Es liegt an jedem Menschen selbst, sein von Geburt an feines Gehör zu erhalten. Gelingt das, bleibt es bis ins hohe Alter gut. Bei jeder Lärmattacke allerdings liegen die feinen Haarzellen in der Gehörschnecke erst einmal am Boden. Wer nach einem lauten Abend ein Klingeln oder Pfeifen im Ohr hört oder ein dumpfes Gefühl verspürt, sollte daher dringend eine Lärmpause einlegen: Er hat ein „akutes Lärmtrauma“. Sind die Ohren des Patienten gesund, ist der Spuk meist am nächsten Morgen wieder vorbei. Aber das Gehör hat ein gutes Gedächtnis, und aus akuten Problemen können mit der Zeit chronische werden.
Eines davon ist ein ständiges Ohrgeräusch, der sogenannte Tinnitus. Der lateinische Begriff „Tinnitus aurium“ heißt übersetzt „das Klingeln der Ohren“. Der akustische Eindruck kann aber auch einem Brummen, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen entsprechen. Etwa sieben Millionen Deutsche sind dauerhaft von Tinnitus betroffen, knapp 40 Prozent stellen zumindest einmal im Leben ein derartiges Ohrgeräusch fest.
Häufig wird der Fehler begangen, dieses als eigene Krankheit zu betrachten. Tatsächlich ist Tinnitus aber oft ein Symptom einer anderen Krankheit und damit ein Warnsignal des Körpers. Mediziner zählen Störungen der Schallübertragung bis hin zu Stress zu den möglichen Ursachen. Ob Stress wirklich der Auslöser ist, bleibt allerdings umstritten. Sicher ist, dass ein Tinnitus umgekehrt für Stress sorgt: Die ständige Geräuschkulisse quält manche Betroffene Tag und Nacht. „Die Therapie ist schwierig, weil es keine Messmethoden gibt, um Ohrgeräusche nachzuweisen“, sagt Prof. Thomas Lenarz, Leiter des Hörzentrums Hannover.
Weder die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung noch die von intravenös gegebenen Lokalanästhetika ist bislang bewiesen. Die besten Ergebnisse erzielen die Mediziner mit einem sogenannten Retraining oder Biofeedback. Dabei helfen Geräusche und Licht den Patienten dabei, den Tinnitus zu ignorieren. Und für bislang Gesunde gilt: Vorbeugen durch Lärmverzicht.
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