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Patientengeschichte

„Das war wie Zahnschmerzen im Arm“

Von Nicola Zellmer

Mit einem Hirnschrittmacher konnten die MHH-Neurochirurgen Annegret Hausmanns Schmerzen lindern.
Prof. Joachim Krauss (links) und Hans-Holger Capelle programmieren den Hirnschrittmacher einer Patientin

Feinabstimmung: Prof. Joachim Krauss (links) und Hans-Holger Capelle programmieren den Hirnschrittmacher von Annegret Hausmann.

© Dennis Börsch

Ohne die Unterstützung ihres Mannes hätte es Annegret Hausmann sicher nicht geschafft. „Zahnschmerzen im Arm“ nennt die 58-Jährige die gemeinen Nervenschmerzen im rechten Unterarm, die sie seit einer Nervenentzündung (Neuritis) im Jahr 2003 quälten. Erst in der Klinik für Neurochirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnten ihr Direktor Prof. Joachim Krauss und sein Team Anfang dieses Jahres helfen.

Warum sich der sogenannte Ulnarisnerv im Unterarm überhaupt entzündete, kann Annegret Hausmann nur raten. „Vielleicht war es die Arbeit am Computer“, sagt sie. Zuerst dachte sie noch, dass Schmerzmittel helfen. Dann versuchte sie eine Operation zur Entlastung des Nervs. Doch die Schmerzen wurden noch schlimmer. Ein zweiter Chirurg mühte sich, den geknickten und an der Knochenhaut festgewachsenen Nerv wieder zu richten. Aber auch das brachte wenig Erfolg.

Annegret Hausmann hatte weiterhin Schmerzen. Auf einer Skala von eins bis zehn lagen diese bei vier bis fünf, solange sie den Arm nicht bewegte. Wenn sich das doch nicht vermeiden ließ – etwa weil der Arm beim Gehen mitschwang – schnellte der Schmerz auf einen Wert von acht oder neun. Auch ihr Hausarzt wusste sich nicht anders zu helfen, als seiner Patientin schließlich Morphium zu verschreiben. „Ich konnte mit dem rechten Arm gar nichts mehr machen – nicht mal kochen“, beschreibt die 58-Jährige. Sogar viele Pullover und Jacken sortierte sie aus, weil die Unterseite ihres Arms so berührungsempfindlich war, dass jede Naht schmerzte. Abends bettete sie den kranken Arm vorsichtig über ihren Kopf und nahm dann Morphium, um in einen betäubten Schlaf zu sinken.

Zum Glück war da Annegret Hausmanns Mann, der zu ihr hielt, sie aufbaute, wenn es nicht weiterging, für sie kochte und einkaufte. Und eines Tages brachte er von seinem Orthopäden die Idee einer Hirnschrittmacheroperation mit. Dabei pflanzen die Neurochirurgen dem Patienten in einer Wachoperation eine oder mehrere winzige Elektroden an genau definierten Stellen in das Gehirn ein. Sie sind mit einem Schrittmacher unter dem Schlüsselbein verbunden. Dieser schaltet einen „Störstrom“ ein, der die Weiterleitung des Schmerzreizes blockiert.

„Als ich gehört habe, dass sie meinen Kopf aufmachen wollen, habe ich erstmal konsequent Nein gesagt“, erinnert sich Annegret Hausmann. Doch die Schmerzen waren stärker. „Irgendwann ist man so mürbe, dass einem alles egal ist“, sagt die Patientin. Zudem hätten ihr Prof. Krauss und seine Kollegen alle nötigen Schritte für das Einsetzen der in ihrem Fall zwei Elektroden ruhig erklärt und ihr so die Angst vor der Operation genommen. „Auch während des Eingriffs war die Atmosphäre im Operationssaal entspannt.“

Schon beim ersten probeweisen Einschalten des Störstroms kribbelte es in Annegret Hausmanns Arm. Ein Zeichen dafür, dass die Elektrode an der richtigen Stelle sitzt. „Die Voraussetzungen für einen Hirnschrittmacher waren bei Frau Hausmann ideal“, erklärt Krauss. „Der wirkt nämlich am Besten bei typischen Nervenschmerzen.“ Im Anschluss an die Operation musste die Patientin zunächst den Hirnschrittmacher programmieren lassen. Dabei haben die Ärzte Stromstärke und Impulsbreite eingestellt und diejenige der beiden Elektroden aktiviert, die am effektivsten wirkt.

Das Ergebnis ist für Annegret Hausmann fast wie ein Wunder. „Ich empfinde den Arm irgendwie als leichter und kann Bewegungen machen, die vorher nicht möglich waren“, sagt sie. Auch ihr Mann meinte, sie sehe aus wie neugeboren. Bislang muss sie zwar noch etwas Morphium nehmen. Aber weil es normalerweise einige Zeit dauert, bis der Schmerzautomatismus wirkungsvoll blockiert ist, hat sie die Hoffnung, dass auch das vielleicht unnötig wird. „Und vielleicht kann ich dann endlich wieder mit unserem Dackel laufen gehen“, hofft die 58-Jährige.

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