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Interview

Christian Strassburg: "Risiken vermeiden"

Von Veronika Thomas

Gallenprobleme können schwere Folgen haben, erklärt Christian Strassburg, leitender MHH-Oberarzt für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie.
Christian Strassburg von der Medizinischen Hochschule Hannover

Christian Strassburg, leitender Oberarzt für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover

Insbesondere Gallensteine scheinen eine Volkskrankheit zu sein. Welches sind die häufigsten Erkrankungen der Galle?

Am bekanntesten sind sicher die Gallensteine. Dickt der Gallensaft zu stark ein oder geraten die drei Hauptbestandteile der Gallenflüssigkeit - Gallensalze, Lezithin und Cholesterin - aus dem Gleichgewicht, können Gallensteine auftreten. Stören diese den Abfluss des Gallensafts aus der Gallenblase, kommt es zunächst zum Gallenstau. Die Folge kann eine Gallenblasenentzündung sein, die mit Antibiotika behandelt werden kann. Löst sich jedoch ein Stein aus der Gallenblase, der den Gallengang verstopft, kann das eine Gelbsucht oder eine lebensgefährliche Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen. Indem man den Stein entfernt und den Gallenfluss wieder zum Laufen bringt, kann Abhilfe geschaffen werden. Häufige Risiken für Gallensteine sind eine fett- und cholesterinreiche Ernährung, Übergewicht, aber auch genetische Faktoren und Hormone, die der Körper etwa während einer Schwangerschaft bildet.

Und abgesehen von den Gallensteinen?

Es gibt auch Gallenwegserkrankungen, die die Leber nach und nach zerstören können. Dazu gehören die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) und die primär biliäre Zirrhose (PBC). In beiden Fällen handelt es sich um entzündliche Autoimmunerkrankungen mit chronischem Verlauf. Über die Ursachen ist bisher wenig bekannt. PSC und PBC beginnen mit entzündlichen Veränderungen der in der Leber gelegenen Gallengänge. Im längeren Verlauf kann die Entzündung auf das gesamte Lebergewebe übergreifen und schließlich zu einer Vernarbung der gesamten Leber bis hin zur Zirrhose führen. Bei beiden Erkrankungen ist häufig eine Lebertransplantation nötig, um die Patienten zu retten.

Welche Gallenkrankheiten können noch zur Leberzirrhose führen?

Erkrankungen, die Gallensäuretransporter und Transporter von Gallenbestandteilen betreffen, führen oft bereits in jungen Jahren zu Problemen und bei einigen Transporterdefekten zu einer Neigung zu Gallenwegssteinen. Es gibt inzwischen Krankheitsbilder, die nach dem Defekt des jeweiligen Transporters klassifiziert werden und als progressive familiäre intrahepatische Cholestasen (PFIC) bezeichnet werden. Dabei können Zirrhosen auftreten. Wichtig ist, dass fast jeder Gallebestandteil sein eigenes Transportsystem hat, und das führt bei Fehlfunktionen zu jeweils verschiedenen Symptomen. Bei Defekten des sogenannten MDR3-Proteins ist die Neigung zur Gelbsucht in der Schwangerschaft und die Bildung von Gallensteinen erhöht.

Wie weit ist hier die Forschung?

Klinische Studien zeigen, dass die Schwangerschaftscholestase in vielen Fällen durch die Einnahme der Gallensäure Ursodeoxycholsäure behandelt werden kann. Diese kann auch Cholesteringallensteine auflösen. Die molekularbiologische Forschung beschäftigt sich mit Möglichkeiten, einzelne Transporter von Gallenbestandteilen selektiv zu aktivieren, um die Folgen zu verhindern. Ansonsten kann die Vermeidung bestimmter Wirkstoffe hilfreich sein.

Könnten auf Gallentransporter wirkende Medikamente Lebertransplantationen ersetzen?

Das ist eher unwahrscheinlich. Wenn es jedoch gelingt, eine zur Zirrhose führende Gelbsuchterkrankung wie die PFIC schon früh zu korrigieren, wäre dies allerdings denkbar. Davon sind wir aber noch weit entfernt. In erster Linie geht es um die Beeinflussung der Neigung zu Gallensteinen und der Gelbsucht.

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