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Interview

Rolf Winter: Hornhaut für Durchblick


Ob Unfälle oder Erkrankungen: Es gibt viele Gründe, warum Menschen eine Hornhauttransplantation brauchen. Doch leider fehlen Spender, beklagt Prof. Rolf Winter, Leiter der Augenklinik der MHH.

Seit 27 Jahren beschäftigen Sie sich als Arzt mit der Übertragung von Hornhaut am menschlichen Auge. Für wen kommt eine Hornhauttransplantation infrage?

Die Hornhauttransplantation ist eine der häufigsten Transplantationen in der Medizin. Sie ist gängige Therapie bei Entzündungen, Geschwüren oder Vorwölbungen der äußersten Augenschicht. Auch bei Unfällen und anschließenden Vernarbungen der Hornhaut ist eine Transplantation oft nötig. Denn ist die Hornhaut durch Erkrankungen oder Verletzungen getrübt, führt das in jedem Fall zu einer Verschlechterung des Sehvermögens. Leider gibt es viel zu wenig Spender.

Warum ist das so?

Viele Menschen sind zurückhaltend, weil das Auge ein ganz besonderes Sinnesorgan ist. Dabei ist gerade hier die Entnahme weitgehend unkompliziert und kann bis zu 48 Stunden nach dem Tod problemlos erfolgen. Auch ist der Spender anschließend nicht entstellt, wenn ihm nach Entnahme der Hornhaut eine Kunstlinse aufgesetzt wird. In Deutschland nehmen wir etwa 5000 bis 6000 Hornhauttransplantationen vor. Allein an der MHH können wir dank unserer Hornhautbank jährlich etwa 100 Patienten behandeln und ihnen das Sehvermögen retten. Der Bedarf ist allerdings schätzungsweise doppelt so hoch.

Lässt sich Hornhaut nicht züchten?

Bislang gibt es auf diesem Gebiet noch keine befriedigenden Ergebnisse. Zwar arbeiten Forscher an der Züchtung künstlicher Hornhäute. Die sind jedoch bislang trüb, nützen also nichts für den Sehvorgang. Vielleicht gelingt es irgendwann, durchsichtige Häute zu züchten. Das halte ich jedoch für Zukunftsmusik.

Wo zeigen sich jetzt schon Fortschritte bei der Therapie von Augenerkrankungen?

Ein echter klinischer Durchbruch ist bei der Behandlung der Makuladegeneration zu verzeichnen. Bei dieser Erkrankung wird die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut zerstört. Bei einer bestimmten Krankheitsform ist es gelungen, den Verlauf zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Das betrifft die feuchte Variante, bei der es zu wuchernden Blutgefäßen kommt. Bei der Therapie werden Antikörper direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt und hemmen dort die Wachstumsfaktoren des wuchernden Gewebes. Bei trockener Makuladegeneration funktioniert das nicht. Dabei geht das Gewebe altersbedingt zugrunde. Der Prozess verläuft aber zum Glück viel langsamer. Um diese Form zu therapieren, wird an Ersatzgewebe gearbeitet, aber das ist noch nicht einsatzfähig.

Welche Fortschritte gibt es in der Diagnostik?

Der Laser setzt sich immer mehr durch, nicht nur in der Therapie, sondern auch in der Untersuchung von Augenerkrankungen. Ein Beispiel ist der Optische Kohärenz-Tomograph (OCT). Die Untersuchung ist ähnlich wie beim Ultraschall, verwendet aber Licht. Der OCT liefert Querschnittansichten der Netzhautstruktur und erleichtert die Diagnose von Glaukom- und Netzhauterkrankungen. Die für machen Patienten unangenehme Angiographie, bei der ein Farbstoff in die Armvene gespritzt werden muss, um die feinen Blutgefäße im Auge besser sichtbar zu machen, ist seither seltener nötig.

Interview: Kirsten Allée

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