Herr Fussek, zum Jahresende soll die Begutachtung der deutschen Pflegeheime abgeschlossen sein. Hat sich der Aufwand gelohnt?
Alles, was zur Transparenz der Pflege beiträgt, ist richtig und gut. Das Problem der Benotung ist, dass es bei schlechter Pflege kein K.-o.-System gibt, um ein Heim schließen zu können. Mit völlig banalen Mitteln, einem guten Speiseplan etwa, kann eine negative Bewertung ausgeglichen werden. Es ist eine Pseudobewertung, weil wir uns von guten Noten beruhigen lassen wollen.
Die Noten sagen also wenig über die Qualität eines Heimes aus?
Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, im Internet ein gutes Heim für unsere Angehörigen finden zu können. Die besten Gutachter sind immer noch die kritischen Angehörigen. Wenn die es genau wissen wollen, fragen sie Bestatter und Notärzte, die die Heime bei Tag und bei Nacht kennen. Oder den Apotheker, wie viele Psychopharmaka er den Bewohnern dort verschreibt. Ansonsten können wir uns nur selbst ein Bild von der Pflege unserer Angehörigen machen. Was nutzt Ihnen als Hannoveraner ein Heim in Hamburg mit der Note 1, wenn Sie es selbst nicht gesehen haben?
Künftig soll jedes Heim einmal jährlich geprüft werden. Daraus ergäbe sich doch eine gewisse Kontinuität?
Der Aufwand ist völlig unrealistisch. Außerdem gibt es längst Kurse, wie sich Pflegedokumentationen frisieren lassen. Was wir brauchen, sind unabhängige Kontrollen in den Heimen vor Ort, zum Beispiel durch die Kommunen.
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