Für Edith Schlese ist es inzwischen eine Herzensangelegenheit. „Ich sage allen Bekannten und Freundinnen, dass sie zur Vorsorge gehen sollen“, sagt die 60-Jährige fast mahnend. Dabei hat die Krankheitsgeschichte der früheren Erzieherin wenig mit mangelnder Vorsorge zu tun.
2007 entdeckte eine Radiologin bei einer Vorsorgeuntersuchung eine Verhärtung in der rechten Brust. „Sie sagte, dass da was sei, was ihr nicht gefalle“, erinnert sich die Neustädterin. Kurze Zeit später erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Überraschend kam diese Nachricht nicht: Bereits drei Jahre zuvor war ihre Schwester an Brustkrebs erkrankt. „Seither hatte ich die Vorsorge verstärkt“, sagt Schlese. In Deutschland ist Brustkrebs mit 32 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, etwa 50 000 Neuerkrankungen gibt es im Jahr. In der Fachsprache heißt es Mammakarzinom, das klingt ungefährlicher. Doch mit Beschönigungen kann Schlese nichts anfangen. „Ich hab’ gleich gesagt: Wenn da was ist, rupft es mir raus“, sagt sie.
Oberärztin Ursula Hille aus dem Brustzentrum der MHH-Frauenklinik warnt jedoch davor, Brustkrebs miteinem Todesurteil gleichzusetzen. „Krebs ist eine angstbesetzte Krankheit, doch man muss den Patientinnen zeigen, dass Brustkrebs inzwischen exzellent therapierbar ist“, sagt sie. Das Brustzentrum der MHH ist eine von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Einrichtung. Seit 2003 zeigt diese Auszeichnung den Patienten, wo sie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Dazu müssen die Zentren einen strengen Auflagenkatalog erfüllen.
Auch die Brust von Edith Schlese wurde vor zwei Jahren in der MHH untersucht, zudem eine Biopsie entnommen, eine Gewebeprobe aus der Verdachtsstelle. Dabei zeigte sich, dass der Tumor bösartig, aber glücklicherweise nur neun Millimeter groß war. Ertasten konnte ihn die Patientin nicht, bei einer Größe von weniger als einem Zentimeter ist das selten möglich. Bereits vier Tage nach der endgültigen Diagnose wurde Schlese operiert. „Halb so schlimm“, sagt die Frührentnerin heute, die seit Jahren mit verschiedenen Krankheiten umgehen muss.
Nach ein paar Tagen war dann alles vorbei, das befallene Gewebe entfernt. Mit der Wächterlymphknoten-Methode, bei der nur der erste Lymphknoten im Lymphabfluss entfernt wird – statt wie früher üblich mindestens zehn –, stellten die Ärzte fest, dass Schleses Krebs noch nicht auf die Lymphbahnen übergegangen war. Für die Ärzte sind Größe, Lage und Art des Tumors, Lymphknotenbefall oder Metastasenbildung wichtige Richtgrößen für die weitere Behandlung. „Die Therapie wird individuell festgelegt“, sagt Hille. Je früher der Krebs erkannt werde, desto besser seien die Heilungschancen. „Es hat sich in der Brustkrebsbehandlung viel getan in den letzten Jahren.“ Früher sei nach bösartigem Befund meist die Brust entfernt worden. „Heute setzt man auf brusterhaltende Therapie. Bei 70 bis 80 Prozent der Patientinnen können wir die Brust retten – bei guter Sicherheit und gutem kosmetischen Ergebnis“, sagt die Ärztin.
So auch bei Edith Schlese. Zwar verlief ihre Behandlung schnell, doch beendet ist ihre Krankheitsgeschichte mit der erfolgreichen Entfernung des befallenen Gewebes nicht. Für 25 Bestrahlungssitzungen musste die Frührentnerin erneut ins Brustzentrum. Die punktuelle Bestrahlung soll dabei verhindern, dass der Krebs zurückkehrt. Im Nachsorgepass ist dokumentiert, ob die Patientin ihren Gesundheitsstand halbjährlich bei der Mammographie überprüfen lässt. Zusätzlich muss sie Medikamente nehmen, die das Wachstum weiterer Tumorzellen verhindern sollen. Aber dass sie keine Nachsorgeuntersuchungen verpasst, ist für Schlese selbstverständlich.
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