Als sich das erste Mal die Hitze in ihrem Körper ausbreitete, war Martina K. Anfang 50. Zunächst traten die Hitzewallungen nur ab und an auf, bald kamen die Schwitzattacken aber immer häufiger. Dann klebte ihr schon nach ein paar Minuten die Kleidung am Körper. Als wenn das nicht schon unangenehm genug wäre, bekam sie auch noch einen roten Kopf und minutenlanges Herzrasen. Ein Zustand, der der Bankangestellten besonders im Kundengespräch zu schaffen machte und sie unsicher werden ließ.
Hitzewallungen sind ein typisches Symptom für hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren. Sie werden hervorgerufen durch starke Schwankungen der Östrogenkonzentration im Blut. Bei manchen Frauen tritt das Hitzegefühl einmal am Tag in abgeschwächter Form auf, bei anderen können solche Wallungen mehrmals täglich mit großer Intensität und vor allem auch nachts vorkommen.
So auch bei Martina K. Doch die Hitze war nicht ihr einziges Problem. Dazu kam, dass sie plötzlich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verspürte, weil ihre Scheide nicht mehr ausreichend feucht wurde. Und sie verlor bei körperlicher Anstrengung schon mal unkontrolliert Urin. Auch dies sind typische Beschwerden, doch insbesondere über die Inkontinenz mögen viele Betroffene aus Schamgefühl nicht reden. Auch Martina K. möchte mit ihren Problemen lieber anonym bleiben. Dabei ergeht es vielen anderen so wie ihr. Etwa ein Drittel aller der Frauen in den Wechseljahren leiden unter derart starken Symptomen, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt ist.
Martina K. wollte sich aber nicht einschränken und bat ihre Frauenärztin um Hilfe. Nach gründlicher Untersuchung entschied sich die Medizinerin, ihr eine milde Hormondosis zu verschreiben. Jeden Monat muss sie nun drei Wochen lang eine Pille schlucken, um dann eine einwöchige Pause einzulegen. Die Pille enthält weibliche Hormone: Östrogene und Gestagene.
In den Wechseljahren kommt es nach und nach zu einem Erlöschen der Eierstockfunktion (Klimakterium). Die Eierstöcke produzieren dann immer weniger dieser Hormone. Irgendwann bleibt die Regelblutung ganz aus. Die Wechseljahre beginnen damit, dass durch den Progesteronmangel vor allem Blutungs- und Zyklusstörungen auftreten, später verursacht hauptsächlich der Östrogenmangel Beschwerden. Trotzdem werden beide Hormone gleichzeitig verordnet. Denn alle Östrogene fördern das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, und Gestagene wirken dem entgegen. Das ist wichtig, denn aus der wuchernden Schleimhaut kann sich ein Gebärmutterkrebs entwickeln. Bei Frauen ohne Gebärmutter werden aus dem gleichen Grund nur die Östrogene ersetzt.
Eine Behandlung mit weiblichen Hormonen galt lange als beste Lösung zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden. Experten schätzen, dass in den vergangenen Jahren rund fünf Millionen Frauen in Deutschland über einen mehr oder weniger langen Zeitraum hinweg Hormone bekamen. Sie wurden praktisch jeder Frau als Jungbrunnen und Universalschutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und Osteoporose empfohlen. Heute weiß man, dass dieser Schutz nur für Osteoporose wirklich besteht. Im Gegenzug machen neuere Studien auf ein erhöhtes Risiko von Schlaganfällen, Herzinfarkten und Thrombosen aufmerksam. Deshalb sollten nur Frauen eine Hormonersatztherapie bekommen, die besonders unter den Wechseljahren leiden. Außerdem – und das empfiehlt auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – sollte die Behandlung so niedrig wie möglich dosiert sein und so kurz wie möglich andauern.
Martina K. verträgt ihre Hormonpillen gut. Die Hitzewallungen sind nach ein paar Wochen verschwunden, und auch das Inkontinenzproblem ist keines mehr. Gegen die trockene Scheide hilft ihr eine östrogenhaltige Salbe, die sie zweimal in der Woche aufträgt. Seit der Behandlung hat sich ihre Lebensqualität verbessert – spürbar.
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