Bei dieser Erkrankung ist ein Gen verändert, das die Chloridkanäle in der Zellmembran codiert. Bei Gesunden transportieren diese Kanäle Chlorid-Ionen aus der Zelle, die wiederum Wasser anziehen. Das ist wichtig, damit Drüsensekrete wie das Bronchialsekret, der Schweiß, die Galle oder die Bauchspeicheldrüsensekrete genug Wasser enthalten. Bei Mukoviszidose-Kranken funktionieren die Chloridkanäle dagegen nicht richtig. Die Sekrete werden zu zäh und schädigen auf Dauer die Organe.
In einer Studie testen Forscher nun ein Medikament mit völlig neuem Wirkmechanismus gegen genetisch bedingte Erkrankungen wie Mukoviszidose: das PTC-124. Der experimentell von der Firma PTC Therapeutics im amerikanischen New Jersey hergestellte Wirkstoff sorgt offenbar dafür, dass fehlerhafte Stopp-Mutationen beim Ablesen der DNS umgangen werden können. Auch bei einem Teil der Mukoviszidose-Patienten sorgt ein falsches Stopp-Signal dafür, dass die korrekte Information für die Chloridkanäle nicht gelesen werden kann. „PTC-124 ist ein Beispiel dafür, wie man gezielt in genetische Erkrankungen eingreifen kann“, sagt Prof. Jörg Schmidtke, Direktor des Instituts für Humangenetik an der MHH.
Entdeckt wurde der Wirkmechanismus in den achtziger Jahren bei Laborbakterien. „Bekommen diese mit ihrem Nährmedium das Antibiotikum Genthamycin, werden vorher experimentell eingefügte Stopp-Mutationen einfach überlesen und die entsprechenden Proteine werden ganz normal ausgebildet“, erklärt Schmidtkes Kollege Prof. Manfred Stuhrmann-Spangenberg. „Als in den neunziger Jahren bekannt wurde, dass etwa fünf Prozent der Mukoviszidose-Patienten eine Stopp-Mutation tragen, hat man sich an die Geschichte von den Bakterien erinnert.“
Mit PTC-124 steht inzwischen ein Designmolekül zur Verfügung, das ebenso wie Genthamycin ein Überlesen der Mutation bewirkt. „Beim Lesen wird dann nicht mehr das Stopp gelesen, sondern dafür eine Aminosäure eingebaut“, erklärt Stuhrmann-Spangenberg. „Das Ergebnis ist ein normales Protein mit einer falschen Aminosäure. Ob PTC-124 tatsächlich gegen Mukoviszidose wirkt, klärt derzeit eine klinische Studie. „Die Zulassung als Medikament dürfte aber unmittelbar bevorstehen“, meint Schmidtke. „Und das Interessante ist, dass der Wirkstoff prinzipiell bei allen falschen Stopp-Mutationen funktioniert – zum Beispiel auch bei bestimmten Formen der Muskeldystrophie.
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