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Patientengeschichte

„Der Unterschied ist eklatant“

Von Tatjana Riegler

Mit Sport haben Werner Sperber und Horst Vehling das Vertrauen in ihren Körper zurückgewonnen.
Ausdauer und Kraft

Ausdauer und Kraft: Werner Sperber und Horst Vehling (r.) trainieren in der MHH Sportgruppe.

© Kris Finn

Viel Sport getrieben hat er früher nicht. Werner Sperber spielte Faustball, einmal in der Woche, und fuhr Motorrad – nach Ausdauersport stand ihm nicht der Sinn. Etwa acht Kilometer Walken oder 20 Kilometer Rad fahren, so wie es der 66-Jährige aus Lehrte heute einmal in der Woche tut. Zusätzlich zum Faustball und Motorradfahren, versteht sich. „Es geht mir heute deutlich schlechter, wenn ich längere Zeit keinen Sport treibe“, sagt Sperber und klingt sehr zufrieden.

So ändern sich die Ansichten. Bei Sperber haben sie sich vor drei Jahren geändert. Der Professor für Sozialwesen an der Fachhochschule Hannover ging regelmäßig zur Check-up-Untersuchung und bekam – „dank“ Übergewicht und Bluthochdruck – den Rat, die Gruppe der MHH-Sportmedizin zu besuchen. Seitdem sind er und seine Ehefrau Lore dienstags und donnerstags in der Medizinischen Hochschule anzutreffen; je 20 Minuten Rudern und Radeln sowie 40 Minuten Krafttraining zum Muskelerhalt stehen auf ihrem Plan. Begleitet vom mobilen EKG, von Blutdruckmesser und Pulsuhr, beobachtet von einem Arzt, der die Herz-Kreislauf-Werte kontrolliert. „Das mag etwas lästig sein, aber es ist ein gutes Gefühl“, sagt Sperber.

Mehr als 30 Kilogramm hat er verloren, hält sein Körpergewicht seit zwei Jahren bei 93 Kilogramm. „Wenn ich nur zwei Kilo zunehme, spüre ich sofort, wie sich meine Blutdruck- und Pulswerte verändern“, sagt Sperber. Weil er mittlerweile ein gutes Körpergefühl entwickelt hat, gelingt es dem 66-Jährigen, auch mal ein opulentes Essen zu genießen: „Ich weiß ja, was ich hinterher tun muss!“ Auch bei starker geistiger Arbeit esse er mehr – weshalb die Nordic-Walking-Stöcke und die Schwimmhose auf Dienstreisen und im Urlaub immer im Gepäck liegen.

Doch weil das Ehepaar Sperber erkannte, dass Sport allein nicht ausreicht zur gesunden Lebensführung, hat es seine Ernährung auf die Metabolic-Balance-Methode umgestellt. Die Grundlage lieferte ihnen Prof. Uwe Tegtbur, Leiter des MHH-Instituts für Sportmedizin, in zahlreichen Vorträgen über Ernährungsprogramme. „Wissen unterstützt die eigene Motivation“, sagt Sperber.

Und motiviert ist er: Nur drei Wochen, nachdem er einen Herzschrittmacher erhalten hatte, kehrte er zum Sport zurück. „Ich habe ein sicheres Gefühl“, betont der 66-Jährige und wird geradezu euphorisch: „Das Leben mit Sport macht mehr Spaß – der Unterschied ist eklatant!“ Dass er beweglicher und ausdauernder geworden ist, trägt zu seiner Zufriedenheit, zum körperlichen Wohlsein bei.

Das ist bei Horst Vehling nicht anders. Vor fünf Jahren entdeckte ein Kardiologe bei ihm zwei stumme Herzinfarkte. „Ich dachte, jetzt trainiere ich ein Jahr, und alles ist okay ...“, erinnert sich der 65-jährige Hannoveraner. Ganz so war es nicht, aber mit kontrolliertem Sport in der MHH (und fettarmer Ernährung) schaffte er es innerhalb eines Jahres, die Durchblutung seiner Herzkranzgefäße wiederherzustellen. Unter ärztlicher Aufsicht fuhr Vehling jeweils 20 Minuten Rad, ruderte – und steigerte allmählich seine Leistung. „Nach der Schockdiagnose hätte ich abrupt alles geändert, doch der schrittweise Belastungsanstieg war viel besser“, sagt der frühere Lehrer.

Vom Leistungsgedanken hat er sich indes verabschiedet. „Früher wollte ich immer besser werden“, sagt er. Heute möchte der 65-Jährige seine Leistungsfähigkeit erhalten und lernen, das Alter zu akzeptieren. „Es geht langsam runter“, sagt er, „aber das Erhalten der Leistungsfähigkeit ist ja schon Lebensqualität.“

Diese Erkenntnis teilen viele Patienten der MHH-Sportmedizin. Anfangs seien sie niedergeschlagen, hat Vehling beobachtet, „aber nach einem halben Jahr sehen alle Sportler fröhlich aus.“ Dieses Glücksgefühl trägt auch er in die Freizeit, geht wieder Ski fahren oder verreist nach Australien. Mit Gymnastik erlangte Vehling sein Körpergefühl zurück, mit gezieltem Muskeltraining erhält er seine Kraftausdauer und bearbeitet Problembereiche – so konnte er vor zwei Jahren eine Schulteroperation vermeiden.

Vertrauen in den eigenen Körper zurückgewinnen – das ist dem früheren Lehrer dank des Sports gelungen. Unterwegs ist er trotzdem nur mit Pulsuhr: „Das gibt einfach ein beruhigenderes Gefühl“, sagt er. Sperber verlässt sich eher auf sein Körpergefühl: „Man muss lernen, loszulassen.“ Er schafft das auf dem Motorrad bestens. Seit er mit Sport geschmeidiger geworden sei, sagt der 66-Jährige, „kann ich längere Strecken deutlich besser bewältigen“.

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