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grausames Ritual

Beschneidung von Frauen bleibt ein Problem

Von Hannah Suppa

Die Zahl ist erschreckend und das, was dahintersteht, nur schwer vorstellbar: Alle elf Sekunden wird irgendwo auf der Welt ein Mädchen auf grausamste Weise an den Genitalien verstümmelt.
Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes kämpft gegen die Beschneidung bei Frauen.

Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes kämpft gegen die Beschneidung bei Frauen.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes sind weltweit etwa 150 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten, vor allem in Afrika und Teilen Asiens. „Das ist Vergewaltigung und Verstümmelung von Kindern“, sagt Ärztin Cordula Schippert von der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Auch in Deutschland werden Ärzte tagtäglich mit dem grausamen Ritual konfrontiert, berichtet Schippert. „Erst kürzlich hatte ich eine Frau aus Somalia zur Entbindung im Kreißsaal, sie war beschnitten und wollte nach der Geburt, dass ich ihre Scheide wieder zunähe“, sagt die Ärztin schockiert. Eine natürliche Geburt war für die Patientin aufgrund ihrer Beschneidung nicht möglich – zum Wohle des Kindes entschied sich die Ärztin für einen Kaiserschnitt.

Franziska Gruber, Referentin gegen Genitalverstümmelung bei Terre des Femmes, schätzt die Zahl der betroffenen Frauen in Deutschland auf mehr als 20 000. Viele Migranten würden diese Tradition auch in Deutschland weiterführen. Sie lassen Beschneiderinnen einfliegen oder entsenden ihre Kinder für die Genitalverstümmelung zurück in das Heimatland. „Wir können das leider nicht nachweisen“, sagt Gruber. In vielen Kulturkreisen gelten weiterhin nur beschnittene Frauen als rein und heiratsfähig; viele junge Mädchen erwarten das Ritual geradezu, um in der Gemeinschaft anerkannt zu werden. „Gerade fernab der Heimat halten Migranten dann gerne an solchen Traditionen fest“, berichtet Gruber.

Mit zumeist unreinen, verrosteten Rasierklingen, Messern, Scherben oder sonstigen scharfen Gegenständen werden den Mädchen und Frauen ohne Narkose die Klitoris und Teile der Schamlippen entfernt. In manchen Fällen werden sogar die äußeren Schamlippen ausgeschabt. Die restliche Haut wird dann bis auf eine winzige Öffnung zugenäht. „Und das meist nur mit unsterilen Bändern, es blutet enorm und infiziert sich oft“, sagt Schippert.

Anders als die anerkannte Beschneidung der Vorhaut bei Jungen hat das Ritual für die Mädchen und Frauen gravierende gesundheitliche Konsequenzen: Bei der Prozedur verlieren sie unter großen Schmerzen viel Blut, viele sterben daran. Oftmals wird die Verstümmelung unter unhygienischen Umständen vorgenommen, sodass Infektionen, insbesondere mit HIV, nicht selten sind. Schwangerschaft, Geschlechtsverkehr und auch die monatliche Menstruation sind für die betroffenen Frauen mit großen Schmerzen verbunden. „Ganz abgesehen von den seelischen Wunden“, sagt Gruber.

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