Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Superfilter im Dauereinsatz „Ich könnte Bäume ausreißen!“

Patientengeschichte „Ich könnte Bäume ausreißen!“

Wenn er beschreiben soll, wie es ihm geht, muss Heinz von der Aa nicht lange überlegen: „Ich könnte Bäume ausreißen.“ Ihm ist anzumerken, wie glücklich und erleichtert er ist. Vor acht Wochen haben ihm Ärzte der Medizinischen Hochschule (MHH) eine neue Niere eingesetzt – und sein Körper hat das fremde Organ gut akzeptiert.

Voriger Artikel
Rund um die Niere
Nächster Artikel
Hermann Haller: „Vorbild Hai-Niere“

Alles gut: Transplantationspatient Heinz von der Aa mit Oberarzt Jan T. Kielstein.

Quelle: Rainer Surrey

„Meine Werte werden von Woche zu Woche besser“, sagt der 53-Jährige. Die beschwerliche Zeit an der Dialyse, auf die er in den vergangenen sieben Jahren angewiesen war, ist vorbei: „Das ist ein ganz neues Lebensgefühl.“

Doch bei aller Freude über die erfolgreiche Transplantation bleibt von der Aa vorsichtig: “Übermütig werde ich jetzt nicht“, sagt der selbstständige Werkzeugvertreter aus dem Emsland. Er hat schon zum zweiten Mal eine Spenderniere an der MHH erhalten – die erste hatte nach fünf Jahren ihre Funktion wieder eingestellt.

Zwischen 180 und 200 Nieren transplantieren die MHH-Experten jedes Jahr. In der Regel gehen sie davon aus, dass eine fremde Niere, die im ersten Jahr nach der Transplantation vom Körper des Patienten nicht abgestoßen wird, durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre arbeitet. „Garantieren können wir das leider nicht“, sagt Prof. Hermann Haller, Direktor der Abteilung Nephrologie. Wie bei Heinz von der Aa könnten in Einzelfällen auch schon früher Komplikationen auftreten.

Hinter dem 53-Jährigen liegt eine lange Leidensgeschichte. Vor 22 Jahren bekam er von heute auf morgen dicke Beine – eine entzündliche Autoimmunerkrankung hatte seine Nieren so stark angegriffen, dass sie vier Jahre später endgültig versagten und er zum Dialysepatienten wurde. „Das war ein Schock“, erinnert er sich. Doch er versuchte, die Blutwäsche so gut wie möglich in den Alltag zu integrieren, und ging auch seiner Arbeit weiter nach.

1995 wurde zum ersten Mal eine Spenderniere für ihn gefunden. Dass das fremde Organ nur fünf Jahre in seinem Körper bleiben konnte, sei ein Rückschlag gewesen, berichtet von der Aa. Entmutigen ließ er sich nicht: „Ich habe immer versucht, das Beste aus meiner Situation zu machen.“ Der Emsländer musste erneut an die Dialyse. Doch er wollte nicht mehr wie zuvor dreimal in der Woche für fünf Stunden in das 25 Kilometer von seinem Wohnort Meppen entfernte Dialysezentrum fahren. „Das war zu belastend, und ich konnte es mit dem Job immer schlechter vereinbaren“, erzählt er. „Aber ohne meine Arbeit wäre ich durchgedreht.“

Nach zähen Verhandlungen bewilligte ihm seine Krankenkasse eine Heimdialyse. Und von der Aa legte eiserne Disziplin an den Tag: Von 7.30 Uhr bis zum frühen Abend war er als Vertreter unterwegs – und in jeder zweiten Nacht schloss er sich für acht Stunden an die Dialyse an. „Ich brauche nicht viel Schlaf“, sagt er. Zwar sei er nach einem anstrengenden Arbeitstag stets müde gewesen; mit der nächtlichen Blutwäsche daheim habe er sich aber viel besser gefühlt als im Zentrum, weil er sich die Zeit eigenständig einteilen konnte.

„Jeder Patient muss für sich entscheiden, wie er die Behandlung am besten in seinem Leben unterbringt“, sagt MHH-Oberarzt und Privatdozent Jan T. Kielstein. Rund 67 000 Nierenkranke werden bundesweit an der Dialyse versorgt. Die Heimdialyse könne für Nierenkranke, die sonst gesundheitlich sehr stabil seien, eine Alternative sein, erklärt Kielstein. Voraussetzung sei auch, dass die Kanülen des sogenannten „Shunts“ optimal liegen – sie verbinden Venen und Arterien miteinander, damit das Blut aus dem Körper heraus- und wieder hineinfließen kann.
Auf die Dauer ersetze die Dialyse, die den Körper entgiftet und ihm überschüssige Flüssigkeit entzieht, aber keine Transplantation, sagt der Oberarzt. Die meisten Patienten überbrückten mit der regelmäßigen Blutwäsche denn auch die Wartezeit auf ein Spenderorgan. Sieben Jahre müssen sie sich im Schnitt gedulden, bis ein passendes Organ zur Verfügung steht.

So lange musste auch Heinz von der Aa auf seine zweite neue Niere warten. „Ich hatte gelernt, mit der Dialyse zu leben“, sagt er. Doch er hatte auch immer gehofft, dass dieses „Leben nach der Uhr“, in dem ihm kaum Freizeit blieb und längere Reisen ausgeschlossen waren, sich nicht mehr allzu lange hinziehen würde. Als dann Mitte August der erlösende Anruf aus der MHH kam, dass ein Organ für ihn gefunden wurde, sei das wie ein „Befreiungsschlag“ gewesen. Zwei Monate lebt von der Aa nun mit der fremden Niere. Seine Heimdialyse hat er bereits abgebaut. Und er hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich will noch zehn Jahre bis zur Rente arbeiten.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kläranlage Niere
grafische Darstellung der Niere mit Gefäßen

Frisch gewaschen und gefiltert kann das Blut seine Aufgaben viel besser vollbringen. Die Nieren sorgen dafür, dass mit dem Harn Überflüssiges weggespült wird.

mehr
Mehr aus Superfilter im Dauereinsatz
Wissen
Eis und Schnee Winterdienst: Wann Mieter zur Schaufel greifen müssen Wenn Schnee fällt, steht für Hauseigentümer, manchmal aber auch für Mieter der Winterdienst an.

Bei Eis und Schnee haben Hauseigentümer eine Räum- und Streupflicht. Diese Aufgabe können sie aber auch auf die Mieter übertragen. Und dann? Fragen und Antworten zum Winterdienst.

mehr



Sportnachrichten
Unter neutraler Flagge Russische Sportler dürfen bei Olympia 2018 starten

Start unter neutraler Flagge: Sportler aus Russland dürfen trotz des Doping-Skandals in Russland bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen. Das beschloss die Olympische Versammlung. mehr