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Nesselsucht

Die Qual des jahrelangen Juckens

Von Juliane Kaune

Es sieht so aus, als wäre der Betroffene mitten in die Brennnesseln gefallen: Innerhalb kurzer Zeit tauchen überall am Körper heftig juckende Quaddeln auf. Schon nach wenigen Minuten können sie zurückgehen – aber auch über Wochen oder Jahre täglich an verschiedenen Stellen wiederkehren. „Nesselsucht“ (Urtikaria) heißt die Hautkrankheit, an der nach Schätzungen jeder dritte bis vierte Mensch einmal in seinem Leben leidet.
Collage: weibliche Rückenansicht mit vier Händen, die kratzen

Wenn der Juckreiz zu groß wird, könnte man vier Hände gebrauchen.

© ddp

„Die Erkrankung kann für die Patienten außerordentlich quälend sein“, sagt Ulrike Raap, Fachärztin an der Hautklinik Linden. Das gelte insbesondere für die chronische Form, von der in Deutschland rund 800 000 Patienten betroffen sind. Als chronisch gilt die Nesselsucht, wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen anhalten. Es gebe viele Patienten, die jahrelang unter dem quälenden Ausschlag litten, erklärt Raap. Mitunter bekämen die Betroffenen sogar täglich einen Quaddelschub.

Die Ursache für die Erkrankung ist schwer einzugrenzen. „Wir gehen heute davon aus, dass gut 80 Prozent der Fälle durch chronische Infekte hervorgerufen werden“, sagt die Dermatologin. Diese durch Bakterien oder Viren bedingten Infektionen müssen außer der Urtikaria keine weiteren Beschwerden verursachen. Auch die Unverträglichkeit von körpereigenen Stoffen, eine sogenannte Autoimmunreaktion, kann eine Nesselsucht zur Folge haben. Zudem kann sie durch Medikamente ausgelöst werden. Die Suche nach der Ursache ist aufwendig. Gelingt es, einen Auslöser zu finden, lässt sich die Krankheit behandeln. So kann etwa der Herd einer chronischen Infektion mit Antibiotika bekämpft werden. In einer speziellen Sprechstunde in der Hautklinik Linden wird Betroffenen mit einer umfangreichen Diagnostik und Behandlungskonzepten geholfen. Doch leider sei eine ursächliche Therapie nicht immer möglich, erklärt Ulrike Raap.

Zur Behandlung der Symptome haben sich Antihistaminika bewährt. Diese Arzneien werden auch bei Allergikern eingesetzt, zum Beispiel bei Heuschnupfen. Ähnlich wie bei einer Allergie schütten die Mastzellen des Immunsystems bei Patienten mit Nesselsucht den Botenstoff Histamin aus – und dieser verursacht die typischen Hautreaktionen. „Dennoch ist die chronische Urtikaria keine Allergie“, betont Raap. An der Hautklinik arbeitet sie mit einem Team daran, mehr über die Ursachen der Erkrankung herauszufinden und innovative Therapieformen zu entwickeln. Auch die chronische Form der Urtikaria verschwinde irgendwann, erklärt Raap. Doch das kann leider mehrere Jahre auf sich warten lassen.

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