Als der Arzt bei Thomas Schmidt* schon im Alter von 17 Jahren Bluthochdruck feststellte, war der nicht sonderlich überrascht. Ein Großteil seiner Familie hat Bluthochdruck: sein Vater, seine Mutter und seine Schwester - ohne, dass die Ärzte sagen könnten, warum. Auch Thomas Schmidt ist kein Risikokandidat. Er treibt viel Sport und ernährt sich gesund. Der heute 52-Jährige ist an „essentieller Hypertonie“ erkrankt, bei der - anders als bei der sekundären Hypertonie - die genaue Ursache des Bluthochdrucks im Dunkeln bleibt.
Bluthochdruck ist eine der großen Volkskrankheiten. In Deutschland ist etwa jeder vierte Erwachsene davon betroffen, ab dem 50. Lebensjahr sogar jeder zweite. Von diesen 20 Millionen Fällen werden aber nur fünf Millionen diagnostiziert - und behandelt. Denn das Tückische am Bluthochdruck ist, dass er keine Schmerzen bereitet und sich zunächst nicht negativ bemerkbar macht. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung können allerdings Herz, Blutgefäße, Gehirn und Nieren geschädigt werden, was wiederum zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenfunktionsstörung führen kann. „Wenn man den Bluthochdruck spürt, dann ist es meistens schon zu spät“, sagt Marion Schäffer, Fachärztin für Innere Medizin an der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten der MHH.
Doch so weit ließ es Thomas Schmidt gar nicht erst kommen. Nachdem damals bei der Routineuntersuchung festgestellt worden war, dass sein Blutdruck weit über dem optimalen Wert von 120/80 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) liegt, hat Schmidt seinen Blutdruck eine Zeit lang selbst gemessen, um auszuschließen, dass ihn in der Arztpraxis das sogenannte Arztkittelsyndrom getäuscht hat. „Viele Patienten sind beim Arztbesuch so angespannt, dass der Blutdruck nach oben schnellt“, sagt Schäffer. Für eine richtige Diagnose seien daher dauerhafte Messungen in gewohnter Umgebung notwendig.
Bei Schmidt blieb der Blutdruck konstant hoch, sein Arzt verschrieb ihm blutdrucksenkende Medikamente. Bis die richtige Kombination und Dosierung von Blutdruckpräparaten gefunden war, dauerte es Monate. „Vor der Therapie ging es mir morgens so, als hätte ich ein belebendes Glas Schampus getrunken, jetzt fühlte ich mich oft müde und schlapp“, sagt Schmidt. Viele Patienten setzen schon zu diesem Zeitpunkt die Medikamente ab. „Dabei braucht es mindestens drei Monate, bis sich der Körper auf den gesenkten Blutdruck eingestellt hat“, erläutert Schäffer.
In den vielen Jahren der Therapie hat auch Thomas Schmidt einmal die Medikamente abgesetzt. „Ich hatte aufgehört zu rauchen, sodass sich mein Blutdruck von selbst gesenkt hatte“, sagt er. Aber das war nur für kurze Zeit. „Bei einer Routineuntersuchung neun Monate später war ich erstaunt über meine abenteuerlichen Blutdruckwerte von 200/110 mmgH.“ Für Schmidt war klar, dass es ohne Medikamente wohl nicht geht. Heute sagt der 52-Jährige von sich, er laufe nicht mehr so unter Volldampf wie früher. „Ich halte beispielsweise oft Mittagsschlaf“, sagt der freiberufliche Werbetexter. Seinen Bluthochdruck nimmt er nicht als belastende Krankheit wahr. Auch muss er auf nichts verzichten - auf fast nichts. Denn ausgerechnet Schmidts liebste Süßigkeit steht im begründeten Verdacht, den Blutdruck hochzutreiben. „Dabei esse ich doch leidenschaftlich gern Lakritz“, seufzt er.
* Name von der Redaktion geändert
HAZ.de Anmeldung