Welche Fortschritte gibt es heute auf dem Gebiet der Immunologie?
Wir lernen die Funktion des menschlichen Immunsystems durch intensive Forschung immer besser kennen und können Krankheiten dadurch gezielter behandeln. Ein gutes Beispiel sind etwa die sogenannten Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Dazu gehören beispielsweise die rheumatoide Arthritis, bei der die Körperabwehr gegen Muskeln, Knorpel und Bindegewebe in den Gelenken angreift, aber auch autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, multiple Sklerose sowie die Bindegewebserkrankungen Lupus erythematodes und Sjögren-Syndrom.
Inwiefern hilft das Wissen den Betroffenen?
Wir wissen heute, dass bei allen diesen Erkrankungen sogenannte Autoantikörper eine wichtige Rolle spielen. Das sind Antikörper, die sich nicht gegen Eindringlinge wie Bakterien und Viren, sondern gegen körpereigenes Gewebe richten. Sie sind sehr spezifisch für die jeweilige Erkrankung, und man kann sie im Labor nachweisen. Damit haben wir jetzt neben den subjektiven Beschwerden des Patienten einen sehr sensiblen Test, der die genaue Diagnose erleichtert.
Und die Behandlung?
Wenn wir Autoimmunerkrankungen sicher erkennen können, können wir sie auch frühzeitig wirksam behandeln und so ihr Fortschreiten bremsen. Die klassischen Therapiemittel sind der entzündungshemmende Wirkstoff Kortison und Medikamente, die dauerhaft das Immunsystem unterdrücken, die Langzeitimmunsuppressiva. Zusätzlich gibt es heute bei vielen Autoimmunerkrankungen sogenannte biologische Therapien gegen Zellbotenstoffe und deren Rezeptoren. Ein Beispiel ist die sogenannte Anti-TNF-Alpha-Behandlung bei rheumatoider Arthritis. Der Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-Alpha) ist ein Immunbotenstoff, der sich bei dieser Erkrankung in den Gelenken ansammelt und dort eine entzündliche Reaktion auslöst. Wenn die übliche Therapie versagt, kann die spezielle Anti-TNF-Therapie die Symptome der Patienten lindern. Eine ganz neue Entwicklung sind biologische Behandlungen mit Antikörpern, die die Antikörper produzierenden B-Zellen aus dem Blut entfernen.
Wie funktioniert das?
Wir entfernen gezielt die Antikörper produzierenden B-Zellen und regen diese damit zur Selbsttötung an. So verhindern wir die Produktion von Autoantikörpern, die die Krankheit vorantreiben. Dabei richten sich die Arznei-Antikörper gegen bestimmte Oberflächenstrukturen, die nur B-Zellen aufweisen. Sie docken dort an und geben damit das Signal zur Vernichtung der B-Zelle. Auf diese Weise wird die Zahl der antikörper produzierenden Zellen stark dezimiert. Ob die Arznei-Antikörper neben der Entfernung der B-Zellen noch weitere Effekte haben, untersuchen wir derzeit in unserer Arbeitsgruppe.
Bei welchen Krankheiten wirkt die Methode?
Die Behandlung wurde ursprünglich entwickelt, um B-Zellen mit Krebs zu entfernen, wird jetzt aber mit großem Erfolg auch bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Lupus erythematodes eingesetzt. Studien zeigen auch eine Wirksamkeit bei multipler Sklerose. Zudem hat sich herausgestellt, dass die B-Zell-Entfernung Abstoßungsreaktionen nach einer Transplantation verhindern kann. Im Vergleich zu den klassischen Therapien hat die B-Zell-Entfernung zudem weniger Nebenwirkungen. Berichtet wurde nur vor allem von einzelnen viralen Infektionen.
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