Was tut sich bei der Behandlung von Lungenkrankheiten?
In einzelnen Feldern ist viel Bewegung. So weiß man jetzt beim Lungenkrebs besser, wie die drei Behandlungsoptionen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie kombiniert werden können. Einen wirklichen Durchbruch bei der medikamentösen Therapie gibt es in diesem Bereich momentan leider nicht. Man arbeitet aber beispielsweise an der Entwicklung von Substanzen, die die Gefäßversorgung des Tumors unterdrücken.
Wie sieht es bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD) aus?
Bei der COPD haben wir eine sehr intensive Suche nach neuen Medikamenten. Inzwischen gibt es Mittel, die eine bessere Erweiterung der Bronchien bei weniger Nebenwirkungen ermöglichen. Das größte Problem ist das sogenannte Emphysem im Endstadium der Krankheit. Dabei finden wir große Bereiche mit zerstörten Lungenbläschen. Diese Luftsäcke verdrängen das gesunde Lungengewebe und erschweren so das Atmen. Im experimentellen Stadium gibt es dafür bereits vielversprechende Lösungen, etwa kleine Schirmchen in der Lunge, die die Luft aus den überblähten Bereichen heraus-, aber keine neue Luft hineinlassen. So kann sich das gesunde Gewebe wieder ausdehnen.
Das klingt sehr interessant. Was können Sie zu Lungenentzündung und Tuberkulose berichten?
Bei der Lungenentzündung tut sich ebenfalls einiges. Wir haben etwa 40 neue antibiotische Medikamente, die entweder bereits zugelassen sind oder noch das Zulassungsverfahren durchlaufen. Außerdem werden auch die vor allem gegen Pneumokokken gerichteten Impfstoffe besser. Wir machen hier an der MHH gerade eine Studie zur Pneumokokkenimpfung von über 65-Jährigen. Damit wollen wir herausfinden, wie stark diese Gruppe von einer Impfung profitiert. Auch bei der Tuberkulose haben wir das erste Mal seit 30 oder 40 Jahren neue Medikamente: neue, wirksamere und nebenwirkungsärmere Antibiotika.
Gibt es möglicherweise im Bereich der Lungentransplantation einen Durchbruch?
Nein, das wäre zu viel gesagt. Aber die künstlichen Lungen entwickeln sich weiter, sodass wir nach einem Lungenversagen jetzt statt ein paar Tage bereits ein paar Wochen bis zu einer Transplantation überbrücken können. Darüber hinaus kann eine Spenderlunge heute besser konserviert werden, wir haben verbesserte Operationstechniken und neue Immunsuppressiva, um die Abstoßungsreaktion zu unterdrücken.
Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Am liebsten möchten wir natürlich die eigene Lunge der Patienten regenerieren. Bei Ratten und Mäusen wächst die Lunge tatsächlich nach. Doch beim Menschen ist so etwas bisher unmöglich. Krankes Gewebe ist für immer verloren, und eine Lunge – wie vielleicht beim Herzmuskel möglich – mithilfe von Stammzellen zu regenerieren, scheitert an der Komplexität des Organs, für dessen Funktion viele verschiedene Zelltypen eine Rolle spielen. Doch wer weiß. Vielleicht findet die Wissenschaft irgendwann eine Möglichkeit.
Interview: Nicola Zellmer
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