Wem der Name eines Freundes oder entfernten Verwandten einmal nicht einfallen will oder wer nicht mehr weiß, wohin er den Hausschlüssel gelegt hat, muss sich keine Sorgen machen. Das kann jedem passieren. Wer jedoch den Weg zum Supermarkt oder zum Arzt nicht mehr findet, den Wochentag nicht mehr nennen kann oder Schwierigkeiten hat, sich an ein gerade geführtes Gespräch zu erinnern, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, denn hinter dieser massiven Vergesslichkeit könnte eine Demenz stecken. Hier sind jedoch die Angehörigen gefragt, den ersten Schritt zu unternehmen, denn Betroffene sind häufig nicht in der Lage, ihre Situation objektiv einzuschätzen.
Demenzen gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter. Sie beginnen schleichend, für viele auch unmerklich. Bundesweit leiden heute 1,2 Millionen Menschen in der Altersgruppe der über 65-Jährigen an einer Demenz, die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich um 200 000. 60 bis 70 Prozent aller Demenzerkrankungen sind auf die Alzheimerkrankheit zurückzuführen. Bis sie zweifelsfrei diagnostiziert wird, gehen jahrelang unbemerkt Nervenzellen im Gehirn verloren. Die Ursache hierfür ist bisher nicht bekannt.
Das Hauptrisiko, an einer Demenz zu erkranken, ist das Alter: 5,7 Prozent aller 75- bis 79-Jährigen sind daran erkrankt, bei den 85- bis 89-Jährigen leiden 21,6 Prozent darunter, und bei den 90-Jährigen und Älteren sind es bereits 32,2 Prozent. Inzwischen gibt es aber auch Formen von Demenz wie die sogenannte Pick-Krankheit, die bereits mit 50 Jahren oder früher beginnt. An einer Demenz erkranken kann jeder, egal, ob er intelligent ist, sportlich durchtrainiert oder nicht. Allerdings kann hinter einer Demenz auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen stecken wie ein Hirntumor, eine Depression, Altershirndruck oder eine Schilddrüsenerkrankung. Deshalb rät die Alzheimer Gesellschaft, die Erkrankung unter anderem per Computer- oder Kernspintomografie exakt feststellen zu lassen, weil die immer noch häufig genannte Diagnose „Altersdemenz“ keinerlei Aussagekraft besitzt.
Bei Demenzkranken nimmt aber nicht nur das Erinnerungsvermögen ab, sie vergessen auch einfache Worte, sodass Gespräche mit ihnen immer schwieriger werden. Sie unterliegen häufig nicht nachvollziehbaren Stimmungsschwankungen, sind unruhig, teilweise aggressiv und misstrauisch. Mit Fortschreiten der Erkrankung finden sich Betroffene in ihrer vertrauten Umgebung nicht mehr zurecht und sind auf Unterstützung im Bad, beim Essen oder beim An- und Auskleiden angewiesen.
Je eher eine Demenz medikamentös behandelt wird, desto besser. Bei leichten bis mittelschweren Demenzen haben sich Antidementiva wie das aus Schneeglöckchen gewonnene Galantamin bewährt. Dieser Wirkstoff verhindert den Abbau des Nervenbotenstoffs Acetylcholin, mit dem die geistige Leistungsfähigkeit über mehrere Jahre stabil gehalten werden kann. Weitere Medikamente wie das Neuroleptikum Risperidon lindern etwa Wahnvorstellungen oder verbessern den Tag-Nacht-Rhythmus.
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