Der erste Gang zum Frauenarzt ist für viele Mädchen ein aufregendes Erlebnis. Themen wie die erste Menstruation, der Übergang zur Frau und der erste Geschlechtsverkehr beschäftigen viele Teenager. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht ist wichtig, auch für die eigene Gesundheitsvorsorge. Trotzdem wissen viele Mädchen und auch Frauen zu wenig über ihre Geschlechtsorgane: Eine internationale Studie der Pharmafirma Organon aus dem Jahr 2008 ergab, dass 47 Prozent der befragten Frauen finden, dass die Scheide das ihnen am wenigsten bekannte Körperteil ist.
Eine frühe Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht und dessen Eigenheiten ist umso wichtiger. Denn die Geschlechtsreife tritt heute immer früher ein: Zwischen zehn und 15 Jahren erleben Mädchen heute die Menarche, ihre erste Menstruation. Noch im 19. Jahrhundert lag dieser Zeitpunkt im Durchschnitt zwei Jahre später. Spätestens mit dem ersten Geschlechtsverkehr wächst dann auch das Interesse für den Aufbau des eigenen Körpers – insbesondere der Genitalien.
Die Sexualorgane der Frau haben vielfältige Aufgaben: Sie dienen in der Sexualität der Lust, produzieren aber auch Hormone – und sie sind natürlich für die Arterhaltung zuständig. Etwas versteckt liegt die Scheide (Vagina) im Körper der Frau und bildet die Verbindung zu den inneren Geschlechtsorganen. Die Medizin unterscheidet zwischen den äußeren, sichtbaren und den inneren Geschlechtsorganen, die verborgen im Körper liegen. Außen befindet sich der Schambereich, zu der große und kleine Schamlippen sowie die Klitoris gehören. Letztere befindet sich am oberen Ende der kleinen Schamlippen und ist Ort höchster Sensibilität.
Die Schamlippen wiederum umschließen den Scheidenvorhof, in den die Harnröhrenöffnung und die Scheide münden – ein muskulöser Kanal, der bis zu zehn Zentimeter lang und drei Zentimeter breit werden kann. Und das ist noch nicht alles: Die Vagina kann sich bei einer Geburt massiv weiten, sodass auch ein Kind mit einem Kopfumfang von etwa 35 Zentimetern hindurchpasst. Anatomisch ist die Scheide die Verbindung zwischen den äußeren und inneren Genitalien, sie beginnt im Scheidenvorhof zwischen den kleinen Schamlippen und endet am Muttermund, also dem Eingang in die Gebärmutter, wo sich die Embryonen am fünften bis sechsten Tag nach der Befruchtung einnisten. Doch bis es dazu kommt, ist es ein langer Weg, der bei Eizellen und Spermien beginnt.
Die Anzahl der Eizellen liegt bereits bei der Geburt eines Mädchens fest. Anders als bei Männern, die unendlich viele Spermien produzieren können, gehen der Frau die Eizellen irgendwann aus. Wenn es auf die Welt kommt, hat ein Mädchen etwa eine Million unreife Eizellen. Bis zur Geschlechtsreife gehen die meisten davon zugrunde. Nur rund 500 ausgereifte, befruchtungsfähige Eizellen kommen im Lauf des fruchtbaren Lebensabschnitts zum Eisprung. Irgendwann sind diese aufgebraucht – und die Frau kommt in die Menopause.
Die Eierstöcke selbst sind streng genommen nicht stock-, sondern eiförmig und etwa sieben bis 14 Gramm schwer. Dort findet auch die Produktion von Sexualhormonen wie dem von der heranreifenden Eizelle produzierten Östrogen statt. Jeden Monat aufs Neue bereiten die Eierstöcke eine mögliche Schwangerschaft vor. Pro Zyklus reift meist in nur einem Eibläschen eine befruchtungsfähige Zelle heran. Zwischen dem zwölften und 16. Tag des Zyklus platzt der Follikel, die Hülle der Eizelle. Den Eisprung bemerken einige Frauen als Ziehen im seitlichen Unterleib, andere spüren ihn gar nicht.
Gereifte Eizellen werden vom Eileiter aufgenommen, wo sie idealerweise von den Spermien befruchtet werden. Geschieht das nicht, stößt die Gebärmutter die verdickte Schleimhaut, die für eine Schwangerschaft angelegt wurde, wieder ab – dies ist die Menstruation. Hat ein Spermium jedoch den Weg zur Eizelle gefunden, reifen die befruchteten Eizellen in der Gebärmutter zum geburtsreifen Fötus heran. Die Gebärmutter gleicht einer auf dem Kopf stehenden Birne mit ihrem langen Gebärmutterhals, der mit dem Muttermund in die Scheide mündet. Die Gebärmuttermuskulatur ist extrem dehnbar; kurz vor der Geburt ist sie sogar der größte Muskel der Frau.
Doch nicht immer funktioniert der Körper in der Realität so, wie die Theorie es vorsieht. „Hormonelle Störungen und dadurch gestörte Eizellreifung, Fehlbildung von Eierstöcken, Eileiter oder Gebärmutter, Myome oder Endometriose können Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit sein“, sagt Cordula Schippert, Oberärztin in der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Vor allem Myome und Endometriose sind häufige Erkrankungen bei Frauen.
Myome sind gutartige Tumoren, die aus den Muskelzellen der Gebärmutter entstehen. Nicht immer müssen sie Beschwerden verursachen, oft kommt es aber zu Blutungsstörungen, Druckbeschwerden auf Blase oder Darm oder auch zu Einnistungsproblemen eines Embryos sowie zu Fehlgeburten. Wenn tatsächlich Beschwerden vorliegen, können Myome entweder medikamentös oder operativ behandelt werden.
Die Endometriose ist häufig Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch, etwa vier bis zwölf Prozent der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Auch diese rein gutartige Erkrankung kann für die Patientinnen extrem unangenehm sein: Typisch dafür sind nämlich Gebärmutterschleimhautzellen, die überall im Körper, oft im Bauchraum, versprengt sind – und während der Menstruation „abbluten“. Doch oft kann das Blut nicht abfließen, dann entstehen im Eierstock Zysten, oder es gibt Blutungen aus Blase oder Darm.
Noch häufiger als Myome oder Endometriose sind Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Dazu zählen Brustkrebs (32 Prozent), Eierstock- (vier Prozent) und Gebärmutterhalskrebs (acht Prozent). Während diese Krankheiten in allen Altersstufen auftreten können, haben besonders ältere Frauen mit Blasenschwäche zu kämpfen. „Harninkontinenz ist unter Frauen verbreiteter als andere chronische Krankheiten wie Bluthochdruck“, berichtet Oberärztin Schippert. „Viele schämen sich und reden auch nicht mit ihrem Arzt darüber“, sagt sie. „Dabei gibt es dafür aber eigentlich keinen Grund.“
von Hannah Suppa
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