„Das war für ihn wie ein Sechser im Lotto“, sagt der behandelnde Arzt, Prof. Christian P. Strassburg, stellvertretender Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie an der MHH. „Mit dem Endoskop konnten wir das mikroskopisch kleine Karzinom komplett entfernen.“
Schon jahrelang hatte der Garbsener Rentner unter Sodbrennen gelitten. „Ich habe mehr als 40 Jahre im Außendienst gearbeitet“, erzählt der ehemalige Geschäftsführer. „Unregelmäßige Mahlzeiten, oft erst am späten Abend, waren für mich völlig normal.“ Ziebritzki vertraute darauf, dass die Beschwerden mit dem Eintritt in den Ruhestand nachlassen würden. Das taten sie aber nicht.
Bei einer Magenspiegelung bei seiner Internistin im Jahr 2004 sah alles noch gut aus, gegen das Sodbrennen erhielt Ziebritzki Säureblocker. Die Ärztin riet ihm, sich spätestens ein Jahr später noch einmal endoskopieren zu lassen. Bei dieser Untersuchung entdeckte die Ärztin Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut und überwies den Rentner in eine Klinik. Von dort kam er sofort in die MHH. „Sein Glück war es, dass er das Sodbrennen ernst genommen hat“, sagt Strassburg. Viele Patienten tun das nicht. „Sie greifen stattdessen zu Kautabletten, die laut Werbung den Magen aufräumen sollen.“
Wäre Werner Ziebritzki ein gutes Jahr später gekommen, hätte es schon zu spät sein können. Denn die Heilungschancen des Barrettkarzinoms, eine der am stärksten zunehmenden Krebserkrankungen in der westlichen Welt, sind sehr schlecht, wenn der Tumor zu spät erkannt wird. „Man muss den Patienten dann – wenn noch möglich – ein Stück der Speiseröhre entfernen und gegebenenfalls das fehlende Stück bis zum Magen überbrücken, was sehr kompliziert sein kann“, sagt der Gastroenterologe. Hinzu kommen Strahlen- und Chemotherapie. „Viele Patienten in fortgeschrittenen Stadien überleben das nicht.“
Die bösartige Erkrankung beginnt recht harmlos: mit Sodbrennen. Dabei fließt der extrem säurehaltige Magensaft zurück in die Speiseröhre. Diese Reflux (Rückfluss) genannte Erkrankung wird durch Alkohol- und Tabakmissbrauch, Übergewicht und falsche Ernährungsgewohnheiten wie Essen am späten Abend begünstigt. Wird der Reflux über Jahre ignoriert oder nur mit Hilfe frei verkäuflicher „Magenaufräumer“ behandelt, kann der saure Magensaft Zellveränderungen an der Schleimhaut im Bereich des Übergangs zwischen Speiseröhre und Mageneingang entwickeln.
Obgleich die Speiseröhre durch eine Spiegelung recht einfach untersucht werden kann, gehen viele Patienten erst dann zum Arzt, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist, beispielsweise wenn sie schon unter deutlichen Schluckbeschwerden leiden. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft stehen die Heilungschancen für Speiseröhrenkrebs im fortgeschrittenen Stadium schlecht. Weniger als zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre.
Werner Ziebritzki kommt seit seiner endoskopischen Behandlung regelmäßig zur Nachkontrolle in die MHH. Und er hat seine Lebensgewohnheiten radikal geändert. „Ich frühstücke ausgiebig. Mittags esse ich nach Bedarf, und nach 18 Uhr nichts mehr, um meinen Magen nachts nicht unnötig zu belasten.“ Auf seinem Speisezettel stehen Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Stark gewürzte Speisen und Geräuchertes hat er komplett gestrichen.
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