Über die Ursachen für diese Zunahme können auch Experten nur spekulieren. Eine Theorie besagt, dass wir mit zu vielen Umweltgiften in Berührung kommen und dadurch unsere Sensibilität steigt. Eine andere Theorie verurteilt die Tatsache, dass heute aufwachsende Kinder deutlich weniger Kontakt mit Schmutz und Tieren haben als frühere Generationen und daher gegen vieles nicht gewappnet sind.
„Tatsache ist, dass es sich bei einer Allergie um eine überschießende Reaktion des Immunsystems handelt“, erklärt Prof. Reinhold E. Schmidt, Leiter der Klinik für klinische Immunologie und Rheumatologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Unsere Körperabwehr reagiert dabei nicht nur auf wirklich gefährliche Erreger, sondern auch auf Stoffe, die eigentlich harmlos sind. Je häufiger wir mit diesen Stoffen in Kontakt kommen, desto empfindlicher reagiert unser Körper darauf. Wer beispielsweise auf Birkenpollen mit Heuschnupfen reagiert, kann im Laufe der Zeit auch sensibel auf verwandte Allergene wie Nüsse oder Äpfel werden. Läuft es ganz schlecht, kommt möglicherweise auch noch ein allergisches Asthma hinzu, das sich verselbstständigt.
Die Allergologen unterscheiden zwei Hauptallergietypen: die Soforttypreaktion und die Spättypallergie. Bei der Sofortreaktion hat das Immunsystem nach dem Kontakt mit vermeintlich „bösen“ Substanzen wie Pollen spezielle Pollenantikörper vom Typ IgE gebildet. Die heften sich an Botenstoff transportierende Mastzellen. Trifft ein harmloser Pollen auf diese sensibilisierten Mastzellen, so schütten diese den Botenstoff Histamin aus – und eine Entzündungskaskade beginnt. Die Haut juckt und rötet sich, die Nase läuft, und die Schleimhäute schwellen an. Beim Spättyp dagegen, der Kontaktallergie, tritt die Reaktion erst nach ein bis drei Tagen auf: genau an der Stelle, die mit einem Allergen wie Nickel in Berührung gekommen ist. Die Vermittler der Entzündungsreaktion sind in diesem Fall sensibilisierte T-Zellen. Kommen sie mit dem Allergen in Kontakt, lösen sie die Entzündung aus.
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