Während das wichtigste Hormon der Männer das Testosteron ist, hängt die Funktion des weiblichen Körpers von Östrogen, Gestagen und Progesteron ab.
Männer sind hormongesteuert – Frauen auch. Tatsächlich sind es die Hormone, die als Botenstoffe alle wichtigen Stoffwechselvorgänge im Körper eines Menschen beeinflussen. So steuern sie den Unterschied zwischen Mann und Frau. Später sorgen die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone dafür, dass der Junge zum Mann und das Mädchen zur Frau wird.
Für die körperliche Entwicklung der Frau ist das Auf und Ab der Sexualhormone – die wichtigsten sind Östrogene und Progesterone – entscheidend. Vor den Wechseljahren sind die Eierstöcke mit ihrem scheinbar unbegrenzten Vorrat an Eibläschen (Eifollikeln) die Produktionsstätte der Hormone. Bei der Geburt befinden sich in den Eierstöcken schätzungsweise 1,2 Millionen dieser winzigen Follikel, die in ihrem Inneren jeweils eine Eizelle enthalten. Auf diese Zahl ist der Vorrat an Eizellen auch begrenzt, sie müssen das ganze Leben lang reichen. Dennoch geht der Körper fast schon verschwenderisch mit diesem Vorrat um. Pro weiblichem Zyklus wird zwar meist nur eine Eizelle befruchtungsfähig und durch den Eisprung in den Eileiter transportiert. Mit ihr reifen jedoch etwa 1000 weitere Eizellen heran, die ungenutzt absterben.
Mädchen bilden Geschlechtshormone am Anfang nur in äußerst geringen Mengen. Diese reichen jedoch aus, um die Hirnanhangsdrüse davon abzuhalten, mithilfe weiterer Hormone die Eierstöcke zu höheren Leistungen zu stimulieren. Erst wenn das Mädchen zehn Jahre alt ist, lässt die Bremswirkung nach. Die Drüse kann durchstarten und die Produktion von Östrogenen ankurbeln. Diese leiten dann all die Entwicklungsschritte ein, die aus einem Mädchen eine Frau machen, also das Wachstum der Brust, die weibliche Fettverteilung im Körper, die Behaarung, die Veränderung der Stimme.
Östrogene fördern die sexuelle Lust und sind mit an der Steuerung des komplizierten weiblichen Zyklus beteiligt, der jeden Monat für die Reifung einer neuen befruchtungsfähigen Eizelle sorgt. Darüber hinaus haben Östrogene viele weitere Aufgaben: Sie fördern den Knochenaufbau, sind an der Regelung des Fettstoffwechsels beteiligt, schützen die Gesundheit der Blutgefäße, sorgen für die Stabilität des Bindegewebes und sind auch für das seelische Gleichgewicht wichtig. Die erste Regelblutung setzt bei einem Mädchen etwa mit 13 Jahren ein. Bis sich der monatliche Zyklus eingespielt hat, vergehen noch einige Jahre. Hat er sich etwa um das 16. Lebensjahr stabilisiert, ist der weibliche Organismus geschlechtlich voll ausgereift.
Etwa zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr – das ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich – lässt die Produktion weiblicher Geschlechtshormone wieder nach. Die Wechseljahre beginnen. Die Eierstöcke reagieren nicht mehr zuverlässig auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Eisprung und Regelblutung werden unregelmäßig, der Hormonspiegel sinkt. Schließlich wird nur noch eine sehr geringe Menge Östrogen, das Progesteron gar nicht mehr produziert. Die Regelblutung bleibt am Ende ganz aus, die sogenannte Menopause ist erreicht.
Egal zu welcher Zeit – wenn das fein aufeinander abgestimmte weibliche Hormonsystem aus den Fugen gerät, hat das immer Folgen. Zum Beispiel für die Fruchtbarkeit. Frauen erkennen ihren nicht richtig funktionierenden Hormonhaushalt oft an unregelmäßigen Blutungen oder einem völligen Ausbleiben der Regel. Die Gelbkörperschwäche ist dabei eine der am häufigsten gestellten Diagnosen bei der Behandlung von Paaren, die sich ohne Erfolg ein Kind wünschen: Sie tritt bei fünf bis zehn Prozent der kinderlos gebliebenen Frauen auf. Nach dem Eisprung kommt es zu einer geringen Ausbildung des Gelbkörperhormons. Da dieses aber für die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Eizelle verantwortlich und auch zur Erhaltung der Schwangerschaft wichtig ist, führt eine Gelbkörperschwäche häufig zu Fehlgeburten.
Oft ist außerdem ein erhöhter männlicher Hormonspiegel der Frau die Ursache der Unfruchtbarkeit. Ein Eisprung findet kaum statt, da die männlichen Hormone das Eibläschen an seiner normalen Entwicklung hindern. Wenn die Regelblutung ganz ausbleibt, kann auch der Ausfall der Hirnanhangsdrüse schuld sein. Diese Drüse produziert zwei Hormone, die, wenn sie nur in geringen Mengen ausgeschüttet werden, den Eierstöcken kein ausreichendes Signal zum Ausreifen der Eizelle geben. Stresssituationen, starker Gewichtsverlust oder intensiver Leistungssport können die Ursache für eine solche Störung sein. Zysten an den Eierstöcken, ein erhöhter Prolaktinwert oder eine Schilddrüsenstörung sind weitere Faktoren, die Frauen nicht schwanger werden lassen. Auch frühzeitige Wechseljahre gehören dazu. Bei den Betroffenen stellen dabei die Eierstöcke schon in jungen Jahren ihre Tätigkeit ganz ein.
Jahre später sind die Wechseljahre ein „ganz natürlicher Lebensabschnitt und keine Krankheit“, sagt Cordula Schippert, Oberärztin in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Haut oder Depressionen lassen sich häufig schon durch eine gesunde Ernährung, Bewegung oder ein richtiges Trinkverhalten lindern. Daneben schwören viele Betroffene auf pflanzliche Arzneien wie Trauensilberkerze (enthält pflanzliche Östrogene), Mönchspfeffer (bei Wassereinlagerungen und Brustspannen), Johanniskraut (stimmungsaufhellend) und Salbei (gegen Schweißausbrüche). Allerdings ist die Wirkung derartiger Mittel noch nicht ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen. Wenn alles nicht hilft und die Beschwerden so stark sind, dass die Lebensqualität der Betroffenen stark leidet, verschreiben viele Ärzte Medikamente oder eine Hormonersatztherapie.
Doch auch die Wechseljahre gehen irgendwann vorbei – wenn manchmal auch erst nach Jahren. Neben den Veränderungen in ihrem Körper erleben die Frauen in dieser Zeit häufig auch eine Veränderung ihrer Lebenssituatiuon. Deshalb nutzen viele die Phase der Wechseljahre, um neu über ihr Leben nachzudenken.
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