Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Patientengeschichte

Wie aus Sodbrennen Krebs wird

Von Veronika Thomas

Werner Ziebritzki hat Glück gehabt. Gerade noch rechtzeitig entdeckten Ärzte bei einer Magenspiegelung des 73-Jährigen in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein sogenanntes Barrettkarzinom: eine Krebserkrankung im unteren Abschnitt der Speiseröhre.
Vorbereitung zur Endoskopie

Nicht angenehm, aber wichtig für die Diagnose: die Magenspiegelung

© Dennis Börsch

„Das war für ihn wie ein Sechser im Lotto“, sagt der behandelnde Arzt, Prof. Christian P. Strassburg, stellvertretender Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie an der MHH. „Mit dem Endoskop konnten wir das mikroskopisch kleine Karzinom komplett entfernen.“
Schon jahrelang hatte der Garbsener Rentner unter Sodbrennen gelitten. „Ich habe mehr als 40 Jahre im Außendienst gearbeitet“, erzählt der ehemalige Geschäftsführer. „Unregelmäßige Mahlzeiten, oft erst am späten Abend, waren für mich völlig normal.“ Ziebritzki vertraute darauf, dass die Beschwerden mit dem Eintritt in den Ruhestand nachlassen würden. Das taten sie aber nicht.

Bei einer Magenspiegelung bei seiner Internistin im Jahr 2004 sah alles noch gut aus, gegen das Sodbrennen erhielt Ziebritzki Säureblocker. Die Ärztin riet ihm, sich spätestens ein Jahr später noch einmal endoskopieren zu lassen. Bei dieser Untersuchung entdeckte die Ärztin Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut und überwies den Rentner in eine Klinik. Von dort kam er sofort in die MHH. „Sein Glück war es, dass er das Sodbrennen ernst genommen hat“, sagt Strassburg. Viele Patienten tun das nicht. „Sie greifen stattdessen zu Kautabletten, die laut Werbung den Magen aufräumen sollen.“

Wäre Werner Ziebritzki ein gutes Jahr später gekommen, hätte es schon zu spät sein können. Denn die Heilungschancen des Barrettkarzinoms, eine der am stärksten zunehmenden Krebserkrankungen in der westlichen Welt, sind sehr schlecht, wenn der Tumor zu spät erkannt wird. „Man muss den Patienten dann – wenn noch möglich – ein Stück der Speiseröhre entfernen und gegebenenfalls das fehlende Stück bis zum Magen überbrücken, was sehr kompliziert sein kann“, sagt der Gastroenterologe. Hinzu kommen Strahlen- und Chemotherapie. „Viele Patienten in fortgeschrittenen Stadien überleben das nicht.“

Die bösartige Erkrankung beginnt recht harmlos: mit Sodbrennen. Dabei fließt der extrem säurehaltige Magensaft zurück in die Speiseröhre. Diese Reflux (Rückfluss) genannte Erkrankung wird durch Alkohol- und Tabakmissbrauch, Übergewicht und falsche Ernährungsgewohnheiten wie Essen am späten Abend begünstigt. Wird der Reflux über Jahre ignoriert oder nur mit Hilfe frei verkäuflicher „Magenaufräumer“ behandelt, kann der saure Magensaft Zellveränderungen an der Schleimhaut im Bereich des Übergangs zwischen Speiseröhre und Mageneingang entwickeln.

Obgleich die Speiseröhre durch eine Spiegelung recht einfach untersucht werden kann, gehen viele Patienten erst dann zum Arzt, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist, beispielsweise wenn sie schon unter deutlichen Schluckbeschwerden leiden. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft stehen die Heilungschancen für Speiseröhrenkrebs im fortgeschrittenen Stadium schlecht. Weniger als zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre.

Werner Ziebritzki kommt seit seiner endoskopischen Behandlung regelmäßig zur Nachkontrolle in die MHH. Und er hat seine Lebensgewohnheiten radikal geändert. „Ich frühstücke ausgiebig. Mittags esse ich nach Bedarf, und nach 18 Uhr nichts mehr, um meinen Magen nachts nicht unnötig zu belasten.“ Auf seinem Speisezettel stehen Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Stark gewürzte Speisen und Geräuchertes hat er komplett gestrichen.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Wissen

Schuld und Software

Kann ein Roboter bestraft werden?

Was passiert, wenn ein Roboter wie dieser neu entwickelte intelligente Senioren-Scooter Schäden verursacht oder Menschen verletzt? Darüber diskutieren Juristen der der Uni Würzburg.

Roboter sollen im Alltag immer wichtiger werden. Sie helfen alten Menschen oder in Betrieben. Doch was passiert, wenn eine Maschine irrt? Wenn Menschen verletzt werden - wer steht dann vor Gericht? Würzburger Juristen suchen nach Antworten. mehr

KommentareKommentar/e



Anzeige

Laufen

Laufpass

Hannover ist ein Paradies für Jogger! Beim Laufpass 2010 trifft sich Hannovers Läufergemeinde. Hier finden Sie alle Termine und nach jedem Lauf das aktuelle HAZ-Ranking zum Download.

Magazin Gesund

Gesund

Medizin, Fitness, Ernährung, Psychologie - hier finden Sie die Artikel der HAZ-Beilage.

Radfahren

Fahr Rad

Auf zwei Rädern lassen sich die Reize der Region Hannover am besten entdecken. die HAZ-Redakteure Bernd Haase und Thorsten Fuchs haben 15 Touren zusammengestellt.

Sportnachrichten

Madrid-Trauma überwunden

Triathlet Petzold bei Olympia dabei

Foto: Triathlet Maik Petzold hat sich für Olympia qualifiziert.

Das Olympia-Team der Deutschen Triathlon Union ist komplett. Maik Petzold holte sich am Sonntag beim WM-Rennen in Madrid das letzte London-Ticket. Anne Haug und Svenja Bazlen hatten sich einen Tag zuvor qualifiziert. DTU-Sportdirektor Wolfgang Thiel ist zufrieden. mehr

KommentareKommentar/e





Top