Wer kommt in Ihre Sprechstunde?
Zu uns werden überwiegend Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, aber auch Menschen mit anderen hormonellen Problemen wie Wechseljahresbeschwerden, dem PCO-Syndrom oder wiederholten Fehlgeburten überwiesen sowie Frauen mit Veränderungen wie Myomen, Endometriose (Wucherung von Gebärmutterschleimhaut) oder Fehlbildungen oder Kinder und Jugendliche mit gynäkologischen Problemen.
Zum Thema Kinderlosigkeit: Zu welchem Zeitpunkt kommen die Paare zu Ihnen?
Man spricht von ungewollter Kinderlosigkeit oder Sterilität, wenn trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr nach einem Jahr keine Schwangerschaft eingetreten ist.
Woran liegt es häufig?
Dies kann sehr unterschiedliche Gründe haben, etwa organische Veränderungen, hormonelle Störungen wie mangelnde Eizellreifung, ein fehlender Eisprung, eingeschränkte Spermienqualität, höheres Alter der Betroffenen und viele andere Faktoren wie internistische Erkrankungen oder zu hoher Nikotinkonsum.
Welche Rolle spielen die Hormone der Frau?
Hormonelle Störungen sind aufseiten der Frau häufig Ursache einer ungewollten Kinderlosigkeit. Der weibliche Zyklus wird durch ein System fein aufeinander abgestimmter Hormone reguliert, sie werden zu verschiedenen Zeitpunkten des Zyklus aktiv. Jede noch so kleine Abweichung wirkt sich auf den Zyklus und somit die Fruchtbarkeit der Frau aus.
Wie gehen Sie in den Sprechstunden vor?
Zunächst führe ich ein ausführliches Gespräch mit dem Paar, bevor wir mit den ersten Untersuchungen beginnen. Wir erforschen wie ein Detektiv, welches die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit sein könnten. Schwierig wird es, wenn messbare Ursachen einer Sterilitätat alle ausgeschlossen wurden, die Frau aber dennoch nicht schwanger wird. Die Paare stehen dabei unter enormem psychischem Stress. Es gibt leider immer wieder Paare, denen man den Kinderwunsch nicht erfüllen kann.
Wie verhelfen Sie Paaren zu Kindern?
Wir bieten in Zusammenarbeit mit den anderen Fachrichtungen der MHH wie Urologie oder Endokrinologie so gut wie alle Verfahren der modernen Reproduktionsmedizin an. Dies sind beispielsweise Inseminationen, bei denen zum Zeitpunkt des Eisprungs die im Labor aufbereiteten Spermien des Mannes direkt in die Gebärmutterhöhle gespritzt werden oder die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF), eine künstliche Befruchtung. Bei dieser Behandlung werden der Frau nach vorheriger hormoneller Stimulation Eizellen entnommen, die dann außerhalb des Körpers mit dem Samen des Mannes zusammenführt werden. Die so entstandenen Embryonen werden dann in die Gebärmutterhöhle eingeführt.
Wie hoch sind die Erfolgschancen?
Die Erfolgsaussichten sind individuell unterschiedlich und von der Art der zur Sterilität führenden Störung und vom Alter der Frau abhängig. Durchschnittlich liegt die Schwangerschaftsrate bei der künstlichen Befruchtung in Deutschland bei 28 bis 30 Prozent pro Behandlung. Wir betreuen Frauen, die erfreulicherweise schnell schwanger werden, andere jedoch erst nach einigen Jahren.
Interview: Heike Manssen
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