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Interview

Michael P. Manns: Hormonchaos durch Tumor


Übergewicht oder Bluthochdruck können auch durch Hormone begünstigt werden. Wie, erklärt Prof. Michael P. Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule.
Prof. Michael P. Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH

Prof. Michael P. Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH

© Udo Heuer

Warum sind Kenntnisse über das Hormonsystem so wichtig für die gesamte Medizin?

Das Endokrinium ist ein internes System der Informationsweitergabe. Dabei werden Botenstoffe überwiegend mit dem Blutstrom weitergegeben und so die Funktion aller Organe aufeinander abgestimmt. Die Hirnanhangdrüse ist eine übergeordnete Steuereinheit. Störungen des Hormonsystems können auch eine zwar seltene, aber ursächlich behandelbare Ursache für Volkskrankheiten wie massives Übergewicht, Bluthochdruck und Osteoporose darstellen.

Ist für diese Erkrankungen nicht eher eine ungesunde Lebensweise verantwortlich?

Nicht unbedingt. Natürlich sind bei den meisten Patienten neben der Veranlagung vor allem Rauchen, zu kalorienreiche Nahrung und zu wenig Bewegung schuld. Es gibt aber auch endokrinologische Erkrankungen wie Bluthochdruck, deren Ursache ein hormonproduzierender Tumor der Hirnanhangsdrüse oder der Nebenniere ist. Dieser Anteil von Patienten beträgt nach neueren Untersuchungen wahrscheinlich etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle.

Wie können Sie herausfinden, ob eine hormonelle Störung vorliegt?

Bei einem medizinisch begründeten Verdacht wird der Patient auf der endokrinologischen Schwerpunktstation aufgenommen. Dann klären wir ab, ob tatsächlich ein Tumor vorliegt. Das ist äußerst wichtig für die Festlegung des weiteren Vorgehens. In diesem Fall macht es keinen Sinn, den Betroffenen diätetisch zu behandeln. In einem zweiten Schritt stellen wir fest, wo der Tumor liegt.

Ist das so einfach, wie es klingt?

Nein. Die laborchemische Diagnostik ist schwierig und aufwendig. Zum einen müssen wir die für einen Tumor spezifischen Hormonwerte im Blut des Patienten bestimmen. Durch eine Kombination verschiedener Testverfahren können wir eine wahrscheinliche Zuordnung zu verschiedenen Organen vornehmen. So kann etwa ein Kortisolüberschuss Folge eines Nebennieren- oder eines Hypophysentumors sein. Die Therapie ist jedoch völlig unterschiedlich, je nachdem wo sich der Tumor tatsächlich befindet. Unser endokrinologisches Labor ist hoch spezialisiert und kann mithilfe zahlreicher biochemischer Testverfahren sämtliche gängigen Hormonwerte überprüfen.

Reicht dafür eine einfache Blutprobe aus der Vene des Patienten?

Nicht immer. Oft ist es sinnvoll, das Blut in unmittelbarer Nähe des vermuteten Tumors zu entnehmen. Durch Einsatz mehrerer bildgebender Verfahren ist es möglich, auch kleinste hormonproduzierende Herde zu entdecken. Wir kombinieren etwa die Computertomographie (CT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Das CT liefert scheibchenweise Bilder des Körperinneren, das PET zeigt uns beispielsweise eine erhöhte Stoffwechselaktivität in einer bestimmten Körperregion an. So lassen sich über Stoffwechselprozesse Tumoren nachweisen. Dieser Aufwand ist kostspielig, aber oft notwendig. Denn die Herde können mit weniger als einem Zentimeter Durchmesser so klein sein, dass sie beinahe unterhalb der Nachweisgrenze der herkömmlichen Diagnostik liegen. Und es ist nötig, den Tumor so schnell es geht zu entfernen, bevor seine Hormone großen Schaden anrichten.

Interview: Kirsten Allée

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