ihm Sauerstoff in hoher Konzentration liefert. Nur so kann seine Lunge noch etwas davon ans Blut weitergeben.

Wegen der starken Beschwerden haben die MHH-Experten den 26-Jährigen jetzt auf die höchste Dringlichkeitsstufe für eine Lungentransplantation gesetzt. Denn die übliche Wartezeit von etwa zwei Jahren wäre für Stefan Koeppen zu lang. Wann das neue Organ kommt, weiß der Bremerhavener aber nicht. „Ich hoffe ja immer …“, sagt er. Bis dahin freut er sich, dass nach der Transplantation der Beatmungsschlauch entfernt wird. Und dass er vielleicht mal wieder Fußball spielen kann.

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