Das Blut bringt Nachschub an Sauerstoff und Blutzucker, Eiweißen, Fetten, Vitaminen und Mineralien. Ohne diese Stoffe könnte der Organismus nicht überleben. Ihr Transport findet über das Blutgefäßsystem - und die Lymphgefäße - statt. Der Blutkreislauf ist also vor allem ein gutes Stück Logistik, sozusagen das weit verzweigte und verästelte Straßen- und Wegenetz des Körpers. Darüber können Milliarden von Körperzellen mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt werden. Insgesamt ist dieses „Straßennetz“ mehr als 100 000 Kilometer lang, das ist mehr als der doppelte Umfang der Erde.
Parallel zum Blutgefäßsystem existiert übrigens noch das Lymphgefäßsystem. Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die die Zellen umfließt. Sie transportiert Krankheitserreger, Proteine, Gifte, Stoffwechselabfälle und überschüssiges Gewebewasser zu Leber, Niere und Darm, wo diese Stoffe ausgeschieden werden können. Die Lymphknoten filtern Erreger und Fremdkörper heraus und erfüllen damit auch Aufgaben der Körperabwehr.
Doch zurück zum Blutgefäßsystem. Das Zentrum des straßenartigen Gefäßnetzes bildet das Herz. Es ist ein faustgroßer Muskel, der einen Hohlraum hat, der bis zu 1000 Milliliter Blut fassen kann. Bei normaler Belastung schlägt ein gesundes Herz täglich rund 85 000- bis 90 000-mal. Durch eine Scheidewand wird das Herz in eine rechte und eine linke Hälfte unterteilt. Jede Hälfte ist wiederum in einen Vorhof und eine Kammer unterteilt. Von der rechten Herzhälfte strömt das Blut über ein vom Herzen wegführendes Gefäß, die Lungenarterie, zur Sauerstoffaufnahme in die Lunge. Der für die Lebensfunktionen so wichtige Gasaustausch findet in den Lungenbläschen statt, die nur eine zarte Membran besitzen, die Sauerstoff aus der Lunge ins Blut und Kohlendioxid aus dem Blut in die Lunge passieren lässt. Dort wird Kohlendioxid dann beim Ausatmen mit der Atemluft ausgeschieden und mit dem nächsten Atemzug frischer Sauerstoff in die Lunge - und von dort aus ins Blut - aufgenommen
Das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge fließt anschließend über die Lungenvenen zurück zur linken Herzhälfte, verlässt das Herz dann über die Hauptschlagader, die Aorta, und strömt über die Körperarterien in alle Organe des Körpers. Zu guter Letzt münden die Adern in ein feines Netz dünnwandiger Gefäße, die Kapillaren, durch die jede Körperzelle Nährstoffe und Sauerstoff erhält. Das dann sauerstoff- und nährstoffarme Blut schließlich gelangt über die Venen zurück zum Herzen: Der Kreislauf ist geschlossen.
Das rhythmische Zusammenziehen des Herzmuskels, bei dem rund 70 Milliliter Blut in den Körperkreislauf gepumpt werden, bezeichnen Kardiologen als Systole. Die dann folgende Entspannungs- und Füllungsphase des Herzens wird Diastole genannt. Diese zwei Phasen werden auch in der Praxis unterschieden. Misst der Arzt den Blutdruck eines Patienten, so gibt er den systolischen und den diastolischen Wert an, wobei der systolische Blutdruck normalerweise höher ist als der diastolische. Die Systole gibt an, mit welchem Druck in den Arterien das Blut vom Herzen weggepumpt wird. Die Diastole bezeichnet den Druck, mit dem das Blut in den Venen zum Herzen zurückfließt. In Ruhe beträgt der normale systolische arterielle Druck 100 bis 130 mmHg und der diastolische Wert 60 bis 85 mmHg. Die Druckeinheit mmHg ist ein historisches Relikt. Hg ist das chemische Zeichen für Quecksilber. Kurz gesagt entspricht einem mmHg dem Druck, den ein Millimeter einer Quecksilbersäule ausübt.
Die Strömung des Blutes hält auch den „Kreislauf“ eines Organismus aufrecht, in dem das Blut zirkuliert. Zu den Organen gelangt das mit Sauerstoff aus der Lunge angereicherte Blut durch die Pumpfunktion des Herzens über die Arterien. Die Arterien führen das Blut also vom Herzen weg. Die größte Arterie im menschlichen Organismus ist dabei die Aorta, die Hauptschlagader. Sie hat einen Durchmesser von zwei Zentimetern. Von den Organen fließt das Blut dann über die Venen wieder zurück zum Herzen. Venen transportieren grundsätzlich sauerstoffarmes Blut. Dieses ist dunkler als das sauerstoffreiche Blut, deswegen schimmern Venen unter der Haut eher bläulich oder violett statt rot wie die Arterien.
Die Gefäßwände der Venen bestehen aus zwei Lagen: Eine Muskelschicht umgibt ein sehr dünnes inneres Häutchen. In vielen Venen, vor allem bei den Venen in den Beinen, finden sich querliegende Klappen. Sie sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung - nämlich zum Herzen zurück - fließen kann. Die Gefäßwände der Arterien bestehen hingegen aus drei Schichten: Das innerste Häutchen, die Intima, hat eine glatte Oberfläche, an der das Blut gut vorbeifließen kann. Dahinter sitzt die besonders elastische Media. Und die dritte Schicht der Arterienwand, die Adventitia, verbindet die Ader mit dem umliegenden Gewebe. Mit zunehmendem Alter, aber auch bei Fehlernährung, Nikotingenuss, Bewegungsmangel, Alkohol und Stress können Arterien durch Ablagerungen an den Innenwänden verengen und verhärten. Mediziner sprechen dann von Arteriosklerose, der Volksmund sagt dazu Gefäßverkalkung.
Wenn die Gefäße derart verengt oder starr sind, kann das Blut nicht mehr ungehindert fließen, und die verschiedenen Körperregionen werden daher nicht mehr optimal versorgt. Das Herz versucht dann, diese Unterversorgung mit stärkerer Pumpleistung auszugleichen, wodurch der Blutdruck steigt. Das zieht aber einen weiteren fatalen Gefäßverschleiß nach sich, und noch mehr Gefäße werden eng, starr oder brüchig. Weil das Blut so nicht mehr ungehindert strömen kann, steigt das Risiko, dass Ablagerungsplaques oder Blutgerinnsel die Gefäße verstopfen. Ist davon ein Gefäß betroffen, das das Gehirn mit Sauerstoff versorgen soll, kann es zum Schlaganfall kommen. Sind dagegen die für die Sauerstoffversorgung des Herzens zuständigen Herzkranzgefäße von Arteriosklerose betroffen, droht ein Herzinfarkt.
Für arteriosklerotische Krankheiten gibt es leider keine Frühwarnzeichen. Kommt es zu Herzbeschwerden, Atemnot, Durchblutungsstörungen der Beine oder Schlaganfällen, ist die Gefäßverkalkung bereits weit fortgeschritten. Ihr liegen häufig natürliche Ursachen zugrunde. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen beispielsweise zunehmendes Alter und genetische Veranlagung. Zudem sind Männer gefährdeter als Frauen, zumindest, solange die Frauen noch nicht die Wechseljahre erreicht haben. Viele Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen lassen sich jedoch umgehen - zum Beispiel Bewegungsmangel, Übergewicht oder Rauchen. Dazu bedarf es „nur“ etwas Disziplin.
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