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Interview

Peter M. Vogt: „Individuelle Behandlung“


Plastische Chirurgie ist vielfältiger
 als man denkt. Warum das so ist,
 erklärt Prof. Peter M. Vogt, 
Direktor der MHH-Klinik für
 Plastische, Hand- und
 Wiederherstellungschirurgie.
Prof. Peter M. Vogt ist 
Direktor der MHH-Klinik für
 Plastische, Hand- und
 Wiederherstellungschirurgie

Prof. Peter M. Vogt ist 
Direktor der MHH-Klinik für
 Plastische, Hand- und
 Wiederherstellungschirurgie

© Martin Steiner

Bei plastischer Chirurgie denken viele als Erstes an Schönheitsoperationen.
 Wie muss man sich das gesamte Aufgabenfeld in Ihrer Klinik vorstellen?

In der plastischen Chirurgie gibt es vier Bereiche. Dazu gehört die ästhetische Chirurgie genauso wie die rekonstruktive-, die Verbrennungs- und die Handchirurgie. Wir befassen uns mit allen Bereichen, behandeln also Patienten mit Verbrennungen ebenso wie Kinder mit angeborenen Fehlbildungen oder Menschen, denen nach einem Unfall die abgetrennte Hand wieder angenäht wird. Nur Geschlechtsumwandlungen machen wir hier in Hannover nicht. Dafür existieren in Deutschland bereits zahlreiche Spezialkliniken. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die plastische Wiederherstellung von Form und Funktion.

Was heißt das?

Wenn etwa nach einem Unfall der Arm nicht nur oberflächlich zu Schaden gekommen ist, sondern auch Nerven verletzt wurden und deshalb Lähmungen entstanden sind, versuchen wir, Muskeln und Sehnen so zu rekonstruieren, dass der Patient den Arm wieder bewegen kann.
Wie wird der Patient auf eine Operation 
vorbereitet?

Zunächst kommt der Patient zu uns in die Sprechstunde, in der wir ihn umfassend informieren. Das ist auch nötig, weil es in der plastischen Chirurgie sehr viele Methoden gibt, die individuell eingesetzt werden können. Darüber hinaus müssen wir Ärzte wissen, was sich der Patient vorstellt. Wie soll beispielsweise die neue Brust, die eine Patientin nach einer Krebserkrankung bekommt, aussehen? Und nach jeder Operationen gibt es Narben, auch das muss angesprochen werden. Insofern kann man in der plastischen Chirurgie von einer individualisierten Behandlung sprechen, die auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt ist.

Lehnen Sie auch Operationen ab?

Ja, es gibt Fälle, in denen wir den Patienten von einer Operation abraten. Zum Beispiel dann, wenn die OP keine weitere Verbesserung bringt oder die Erwartungen des Patienten nicht erfüllt werden können. Bei Wahleingriffen ist die persönliche Reife Voraussetzung.

Sie und Ihr Team forschen viel auf
 dem Gebiet der plastischen Chirurgie. 
An welchen Themen arbeiten Sie aktuell?

Unser Ziel ist es, die regenerativen Möglichkeiten des Organismus zu stärken. So soll die Wundheilung nach Verbrennungen und anderen Verletzungen möglichst narbenarm verlaufen. Insbesondere forschen wir an neuen Materialien, die beispielsweise die Nervenregeneration beschleunigen, sowie an Verfahren der Verbesserung der Hautqualität bei Narben und bei Alterserscheinungen. Die Gewebezüchtung spielt auch eine Rolle. Wir arbeiten an gezüchteten Haut- und Weichteiltransplantaten und an der Isolation von Stammzellen aus Fettgewebe, um in der Zukunft auf für den Patienten belastende Entnahmen von Gewebetransplantaten aus gesunden Körperpartien in der Wiederherstellungschirurgie ganz verzichten zu können. Auch spielt die Tumorforschung eine immer wichtigere Rolle, da ein Großteil der Patienten, die uns in der plastischen Chirurgie zugewiesen werden, an fortgeschrittenen bösartigen Geschwülsten leidet, die wir noch effizienter behandeln wollen.

Interview: Heike Manssen

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