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Interview

Markus Kuczyk: Besser früh 
behandeln


Das Prostatakarzinom ist
 der häufigste bösartige
Tumor beim Mann. Wie
 man ihn behandelt, erklärt
 Prof. Markus Kuczyk, 
Direktor der Klinik
 für Urologie der MHH.
Prof. Markus Kuczyk, 
Direktor der Klinik
 für Urologie der MHH

Prof. Markus Kuczyk, 
Direktor der Klinik
 für Urologie der MHH

© Christian Burkert

Wonach richtet sich die Behandlung?

Vor allem danach, wie fortgeschritten der Tumor bereits ist. Wir unterscheiden drei Arten von Prostatakarzinomen, die durch den „Gleason-Wert“ eingeteilt werden. Der liegt zwischen null und zehn und bewertet die Ähnlichkeit der Krebszellen mit gesundem Gewebe. Gut differenzierte Tumoren mit einem Gleason-Wert unter sieben ähneln normalen Prostatazellen. Ein Wert von sieben beschreibt mittelmäßig differenzierte Tumoren. Und ein Wert zwischen sieben und zehn steht für schlecht differenzierte, also „unreife“ Zellen. Letzteres ist typisch für Krebszellen mit aggressivem Wachstumsverhalten.

Was heißt diese Einteilung für Betroffene?

Wenn die Tumorzellen gut bis mittelmäßig differenziert sind und der PSA-Wert unter zehn liegt, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass der Tumor sich noch allein auf die Prostata beschränkt. Damit steigen die Behandlungschancen. Wenn der Gleason-Wert und der PSA-Wert steigen, steigt leider auch das Risiko für Absiedelungen des Tumors in die Beckenlymphknoten oder in andere Körperregionen.

Wie behandeln Sie lokale Tumoren?

Die Therapie der Wahl ist die radikale Prostektomie, also die komplette Entfernung der Prostata und Samenblase. In der MHH bieten wir den Eingriff als offene Operation oder laparoskopisch an. Als Alternative kommt in manchen Fällen eine Bestrahlung durch eine externe Strahlenquelle oder durch in die Prostata eingebrachte radioaktive Körnchen (Seeds) infrage. Ist der Tumor bereits deutlich über die Prostatagrenzen hinausgewachsen, kann er durch eine Operation oft nicht komplett entfernt werden. Wir setzen dann auf eine externe Bestrahlung des Primärtumors und auf eine Hormontherapie.

Wie funktioniert diese Hormontherapie?

Die Hormontherapie ist eigentlich eine Antihormontherapie. Dabei erhalten die Patienten hormonähnliche Substanzen (LHRH-Analoga) gespritzt. Diese bewirken im Gehirn eine Dauerstimulation der Hypophyse, die dadurch betäubt wird und aufhört, die Bildung von Testosteron im Hoden zu stimulieren. Der Nachteil ist, dass es bei dieser Behandlung zunächst zu einem kurzzeitigen Anstieg des Testosterons kommt, der das Tumorwachstum fördern kann. Um dieses zu verhindern, erhielten die Patienten bisher zu Anfang eine begleitende Tablettenbehandlung, um die Testosteronwirkung auf die Krebszellen zu unterdrücken. Dieses kann durch ein neues Medikament umgangen werden.

Hilft die Hormontherapie denn immer?

Leider nein. Bei zwei Dritteln der Patienten wächst der Tumor nach etwa 50 Monaten trotz der Hormontherapie weiter. Dann setzen wir in Abhängigkeit von der Situation des einzelnen Patienten und vom jeweiligen Tumorstadium eine Chemotherapie ein. Das Prostatakarzinom wächst zwar sehr langsam und ist dadurch für Zellgifte weniger empfindlich. Trotzdem können wir den Patienten meist mit der Chemotherapie helfen, und ein Teil der Patienten überlebt für Jahre.

Aber die Chancen sind besser, wenn der Tumor schnell entdeckt wird?

Auf jeden Fall. Deshalb raten wir allen Männern über 45 Jahren zur Krebsvorsorge. Auch der PSA-Test ist sinnvoll. Studien haben gezeigt, dass ein PSA-Wert von weniger als zehn mit einer etwa 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit verbunden ist, dass der Tumor noch begrenzt und somit heilbar ist. Neben den Vorsorgeuntersuchungen kann jeder Mann aber auch über seinen Lebensstil sein Risiko für einen Prostatatumor steuern: Regelmäßiger Sport und eine fettarme, mediterrane Ernährung senken das Erkrankungsrisiko.

Interview: Nicola Zellmer

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