Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Sinnesorgan Haut

Der Schutzwall

Von Juliane Kaune

Meistens fühlen wir uns ganz wohl in unserer Haut. Denn dieses größte Sinnesorgan des Körpers lässt uns die Umwelt spüren, schottet uns aber zugleich gegen Eindringlinge oder andere unangenehme Dinge ab.
Grafik:Die Haut mit der oben liegenden Epidermis, der darunter befindlichen Lederhaut und der wasserspeichernden Unterhaut. Dort hinein ragen Gefäße, Drüsen und Körperhaare.

Vielschichtig: Die Haut mit der oben liegenden Epidermis, der darunter befindlichen Lederhaut und der wasserspeichernden Unterhaut. Dort hinein ragen Gefäße, Drüsen und Körperhaare.

© istock.com

Sie hüllt uns ein, schützt und umgibt uns. Was alles in ihr steckt, ist enorm: Mit rund zwei Quadratmetern Fläche und einem Gewicht von bis zu zehn Kilogramm ist die Haut das größte und schwerste Organ des Menschen – und das vielseitigste. „Sie ist ein Phänomen“, schwärmt Ulrike Raap, Fachärztin an der Hautklinik Linden der Medizinischen Hochschule (MHH) Hannover und des Klinikums Region Hannover. Die Haut prägt unser Äußeres, in ihr zeichnen sich Jugend und Alter ab. Zugleich ist sie die wichtigste Schutzbarriere des Menschen. Sie schirmt das Körperinnere vor Umwelteinflüssen und Krankheitserregern ab, sie kühlt und wärmt uns. Darüber hinaus hat sie ein sehr empfindliches Sensorium – und ist damit unser größtes Sinnesorgan.

Um zu verstehen, wie unsere Körperhülle das alles bewerkstelligt, geht der Blick im wahrsten Wortsinn unter die Haut. Dort findet sich ein „Schichtkuchen“ – er beginnt mit der von außen sichtbaren Oberhaut, dann kommt die Leder- und schließlich die Unterhaut. Die Oberhaut (Epidermis) besteht größtenteils aus bereits verhornten Zellen, die die zentrale Barriere gegen Angriffe von außen bilden. Die Zellen der darunter liegenden Keimschicht wiederum teilen sich laufend, sie produzieren ständig Nachschub für die stabile Schutzhülle und verdrängen ihre nicht mehr benötigten Vorgänger – diese fallen als Hautschuppen ab. „Es klingt unglaublich, aber es stimmt: Etwa alle 27 Tage erneuert sich die Haut des Menschen auf diese Weise komplett“, erklärt Ulrike Raap.

Die Lederhaut (Dermis) ist ein Treffpunkt für viele verschiedene Funktionsträger der Haut: In ihr versammeln sich Blutgefäße, Haarwurzeln, Schweiß- und Talgdrüsen. Und dort enden auch viele Nervenfasern, die auf Berührung, Temperatur, Druck oder Schmerz reagieren. Die Dermis ist strukturiert durch ein dichtes Netz aus Bindegewebe und Kollagenfasern, die die Haut straff und elastisch halten. Hinzu kommt ein weit verzweigtes Geflecht von Blutgefäßen.

Wird etwa bei körperlicher Anstrengung mehr Blut durch die Kapillaren gepumpt, rötet sich die Haut und gibt Wärme nach außen ab – um den Körper zu kühlen. Auch die Schweißdrüsen – durchschnittlich 100 pro Quadratzentimeter – wirken als körpereigene Klimaanlage: Durch die Verdunstung des Schweißes wird Wärme abgeführt. Die Talgdrüsen wiederum sorgen dafür, dass die Haut gut gefettet wird. Verändert sich der Hormonhaushalt, etwa in der Pubertät, werden sie aktiver. Das Fett staut sich in den Poren und kann sich entzünden: Ein Pickel entsteht.

Zentrale Aufgabe der Unterhaut (Subcutis) ist es, Wasser zu speichern. Etwa ein Drittel des Körperwassers befindet sich in den Zellen der Subcutis. Um eine frische, straffe Haut zu behalten, sollte man darum täglich mindestens zwei Liter trinken. Doch auch ein anderes Depot ist in der Unterhaut angesiedelt: Dort speichert der Körper sein Fett. Die Fettzellen sind eigentlich dafür da, den Körper zu wärmen und mit Energie zu versorgen. Doch schnell sammeln sich zu viele von ihnen an. Und diese können in dem lockeren Bindegewebe vor allem bei Frauen unschöne Beulen verursachen. Das Ergebnis: Orangenhaut, von der 80 Prozent der weiblichen Bevölkerung betroffen sind.

Die Haut ist die Schutzhülle für unseren Körper. Aber auch sie selbst muss geschützt werden, um gesund zu bleiben. Von Natur aus umgibt sie ein Säureschutzmantel, ein schwach saurer Film aus Fett und Wasser mit einem ph-Wert von 5,5, der Bakterien oder Pilze davon abhält, in den Körper einzudringen. Durch tägliches Waschen oder Duschen wird diese natürliche Schicht jedoch heftig strapaziert. Schon allein das klare Wasser trocknet die Haut aus, denn es löst Substanzen wie Harnsäure aus der Haut, die Feuchtigkeit binden. Seife und Badezusätze tun ein Übriges.

