Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Patientengeschichte

Wenn jeder Schritt schmerzt

Von Julia Beatrice Fruhner

Verengte Arterien machten Rolf Krogmeyer das Gehen zur Qual - MHH-Ärzte halfen ihm wieder auf die Beine.
Die verengten Arterien sind wieder frei.

Prof. Michael Galanski (l.) zeigt Rolf Krogmeyer die verengten Arterien vor der Operation und den Behandlungserfolg anhand von zwei Computerbildern.

© Kriss Finn

Fasziniert dreht er das kleine Gittergerüst aus Metall hin und her, hält es vor die Augen wie ein Optiker. „So etwas steckt in meinem Bein?“, fragt Rolf Krogmeyer und drückt die elastische Gefäßstütze probehalber zusammen. Mediziner bezeichnen derartige Implantate zum Aufdehnen von Blutgefäßen als Stents.

Krogmeyers Beispiel zeigt, dass es auch Männer gibt, die an jedem Schaufenster stehen bleiben. Bei dem Isernhagener war das bis Anfang des Jahres so. „Wenn ich dreihundert Meter gegangen war, musste ich erst mal innehalten, weil sich meine Beine anfühlten, als hätte ich Wadenkrämpfe. Nach einer kurzen Pause konnte ich weitergehen“, beschreibt der 65-jährige Architekt sein Leiden. Was umgangssprachlich als „Schaufenstersyndrom“ bekannt ist, bezeichnen Mediziner als periphere arterielle Verschlusskrankheit. Damit ist die Verengung von Gefäßen in den Beinen aufgrund von Ablagerungen an der Gefäßwand gemeint. Diese können aus Blutfetten wie Cholesterin, Blutpropfen, Bindegewebe oder Kalk bestehen. Viele Patienten wissen, dass sich die großen Halsarterien oder Herzkranzgefäße zusetzen können – eine Folge von Arteriosklerose. „Wenn jedoch die Arterien in den Beinen verengt sind, tippen die meisten aber eher auf Rückenprobleme“, sagt Prof. Michael Galanski, Leiter des Instituts für Radiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Krogmeyer, der bereits drei Bypassoperationen am Herzen hinter sich hat, ahnte jedoch, dass sein Fall nicht allein auf Rückenproblemen beruhte. „Ich konnte wegen meines Berufs nie viel Sport treiben“, sagt der Architekt und wirkt etwas zerknirscht. Er sei jahrelang viel im Ausland unterwegs gewesen. Da sei die Bewegung zu kurz gekommen. „Doch ich will mich wieder öfter aufs Ergometer setzen“, verspricht der 65-Jährige und wirft Chefarzt Galanski einen dankbaren Blick zu. Das Team des Radiologie-Experten half Krogmeyer in der MHH wieder auf die Beine. „Mithilfe von ersten Ultraschall- und Blutdruckuntersuchungen wurde zunächst die Körperregion eingekreist, in der Blutgefäße verengt waren“, erklärt Galanski. Im Anschluss stellten die Ärzte mithilfe der Angiographie, einem diagnostischen Bildgebungsverfahren, die Blutgefäße in den Beinen des Patienten dar. Dazu injizierten sie ein Kontrastmittel, also einen Stoff, der den Bildkontrast verstärkt, in den Gefäßinnenraum. Die „Angio“, wie das resultierende Bild umgangssprachlich genannt wird, gab dann Aufschluss darüber, wo genau in den Gefäßen sich die Verengungen befinden.

Die Radiologen entschieden, dass zwei Stents mit einem Durchmesser von etwa sechs Millimetern durch die Leistenarterie in Krogmeyers linkes Bein eingesetzt werden sollten. „Die Operationen werden unter Sicht vorgenommen, deshalb sind sie in der Radiologie angesiedelt“, sagt Galanski. An den Eingriff hat Krogmeyer gute Erinnerungen: „Es ging alles ganz schnell“, sagt er. Von der Leiste aus führten die Ärzte einen Ballonkatheter unter lokaler Narkose zur Engstelle und bliesen ihn dort auf. Dadurch wurde der Engpass gesprengt und gleichzeitig die Stütze vor Ort verankert. „Man merkt es durchaus, wenn der Stent durch die Adern geschoben wird“, erinnert sich Krogmeyer. „Aber bei mir fühlte es sich nicht schlimm an.“ Der Eingriff habe etwa eine halbe Stunde gedauert, und am Tag darauf habe er die Klinik wieder verlassen können.

„Die Behandlungsmöglichkeiten sind besser geworden, weil die Materialien inzwischen punktgenau, sogar bis unters Knie platziert werden können“, sagt Prof. Galanski. Noch besser sei es natürlich, vorzubeugen – zum Beispiel mit Nichtrauchen und regelmäßigem Sport.

Nächster Artikel
Nächster Artikel

Wissen

Schuld und Software

Kann ein Roboter bestraft werden?

Was passiert, wenn ein Roboter wie dieser neu entwickelte intelligente Senioren-Scooter Schäden verursacht oder Menschen verletzt? Darüber diskutieren Juristen der der Uni Würzburg.

Roboter sollen im Alltag immer wichtiger werden. Sie helfen alten Menschen oder in Betrieben. Doch was passiert, wenn eine Maschine irrt? Wenn Menschen verletzt werden - wer steht dann vor Gericht? Würzburger Juristen suchen nach Antworten. mehr

KommentareKommentar/e



Anzeige

Radfahren

Fahr Rad

Auf zwei Rädern lassen sich die Reize der Region Hannover am besten entdecken. die HAZ-Redakteure Bernd Haase und Thorsten Fuchs haben 15 Touren zusammengestellt.

Laufen

Laufpass

Hannover ist ein Paradies für Jogger! Beim Laufpass 2010 trifft sich Hannovers Läufergemeinde. Hier finden Sie alle Termine und nach jedem Lauf das aktuelle HAZ-Ranking zum Download.

Magazin Gesund

Gesund

Medizin, Fitness, Ernährung, Psychologie - hier finden Sie die Artikel der HAZ-Beilage.

Sportnachrichten

Champions-League-Sieg und Triple

THW Kiel gewinnt Champions-League

Foto: Der THW Kiel ist jetzt nicht nur der beste Handball-Club Deutschlands, sondern auch der beste Verein in Europa.

Der THW Kiel ist wieder Europas beste Handball-Mannschaft. Der deutsche Meister und Pokalsieger hat zum dritten Mal die Champions League gewonnen und so das Triple perfekt gemacht. Im Finale bezwang der Bundesliga-Erste Atlético Madrid. mehr

KommentareKommentar/e





Top