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Interview

Christian von Falck: "Zellen liefern viele Hinweise"

Von Julia Beatrice Fruhner

Für die Krebserkennung ist das klassische Röntgen nicht immer aussagekräftig genug. Christian von Falck vom Zentrum Radiologie der MHH erklärt, welche Chancen die „Molekulare Bildgebung“ bietet.

Was ist die molekulare Bildgebung?
Das ist der Oberbegriff für Verfahren, mit denen Bilder über Vorgänge auf der Ebene der kleinsten Bausteine des Körpers, den Zellen und Molekülen, gewonnen werden können. Diese Informationen gehen weit über das hinaus, was mit den üblichen bildgebenden Methoden dargestellt werden kann, und sie werden in der Zukunft voraussichtlich in vielen Bereichen der Medizin nützlich sein.

Für welche Erkrankungen ist das wichtig?
Zurzeit ist davon auszugehen, dass die molekulare Bildgebung vor allem im Bereich der Onkologie künftig eine wichtige Rolle spielen könnte, also in dem Zweig der Medizin, der sich mit Krebserkrankungen befasst. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird ebenfalls geforscht. Gefäßveränderungen sollen zum Beispiel so eingestuft werden, dass ein Infarkt vorhergesagt werden kann. Ein weiteres aktuelles Thema ist die Alzheimerfrüherkennung.

Wie funktioniert das Verfahren?
Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Verfahren zur molekularen Bildgebung. Klinisch am besten etabliert sind derzeit die nuklearmedizinischen Methoden. Hierzu wird dem Patienten eine kurzlebige radioaktiv markierte Substanz injiziert, die sich spezifisch an Zellstrukturen bindet oder in bestimmte Stoffwechselwege eingeschleust wird. Danach tastet ein Scanner den Körper des Patienten schrittweise ab. Mithilfe der Messung der radioaktiven Strahlung lässt sich die Verteilung der markierten Substanz im Körper des Patienten abbilden. Diese Art der molekularen Bildgebung wird beispielsweise bereits routinemäßig bei der Untersuchung der sogenannten neuroendokrinen Tumoren des Magen-Darm-Traktes und der Bauchspeicheldrüse eingesetzt.

Wie stark ist die Strahlenbelastung?
Die Strahlenexposition hängt vom eingesetzten Verfahren ab. Bei der PET-Untersuchung ist ausschlaggebend, mit welcher radioaktiv markierten Substanz gearbeitet wird. In der Regel ist die Strahlenbelastung aber geringer als bei einer Ganzkörper-CT-Untersuchung. Wenn PET und CT kombiniert werden, hat man die Möglichkeit, nicht mit der vollen CT-Bildqualität zu arbeiten. Zur anatomischen Zuordnung reicht meist auch eine Untersuchung mit geringerer Dosis aus.

Was kann die molekulare Bildgebung verglichen mit anderen Verfahren leisten?
Die Chance liegt darin, sie mit anderen Verfahren zu kombinieren. Denn sie liefert sehr spezielle Informationen, und erst die Kombination mit der CT oder MRT erlaubt die exakte anatomische Zuordnung der Veränderungen und ermöglicht die Beurteilung der angrenzenden Strukturen. Umgekehrt kann die molekulare Bildgebung da weiterhelfen, wo die üblichen Verfahren an ihre Grenzen stoßen. In der CT oder MRT hat man etwa bei der Untersuchung von Krebspatienten nur relativ unzuverlässige Hinweise auf befallene Lymphknoten. Die molekulare Bildgebung könnte da sehr viel mehr Sicherheit geben. Die wesentliche Herausforderung ist es, geeignete Marker zu entwickeln, die eine sehr empfindliche und spezifische Bildgebung von Erkrankungen ermöglichen. Dann könnte der molekularen Bildgebung eine wesentliche Rolle in der modernen Diagnostik zukommen.

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