Derartige Symptome entstehen, wenn sich zu wenig Tränenflüssigkeit im Auge befindet. Die ist für die Funktion des Sehorgans wichtig. Der Tränenfilm schützt das Auge vor dem Austrocknen, spült Fremdkörper heraus, schützt vor Infektionen und versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff. Produziert das Auge zu wenig Tränenflüssigkeit oder verdunstet diese zu schnell, ist der Schutzmechanismus gestört, und die Augenoberfläche entzündet sich.
Etwa zehn Millionen Menschen hierzulande sind von trockenen Augen betroffen, schätzt Prof. Horst Brewitt, Leiter des Ressorts „Trockenes Auge“ im Bundesverband der Augenärzte Deutschlands. In der Altersgruppe ab 60 Jahre leiden rund zwei Millionen Senioren ständig darunter. „Trockene Augen sind in erster Linie eine lästige Störung“, sagt der Arzt. Bei ungünstigem Verlauf allerdings könne die Augenoberfläche auch wund werden und sogar aufbrechen. Das führt im Extremfall zu schwerwiegenden Sehstörungen.
Bislang stand der Computer unter Generalverdacht. Ausdünstungen des Bildschirmes sollten verantwortlich für die Augenprobleme sein. Eine aktuelle Studie von Prof. Renate Wrbitzky, Leiterin der Abteilung Arbeitsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, hat diese Vermutung jedoch nicht nachvollziehen können. „Unsere Untersuchung zeigt übereinstimmend mit anderen Studien, dass der Bildschirmarbeitsplatz an sich kein erhöhtes Risiko für das trockene Auge darstellt“, sagt die Wissenschaftlerin. Auch allgemeine Arbeitsplatzbedingungen wie relative Luftfeuchtigkeit, Beleuchtungsstärke oder Bildhelligkeit hätten offenbar keinerlei nachweisbaren negativen Einfluss – nur das Alter.
Nach Erkenntnissen von Brewitt gibt es abgesehen vom Alter des Patienten allerdings noch weitere Ursachen. Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma, bestimmte Medikamente wie Antidepressiva oder Betablocker, Hormonumstellungen oder die Einnahme der Antibabypille können trockene Augen fördern. „Das kann nur der Augenarzt feststellen“, sagt Brewitt. Aber auch wer viel auf den Bildschirm, auf ein Buch oder in ein Mikroskop blicken muss, fördert die Reizung. Denn das konzentrierte Starren lässt das Auge regungslos verharren. So wird der Tränenfilm nicht ergänzt.
von Kirsten Allée
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