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Chronisches Nierenversagen

Das stille Leiden

Von Juliane Kaune

Sie meldet sich nicht, wenn es ihr nicht gut geht: „Die Niere ist ein stilles Organ“, sagt MHH-Nephrologe Prof. Hermann Haller. Selbst wenn es schon geschädigt ist, haben die Betroffenen meist keine Schmerzen.

Hinzu kommt, dass Symptome wie Wasseransammlungen im Gewebe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit, Knochenbeschwerden oder Juckreiz auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. „Die Diagnose ist schwierig“, erklärt Haller. Würden erhöhte Laborwerte festgestellt, sei die Nierenkrankheit häufig schon weit fortgeschritten. Mit gefährlichen Folgen: Immer mehr Menschen haben chronisches Nierenversagen – derzeit 18 000 pro Jahr.

Hauptursache für oft irreparable Schäden an den Nieren sind Diabetes und Bluthochdruck. Zu hoher Blutzucker schädigt die kleinen Blutgefäße der Nieren, zu hoher Blutdruck zerstört die Nierenkörperchen. Die Filterfunktion der Niere wird immer mehr beeinträchtigt: Salze lagern sich im Körper ab, Wasser im Gewebe, und der Eiweißstoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht. Weil die geschädigten Nieren auch ihre blutdruckregulierende Funktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen können, steigt der Blutdruck – und das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Vielen Patienten sei dieser Zusammenhang nicht hinreichend bewusst, sagt Haller. Er rät allen Betroffenen, ihre Zuckerkrankheit exakt einstellen und ihren Bluthochdruck mit Medikamenten behandeln zu lassen – „das ist die beste Vorsorge“. Um Nierenschäden frühzeitig erkennen zu können, sollten Patienten mit Diabetes und Bluthochdruck zudem einmal pro Jahr vorsorglich ihren Urin untersuchen lassen. „Die Urinuntersuchung mit einem Teststreifen ist eine einfache und kostengünstige Methode“, erklärt MHH-Oberarzt und Privatdozent Jan T. Kielstein. Die Streifen verfärben sich, wenn Substanzen im Urin auftauchen, die dort nicht hingehören. Finden sich Blut, Zucker oder Eiweißausscheidungen im Harn, sind das Alarmsignale.

Die Filterfunktion der Niere überprüft der Arzt anhand des „Kreatininwertes“ im Blut. Allerdings sei dieser Wert allein nicht aussagekräftig genug, betont Kielstein. Es müssten auch Geschlecht, Alter und Gewicht des Patienten berücksichtigt und die sogenannte glomuläre Filtrationsrate (GFR) errechnet werden, die die Nierenleistung viel genauer anzeige.

Um angegriffene Nieren zu schonen und ihre Funktion möglichst lange zu erhalten, helfen schon kleine Veränderungen wie Rauchverzicht und eine ausgewogene Ernährung. Auch eine im Salzgehalt verminderte, eiweißarme Diät ist in bestimmten Fällen zu empfehlen. Und für Nierenpatienten gilt ebenso wie für Gesunde: Viel trinken ist das A und O – am besten zwei bis drei Liter am Tag.

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