Dem lasse sich nur mit einer konsequente Pflege begegnen, die der Haut ausreichend Fett und Feuchtigkeit zuführt, betont MHH-Dermatologin Raap. Regelmäßig eincremen, lautet daher ihr Rat – vor allem, wenn die Haut nach dem Duschen spannt. Vor allem harnstoffhaltige Salben seien bei trockener Haut empfehlenswert. Schlicht falsch sei die Behauptung, durch intensive Pflege gewöhne sich die Haut zu sehr an die Cremeportion von außen. Allerdings hält die Hautärztin wenig davon, mit allerlei Lotionen gegen Falten anzukämpfen. Schon etwa ab Mitte 20 produziert die Oberhaut weniger Zellen, im Laufe der Lebensjahre dünnt sie aus, die Kollagenfasern verlieren an Elastizität – mit dem Ergebnis, dass die Haut schlaffer und faltig wird. Es gibt auch Faktoren, die die Haut schneller altern lassen – das UV-Licht der Sonne gehört dazu. Um einem allzu zügigen Verlauf des natürlichen Alterungsprozesses vorzubeugen, sei es sinnvoll, regelmäßig Hautcreme mit leichtem Lichtschutzfaktor zu verwenden, rät Raap. Die Haut verfügt jedoch auch über ein eigenes „eingebautes“ Schutzsystem: Spezielle Zellen, die Melanozyten, produzieren unter Sonneneinstrahlung den Farbstoff Melanin, zusätzlich verdickt sich die obere Hautschicht, und beides blockt die UV-Strahlen ab. Doch leider nimmt unsere Haut allzu häufig Schaden – weil wir sie zu stark der Sonne aussetzen und obendrein den Schutz in Form von Sonnenpräparaten oder gut abdeckender Bekleidung vernachlässigen. Während ein Sonnenbrand schmerzt, lösen wärmende Sonnenstrahlen positive Gefühle aus. Beide Male kommt die

Rolle der Haut als Sinnesorgan ins Spiel. Sie verfügt über ein dichtes Netz aus Rezeptoren, die auf unterschiedlichste Reize reagieren. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass in der Lederhaut auf einem Quadratzentimeter durchschnittlich 200 Rezeptoren sitzen, die Schmerz wahrnehmen. Ebenso gibt es Rezeptoren, die durch Wärme und Kälte aktiviert werden. Oder durch Streicheleinheiten. Extrem viele Rezeptoren befinden sich auf den Fingerkuppen, darum können wir damit besonders gut tasten. Ganz egal, welcher Rezeptor angeregt wird – er sendet seine Signale zum Gehirn, das bestimmte Botenstoffe ausschüttet und uns damit das jeweilige Gefühl bewusst macht. Wie wohltuend sanfte Berührungen sein können, weiß jeder. Das ist auch medizinisch erwiesen: Kreislauf und Organfunktionen werden angeregt, Immunsystem und Hormonhaushalt profitieren. Darum ist es kein Zufall, dass Mütter die zarte Haut ihrer Babys so gern liebkosen. Der intensive Kontakt fördere nicht nur die emotionale, sondern auch die gesamte Entwicklung der Kinder, erklärt MHH-Ärztin Raap. Ein lebenswichtiger Zusammenhang, den der als Forscher seiner Zeit bekannte Kaiser Friedrich II. schon im 13. Jahrhundert bewiesen hat. Er isolierte Neugeborene und ließ sie von Ammen nur füttern, diese durften die Kleinen nicht berühren. Mit dramatischen Folge: Die Babys starben.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Wissen

Schuld und Software

Kann ein Roboter bestraft werden?

Was passiert, wenn ein Roboter wie dieser neu entwickelte intelligente Senioren-Scooter Schäden verursacht oder Menschen verletzt? Darüber diskutieren Juristen der der Uni Würzburg.

Roboter sollen im Alltag immer wichtiger werden. Sie helfen alten Menschen oder in Betrieben. Doch was passiert, wenn eine Maschine irrt? Wenn Menschen verletzt werden - wer steht dann vor Gericht? Würzburger Juristen suchen nach Antworten. mehr

KommentareKommentar/e



Anzeige

Radfahren

Fahr Rad

Auf zwei Rädern lassen sich die Reize der Region Hannover am besten entdecken. die HAZ-Redakteure Bernd Haase und Thorsten Fuchs haben 15 Touren zusammengestellt.

Magazin Gesund

Gesund

Medizin, Fitness, Ernährung, Psychologie - hier finden Sie die Artikel der HAZ-Beilage.

Laufen

Laufpass

Hannover ist ein Paradies für Jogger! Beim Laufpass 2010 trifft sich Hannovers Läufergemeinde. Hier finden Sie alle Termine und nach jedem Lauf das aktuelle HAZ-Ranking zum Download.



Top