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Medizin für Männer - Urologie

Rund um das beste Stück

Von Nicola Zellmer

Der Urologe ist als Facharzt erster Ansprechpartner in Sachen Männlichkeit. Herbert Grönemeyer hat es auf den Punkt gebracht. „Wann ist ein Mann ein Mann?“, fragte der Sänger 1984 in seinem Hit „Männer“.
Medizin für Männer

Männliche Aktfigur in Herrenhausen

© Rainer Surrey

Die Antwort ist zumindest teilweise Auslegungssache. Allerdings: Während man über das Aussehen oder Charaktereigenschaften wie Mut, Gewaltbereitschaft und Führungsstärke streiten kann, ist klar, dass das Mannsein ohne eine gewisse biologische Grundausstattung nicht funktioniert. Dazu gehört vor allem „das beste Stück“, also das männliche Glied, ebenso wie eine Reihe weiterer Geschlechtsorgane von den Hoden bis zur Vorsteherdrüse (Prostata) – und natürlich die passende Hormonkollektion.

Als das männliche Hormon schlechthin gilt dabei das hauptsächlich in den Hoden produzierte Testosteron – obwohl auch Frauen geringe Mengen davon ausschütten. Gesteuert wird die Testosteronfreisetzung von einem Gehirnbotenstoff, dem luteinisierenden Hormon (LH). Beim Mann beeinflusst Testosteron die Spermienproduktion, den Körperbau und die Behaarung. Es sorgt außerdem für Dynamik, Aggressivität und sexuelles Verlangen. „Die vorhandene Testosteronmenge ist dabei individuell verschieden“, erklärt Prof. Markus Kuczyk, Direktor der Klinik für Urologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Der eine braucht mehr Testosteron und der andere weniger, um die normalen Körperfunktionen aufrecht zu erhalten.“

Sicher ist, dass der Testosteronspiegel etwa ab dem 40. Lebensjahr jährlich um ein bis zwei Prozent sinkt. Während altersbedingte Hormonveränderungen bei Frauen schon lange bekannt sind, rücken diese „Wechseljahre des Mannes“ erst seit einiger Zeit verstärkt in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Dabei unterscheiden die Mediziner zum einen die Veränderung des gesamten hormonellen Regelkreises (Partielles endokrines Defizit des alternden Mannes: PEDAM) von den Veränderungen der Geschlechtshormone (Partielles Androgendefizit des alternden Mannes: PADAM). Fehlt etwa Testosteron kann das zu Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit und Hitzewallungen führen. Zudem steigt mit dem Alter der Anteil des Fettgewebes, die Brustdrüsen können sich vergrößern (Gynäkomastie) und es kommt zu Libido- und Potenzverlust.

Wie sehr jemand vom schleichenden Testosteronverlust betroffen ist, ist individuell ebenso verschieden wie der Testosteronspiegel selbst. „Deshalb ist es sinnlos, nur die Laborwerte zu messen“, sagt Kuczyk. „Entscheidend sind allein die Symptome.“ Meist leiden Männer mit eher hohem Testosteronspiegel besonders unter dem altersbedingten Hormonabfall. Ihnen kann daher eine Ersatztherapie mit Testosteron helfen. Dabei wird das fehlende Hormon als Gel über die Haut aufgetragen oder mit einer Depotspritze wieder zugeführt. „Bei Patienten mit normalem oder nur gering erniedrigtem Testosteronspiegel sind dadurch aber keine Verbesserungen zu erwarten“, betont Kuczyk und rügt die breite Werbung für Testosteron als Anti-Aging-Mittel in den Medien.

Eine weitere Wirkung des Testosterons betrifft die Prostata. Das etwa walnussgroße Organ liegt hinter dem Schambein und umschließt dort die Harnröhre. In ihm sind zahlreiche Drüsen vereint, die durch Testosteron angeregt Prostatasekret produzieren. Dieses Sekret wird zur Samenflüssigkeit zugefügt . Es sorgt dafür dass das Ejakulat flüssig bleibt, gibt ihm seine milchige Farbe und ernährt die Spermien. Doch auch die Prostata verändert sich mit dem Alter. So hat jeder dritte Mann über 50 Jahre eine gutartig vergrößerte Prostata, bei den über 60-Jährigen ist es bereits jeder zweite. Bei diesem meist als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichneten Phänomen kann die Prostata im Laufe der Zeit die Harnröhre immer mehr abdrücken. Im schlimmsten Fall kann sich der Harn sogar bis zu den Nieren zurückstauen und ein Nierenversagen verursachen.

Noch weit dramatischer als die BPH ist allerdings der Prostatakrebs – mit 58 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Noch immer sterben daran jährlich 11 000 Patienten. Anfangs wächst der Tumor in der Prostata völlig ohne Symptome, erst in fortgeschrittenen Stadien macht er sich durch Blasenentleerungsstörungen, Knochenschmerzen, später auch durch Gewichtsverlust und Blutarmut bemerkbar. Dann ist es für eine erfolgreiche Behandlung aber in der Regel zu spät. Um Männer mit Prostatakrebs rechtzeitig zu erkennen, setzen die Urologen daher auf den sogenannten PSA-Test, mit dem das prostataspezifische Antigen (PSA) gemessen wird.

PSA ist ein Eiweiss, das fast ausschließlich von der Vorsteherdrüse gebildet wird und in geringen Mengen auch im Blut vorhanden ist. Und mit steigendem PSA-Gehalt im Blut nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, dass der betreffende Mann Prostatakrebs hat. Bislang bieten die Krankenkassen diesen Test jedoch nicht als Regelleistung an. Während Männern ab 45 Jahren eine Tastuntersuchung und ein Test auf Blut im Stuhl zusteht, muss der PSA-Test mit 25 bis 40 Euro aus eigener Tasche bezahlt werden. Tatsächlich ist der Test derzeit nicht unumstritten: So müssen 1410 Männer untersucht werden, um einen vor dem Tod durch Prostatakrebs zu retten. Außerdem können erhöhte Werte auch andere Ursachen haben, sodass immer wieder Teilnehmer zu weiteren Untersuchungen gebeten werden, die sich im Nachhinein als unnötig herausstellen. „Eine neue europäische Studie weist jetzt aber eindeutig darauf hin, dass der PSA-Test das Langzeitüberleben positiv beeinflusst“, berichtet Kuczyk.

Für die sogenannte ERSPC-Studie waren insgesamt 182 000 Männer beobachtet worden. Ein Teil davon hatte regelmäßig an PSA-Tests teilgenommen. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit durch ein Prostatakarzinom zu versterben, bei diesen Männern um 20 Prozent niedriger lag als in einer nicht getesten Kontrollgruppe. Tatsächlich sei der Unterschied sogar noch höher, bemerkt die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) dazu in einer Stellungnahme: „Auch ein nennenswerter Teil der Kontrollgruppe hat sich screenen lassen.“ Als noch bedeutender schätzen die Experten diesen Effekt bei der gleichzeitig veröffentlichten amerikanischen PLCO-Studie ein, weil der PSA-Test in den USA sehr populär ist. Obwohl die US-Studie keinen nennenswerten Effekt durch den Test nachweisen konnte geht die DGU daher davon aus, dass dieser dennoch vorhanden, aber wegen der systematischen Probleme nicht darstellbar ist.

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