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Patientengeschichte

„Die Schmerzen waren die Hölle“


Bei Übelkeit sollte man auch an die Augen denken, denn ein Glaukomanfall geht auch auf den Magen
Augenuntersuchung

Regelmäßige Augenuntersuchung ist wichtig.

© Ralf Decker

Die Schmerzen kamen nachts, überfallartig und mit voller Wucht. Doris G. verspürte einen unglaublichen Druck über ihrer rechten Augenbraue. Die Schmerztabletten, die sie nahm, nützten nichts. „Es war die Hölle“, sagt sie. Am nächsten Morgen kam noch die Übelkeit dazu. Zum Glück kannte die 67-Jährige die Warnsignale und fuhr sofort zu ihrer Augenärztin. Die deutete Schmerzen und Kreislaufbeschwerden richtig und schickte ihre Patientin in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Diagnose: akuter Glaukomanfall.

„Die Patientin ist mit einem akuten Winkelblockglaukom zu uns überwiesen worden“, sagt Dorothee Brockmann, Oberärztin an der MHH-Augenklinik. „Dabei kann das Augenwasser nicht mehr frei um die Iris herum zirkulieren und staut sich in der hinteren Augenkammer.“ Dadurch wölbt sich die Iris vor, und der Abflussweg wird verlegt. Weil die Flüssigkeit nun nicht mehr abfließen kann, erhöht sich der Innendruck. Das geschieht sehr rasch und verursacht enorme Schmerzen. Bei chronischem Glaukom hingegen (grüner Star) steigt der Augendruck unmerklich an. Der Patient verspürt kaum Schmerzen. Geht er zu spät zum Arzt, kann das Auge bereits unwiederbringlich geschädigt sein.

Doris G. hat schon seit Jahren Probleme mit den Augen. 1992 erlitt sie ihren ersten Glaukomanfall. „Ich sah bunte Kreise, und bei strahlendem Sonnenschein erschien alles nebelig“, erinnert sie sich. Eine Freundin riet ihr, zum Augenarzt zu gehen. Seitdem nimmt Doris G. spezielle Medikamente. Weil sie weitsichtig ist und der Augapfel daher stark gedrungen ist, verengt sich der Abflusswinkel in der vorderen Augenkammer. Und weil sich die Linsen mit zunehmendem Alter verdicken, verstärkt sich das Problem. „Die Tropfen sollten die Pupille eng stellen, damit sich die Regenbogenhaut möglichst entspannt“, erklärt die 67-Jährige. So sollte der Abflusswinkel möglichst weit gehalten und einem drohenden Augenwasserstau entgegengewirkt werden.

Jahrelang ging das auch gut. Bis zu jener Nacht, in der das rechte Auge erneut einen Glaukomanfall erlitt. In der MHH wurde der Patientin sofort geholfen. „Wir haben ein kleines Loch in der Regenbogenhaut geschaffen und so den Abflussweg wieder geöffnet“, erklärt Brockmann. Was sich für Unbeteiligte dramatisch anhören mag, ist für erfahrene Augenärzte eine unkomplizierte Routinesache und für den Patienten relativ kurz und schmerzlos.

Mit Medikamenten haben die MHH-Mediziner die Pupillen verengt, danach die Augen mit Tropfen örtlich betäubt. „Ich hatte beim Lasern keine Schmerzen“, sagt Doris G. noch immer verwundert. Eigentlich hätte sie den Eingriff schon viel früher vornehmen lassen sollen. Ihre Augenärztin hatte ihr schon lange dazu geraten. Doch Doris G. schob es aus Angst hinaus. „Hätte ich gewusst, wie einfach und schnell das geht, wäre mir viel Kummer erspart geblieben“, stellt sie heute fest.

Damit ihr auch in Zukunft so ein Erlebnis erspart bleibt, haben die Ärzte vorsorglich beide Augen mit einem sogenannten Kurzschluss versehen und einen direkten Abflussweg durch die Iris gelegt. „Das linke Auge haben wir mitbehandelt, damit das Problem dort gar nicht erst auftreten kann“, erklärt Brockmann. Am dritten Tag nach ihrer Einweisung in die Augenklinik ist Doris G. bereits wieder fast genesen. Übelkeit, Schmerzen und Schwindelanfälle waren kurz nach der Laserbehandlung vorbei. Nur das rechte Auge ist nach den Strapazen noch etwas gerötet und muss sich erst erholen.

Dass sie keine bleibenden Schäden davontragen wird, verdankt Doris G. auch der schnellen Diagnose. Häufig suchen die Patienten wegen Übelkeit und Erbrechen zunächst den Allgemeinmediziner auf und werden auf Magen-Darm-Probleme behandelt. „Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit“, betont die Augenärztin. Ihre Patientin hat noch einmal Glück gehabt. Und weil durch die Laserbehandlung die Gefahr eines erneuten Glaukomanfalls gebannt ist, muss Doris G. in Zukunft nicht einmal mehr Medikamente einnehmen.

Kirsten Allée

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