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Interview

Reinhard Dengler: Mehr Platz im Tunnel


Wenn die Hände regelmäßig taub werden, kann das am Karpaltunnelsyndrom liegen. Was man dagegen tun kann, erklärt Prof. Reinhard Dengler, Direktor der Neurologischen Klinik an der MHH.
Prof. Reinhard Dengler, Direktor der Neurologischen Klinik an der MHH.

Prof. Reinhard Dengler erklärt Behandlungsmöglichkeiten bei einem diagnostiziertenKarpaltunnelsyndrom.

© MHH

Woran liegt es, dass uns nachts manchmal der Arm oder die Hand einschlafen?

Die Hände schlafen zum Beispiel ein, wenn der Nervus medianus – ein wichtiger peripherer Nerv – an der Handwurzel eingeklemmt wird. Meistens geschieht das nachts im Schlaf, wenn wir die Hand stark abwinkeln oder auf dem Arm liegen. Wir wachen auf mit einem Taubheitsgefühl, Ameisenlaufen oder Brennen an der Hand. Das ist nicht schlimm, solange die Gefühlstörung sich immer wieder normalisiert. Wenn sie zum Dauerzustand wird, auch tagsüber, sollte jedoch unbedingt ein Neurologe aufgesucht werden.

Welche Erkrankung stellen sie bei Patienten, die mit Taubheitssymptomen zu Ihnen kommen, am häufigsten fest?

Bei Taubheitsgefühlen an der Hand diagnostizieren wir meist das Karpaltunnelsyndrom (KTS). Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre, die in der Tiefe des Handgelenks liegt. Durch diesen Tunnel verläuft der Nervus medianus. Ein Karpaltunnelsyndrom liegt vor, wenn der Nervus medianus im Bereich der Handwurzel krankhaft eingeengt wird und sich das beschriebene Taubheitsgefühl einstellt.

Welche dauerhaften Beschwerden haben Patienten mit einem KTS?

Die Kraft des Daumenballens, die Feinmotorik und die Sensibilität von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind vermindert. Oft ist der Karpalkanal empfindlich auf Druck und leichtes Klopfen. Bei starker Beugung oder Überstreckung des Handgelenks kommt es zu den typischen Missempfindungen.

Wie diagnostizieren sie ein KTS?

Wir prüfen die Kraft der Daumenballenmuskeln, die Sensibilität und die Reflexe. Ferner messen wir die Nervenleitgeschwindigkeit mithilfe der Elektrodiagnostik, indem wir die Überleitungszeit des Nervus medianus zwischen Handgelenk und Daumenballenmuskulatur bestimmen. Wichtig dabei ist, dass beide Hände gemessen werden, denn nur so kann ein Seitenvergleich durchgeführt werden. Oft werden an der beschwerdefreien Gegenhand elektrophysiologisch bereits auffällige Werte gemessen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Im Anfangsstadium eines Karpaltunnelsyndroms kann eine konservative Behandlung versucht werden. Das Tragen speziell geformter Nachtschienen beispielsweise vermag häufig die Beschwerden für eine Zeit lang zu beseitigen oder zumindest abzumildern. Die Injektion von Kortison in den Karpaltunnel wird unterschiedlich beurteilt. Bleibt die konservative Behandlung erfolglos, dann sollte, um bleibende Schäden zu vermeiden, eine Operation erfolgen. Der Eingriff kann auch ambulant durchgeführt werden.

Wie groß ist die Erfolgsrate?

Der Therapieerfolg hängt wesentlich von der Dauer und dem Ausmaß der bisherigen Nervenschädigung ab. In unkomplizierten Fällen behebt die operative Karpaltunnelspaltung sofort sämtliche Beschwerden und beseitigt Schmerzen und nächtliche Missempfindungen. Sofern bereits dauerhafte Gefühlsstörungen, Missempfindungen und oder Muskelschwäche bestanden haben, kann allerdings nicht in jedem Fall von sofortigem oder vollständigem Verschwinden dieser Symptome ausgegangen werden.

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