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Hirnschrittmacher

Ein Schalter gegen den Schmerz

Von Nicola Zellmer

Schmerzen hat wohl jeder schon einmal gehabt. Manchmal gehen sie von allein wieder weg, manchmal hilft auch eine Tablette.

Bei einigen Menschen bleibt der Schmerz jedoch, wird chronisch und unerträglich stark. Das kann sogar so weit gehen, dass diese Patienten unfähig sind, in ihrem Alltag noch irgendetwas zu unternehmen. Ihnen versuchen Schmerztherapeuten mit einer Behandlung, die von starken Schmerzmitteln bis zu physiotherapeutischen Maßnahmen wie Massagen reicht, zu helfen. Doch auch sie sind nicht in 100 Prozent der Fälle erfolgreich. „Bei Patienten, bei denen etwas Anderes nichts mehr bringt, kann auch die neurochirurgische Abschaltung des Schmerzes sinnvoll sein“, erklärt Prof. Joachim Krauss, Leiter der Klinik für Neurochirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Bei dieser Methode implantieren die Ärzte über einen kleinen Schnitt Elektroden ins Gehirn oder das Rückenmark, die die Schmerzreize durch Stromsignale „abfangen“ können. „Das sollte immer oberhalb der Stelle passieren, wo die Information über den Schmerz aus den Organen oder Extremitäten in das zentrale Nerensystem eingespeist wird“, erklärt Krauss. Hat jemand beispielsweise nach einem Unfall Nervenschmerzen im Bein, kann eine Elektrode im Rückenmark deren Weiterleitung an das schmerzverarbeitende Zentrum im Gehirn bremsen. Sind die Schmerzen im Arm angesiedelt, muss die Elektrode höher liegen, etwa im Bereich der Halswirbelsäule. Und bei Kopfschmerzen können der Thalamus als Integrationszentrum, in dem mehrere Informationen zusammenkommen oder auch das Verarbeitungszentrum in der Gehirnrinde stimuliert werden. „Manchmal legen wir bei Kopfschmerzen oder einer Gesichtsnerventzündung auch zwei Elektroden“, sagt Krauss. „Eine sitzt im Thalamus, die zweite in der Hirnrinde.“

Von der eingepflanzten Elektrode führen die Mediziner dann einen Draht unter der Haut zu einem Schrittmacher am Schlüsselbein, der viele kleine Stromimpulse erzeugt und ins Gehirn oder Rückenmark des Patienten weiterleitet. Mit diesem Gerät kann der Betroffene den schmerzhemmenden „Störstrom“ selbst an- oder abschalten – je nachdem, wie unerträglich die Schmerzen für ihn gerade sind.

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