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Patientengeschichte

Wenn das Kniegelenk streikt


Arthrose ist häufig auch die Folge eines Unfalls – dann kann eine Prothese helfen. Die Krankheitsgeschichte von Heiner Reuter ist lang. Sie begann mit einem Motorradunfall vor 50 Jahren. Damals brach er sich als Beifahrer den Oberschenkelschaft. Die Operation war eigentlich eine Routineangelegenheit.
Knieuntersuchung

Eine intensive Knieuntersuchung ist wichtig.

© Florian Petrow

Doch die Wunde infizierte sich nach dem Eingriff so stark, dass der Peroneusnerv, der für das Fußheben zuständig ist, angegriffen wurde.

Nach drei Jahren mit mehreren Krankenhausaufenthalten wurde bei dem heute 72-Jährigen das rechte Sprunggelenk versteift. Das führte zu einer Fehlstellung des Beins und im Laufe der Jahre zu immer schlimmer werdenden Schmerzen im Kniegelenk. „Aufgrund der Fehlstellung wurde das Gelenk immer mehr abgenutzt, sodass ich Anfang dieses Jahres vor Schmerzen kaum mehr die Treppe hochkam“, sagt Reuter. Auch wenn das Gelenk ruhiggestellt war, hatte der ehemalige Spediteur aus Blomberg in Westfalen Schmerzen. Doch ins Krankenhaus wollte Reuter lange nicht. „Ich habe so schlechte Erfahrungen mit Krankenhäusern und Operationen gemacht, dass ich mich trotz Schmerzen sehr lange geweigert habe“, sagt er.

Die Diagnose war dann aber eindeutig: Reuter hatte eine Kniegelenksarthrose, genauer gesagt eine posttraumatische Arthrose. „Bei einer Arthrose nutzt sich das Gelenk so stark ab, dass es seine natürliche Aufgabe – die Abfederung von Stößen – nicht mehr wahrnehmen kann“, erklärt Stefan Hankemeier, Oberarzt in der Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Zunächst treten Schädigungen am Knorpel auf, die zu einem gesteigerten Abrieb der gelenkbildenden Oberfläche führen. Schließlich kommt es zu einem Verlust der Knorpelsubstanz. Der Gelenkspalt verschmälert sich, sodass die mechanische Dämpfungsfunktion der Knorpelschicht abnimmt. Der unter dem Knorpel gelegene Knochen wird verstärkt mechanischem Stress ausgesetzt.

Da Reuters Gelenk völlig abgenutzt war, entschloss er sich schließlich zu einer Knieprothese. Die Ärzte in seiner Heimatstadt hatten ihm die MHH empfohlen. Im Herbst erfolgte dann der Eingriff. „In der Knieendoprothetik arbeiten wir mit der intraoperativen Navigation – also mit Unterstützung bildgebender Verfahren“, erklärt Hankemeier. Die Chirurgen entfernten bei Reuter zunächst die abgeschliffenen Knorpelflächen sowie die Meniskusreste. Anschließend brachten sie Oberschenkel- und Unterschenkelknochen in die erforderliche Passform für die Kniegelenksprothese und verankerten diese dann mit Knochenzement.

Durch das navigationsgestützte Operieren ist eine höhere Genauigkeit während des Eingriffs möglich. „Durch die Navigation sind wir in der Lage, die Schnittebenen an Schienbein und Oberschenkelknochen genau festzulegen. Daraus resultiert eine optimale Beinachseneinstellung“, sagt Hankemeier. Jährlich werden auf diese Weise etwa 150 Patienten in der MHH behandelt.

Heiner Reuter konnte schon am zweiten Tag nach der Operation die ersten Schritte mit der neuen Knieprothese machen. Rund acht Wochen nach dem Eingriff fühlt er sich rundum wohl. Er wirkt entspannt und gut erholt. „Noch ist das Knie etwas angeschwollen, doch täglich wird es besser“, sagt er. Die Schmerzen gehören für den 72-Jährigen jedenfalls der Vergangenheit an. Jetzt kann er nicht nur unbeschwert Treppe steigen, sondern nach einer Anlaufphase auch wieder längere Wanderungen unternehmen – ein Hobby, das er sehr lange Zeit vermisst hat.

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