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Interview

Alexander Klapp: „Biologische Blockade"

Von Juliane Kaune

Die Ärzte der Hautklinik der MHH arbeiten an zahlreichen Forschungsprojekten. Besonders erfolgreich ist das Team um Prof. Alexander Klapp, bei der Bekämpfung der Schuppenflechte.
Prof. Alexander Klapp aus der Hautklinik der MHH

Prof. Alexander Klapp aus der Hautklinik der MHH

© Rainer Surrey

Welches sind die Schwerpunkte Ihrer Forschungen?

Ein wesentlicher Bereich unserer Arbeit ist die allergische Entzündung – hier arbeiten unsere Wissenschaftler auf dem Gebiet der Neurodermitis, des Heuschnupfens, der Arzneimittelallergien und der Nesselsucht. Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben oder hatten eine dieser Erkrankungen. Darüber hinaus liegen die Schwerpunkte im Bereich der Autoimmunerkrankungen der Haut und der Schuppenflechte.

Auf welchem Gebiet gibt es wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse?

Bei der Therapie der Schuppenflechte, die die Patienten mit juckenden und schuppenden Hautausschlägen quält, verfolgen wir vielversprechende Ansätze mit neuen Medikamenten – sogenannten „Biologicals“. Diese beeinflussen die Immunprozesse im Körper. Neben der konventionellen Hautbehandlung mit Salben oder Cremes ist bei der Schuppenflechte häufig eine Therapie angezeigt, die direkt in das Immunsystem eingreift.

Was weiß man über die Ursachen der Schuppenflechte?

Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung haben eine Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt. Für die nicht ansteckende Krankheit gibt es eine genetische Veranlagung. Darum gilt sie bisher auch als nicht heilbar. Psychische Effekte wie Stress können die Symptome verstärken. Bekannt ist, dass sich bei den Betroffenen die Hautzellen übermäßig schnell teilen und eine „falsche“ Verhornung aufweisen: Man sieht schuppende, entzündete Plaques an der Hautoberfläche. Die Psoriasis gilt als eine durch Immunzellen (T-Zellen) vermittelte (Auto-)immunkrankheit der Haut, bei der eine vermehrte Produktion von Entzündungsbotenstoffen eine wesentliche Rolle spielt. Die neuen Immuntherapien zielen im Wesentlichen auf eine Abschwächung dieser Botenstoffe ab.

Wie wirken die „Biologicals“ dem entgegen?

„Biologicals“ sind gentechnologisch hergestellte Eiweiße, die biologische Effekte im Körper hemmen. Diese Präparate schalten zum Beispiel den für die Schuppenflechte zentralen Entzündungsbotenstoff TNF-alpha aus. Sie blockieren die Andockstellen (Rezeptoren), mit deren Hilfe der Botenstoff seine Wirkung entfaltet. Dadurch wird der Ablauf der Entzündung in der Haut und den beteiligten Zellen gebremst.

Welchen Erfolg verspricht die Therapie?

Wissenschaftliche Studien, an denen auch wir beteiligt waren, haben bewiesen, dass die Wirkung der neuen Präparate ganz hervorragend ist. Die „Biologicals“ werden auch bereits zur Behandlung eingesetzt. Allerdings sind diese Therapien noch sehr teuer – bis zu 20 000 Euro pro Jahr kann eine solche Behandlung kosten. Die Krankenkassen zahlen dafür nur in bestimmten Fällen. Zum Beispiel, wenn konventionelle, das Immunsystem beeinflussende Verfahren wie etwa Lichttherapien oder die Gabe von Fumarsäure bei einem Patienten nicht angeschlagen haben oder nicht vertragen wurden. Auch Betroffene mit besonderes schwerer Psoriasis, deren Gelenke sich entzündet haben, werden mit „Biologicals“ therapiert.

Wann könnten noch mehr Patienten davon profitieren?

Ich hoffe, dass die Medikamente in einigen Jahren billiger werden. Zudem hat sich erwiesen, dass die bei der Schuppenflechte häufig notwendigen stationären Klinikaufenthalte sich bei einer Kombinationstherapie in Verbindung mit „Biologicals“ deutlich reduzieren lassen. Und auf diese Weise könnten dem Gesundheitssystem langfristig Kosten erspart werden.

Interview: Juliane Kaune

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