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Das richtige Pflegeheim

Eine schwierige Suche

Von Veronika Thomas

Wie findet man ein passendes Pflegeheim? Und was passiert, wenn Angehörige nach Hause möchten? Ein Report.
Blick in die Eingangshalle eines Pflegeheims für psychisch Kranke und Körperbehinderte

Eingangshalle des Pflegeheims für psychisch Kranke und Körperbehinderte an der Mellendorfer Straße

© Frank Wilde

Die Frage, ob und wann ein pflegebedürftiger Mensch in einem Heim untergebracht werden muss, entscheidet sich häufig erst in der akuten Situation. Der häufigste Grund: Die Pflege zu Hause kann aus verschiedensten Gründen nicht mehr gewährleistet werden. „Bei uns war es die Krebserkrankung meiner Mutter“, erzählt Jörg Schlebom* aus Langenhagen. „Als sie für die Voruntersuchungen für eine Woche ins Krankenhaus musste, wurde das ganze Ausmaß der Pflegebedürftigkeit meines Vaters deutlich“, sagt der 46-Jährige. „Meine Mutter hatte darüber nie gesprochen.“ Der 77-jährige Vater litt seit Jahren unter Diabetes und Parkinson, er hatte mehrere Bypässe, und Mitte 2006 setzte aufgrund einer Demenz ein schleichender Abbau seiner geistigen Fähigkeiten ein.

Schleboms Familie organisierte zunächst eine Kurzzeitpflege für den Vater, nachts blieb der berufstätige Sohn bei ihm. Weil die 72-jährige Mutter sofort operiert werden musste und absehbar war, dass anschließend eine monatelange Nachsorgephase einschließlich Chemotherapie und Reha folgen würde, suchte Schlebom gemeinsam mit seiner Frau und seinem Bruder erst mal einen Heimplatz in der Nähe. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Eltern in einem großen Einfamilienhaus mit Garten gelebt.

Der Verlust des gewohnten Umfelds hat meinen Vater sehr verunsichert“, erzählt Schlebom. Wenige Tage später lief sein verwirrter Vater weg, glücklicherweise landete er in einer Reha-Einrichtung in der Nachbarschaft. „Da war für uns klar, dass Vater eine geschlossene Station brauchte, wo er nicht weglaufen konnte“, sagt der Sohn. Schon Jahre zuvor hatten seine Eltern per Vorsorgevollmacht geklärt, wer im Falle eines Falles alle nötigen Entscheidungen treffen sollte. „Damit hatte ich die volle Handlungsfreiheit und konnte beim Vormundschaftsgericht die Unterbringung in einem gerontopsychiatrischen Pflegeheim beantragen.“ Eine sehr verständige Richterin habe seinen Vater umgehend begutachtet und ihre Zustimmung für solch eine Unterbringung erteilt.

Das war Ende November. Als ihn seine Mutter, die eigene Ehefrau, nach sechs Wochen das erste Mal besuchte, habe sein Vater das „emotionslos zur Kenntnis genommen“, berichtet Schlebom. Nur auf die 17-jährige Enkelin habe er noch positiv reagiert und sich gefreut, wenn sie kam. Infolge seines Bewegungsdrangs war der Senior zweimal gestürzt, sodass sich auch sein körperlicher Zustand zusehends verschlechterte. „Er musste viel liegen und wurde immer schwächer“, erzählt der Sohn. Die Pflege im Haus selbst beschreibt er im Nachhinein als kompetent und sehr liebevoll. Ursprünglich war geplant, den Vater nach erfolgreicher Therapie der Mutter nach Hause zu holen. Doch dazu kam es nicht mehr. Anfang Februar schlief der 77-Jährige mittags friedlich ein – angelehnt an der Schulter einer Pflegerin.

Ursula Schwarze aus Wunstorf wollte ihre Eltern, beide 84 Jahre alt, behutsam auf das Leben in einem Pflegeheim vorbereiten und ließ sie vier Wochen in einem Haus in der Nähe zur Probe wohnen. Ihre Mutter war nach einem Schlaganfall schwer gestürzt und hatte unter anderem wegen eines Oberschenkelhalsbruchs wochenlang in einem Krankenhaus gelegen. Seitdem hat sie die Pflegestufe II. Ihr Vater, bislang ohne Pflegestufe, schaffte den Haushalt und die Versorgung seiner Frau aber nicht mehr allein.

„Die vier Wochen auf Probe waren für beide wie in einem Hotel“, erzählt Schwarze. „Ein schönes Haus, zwei tolle Zimmer, das Essen schmeckte, und alle waren zufrieden.“ So schien es. Nach dieser Probephase unterschrieb die 59-Jährige den Heimvertrag. „Das war ohne Risiko, weil ich wusste, dass ich den Vertrag in den ersten vier Monaten ohne Angabe von Gründen kündigen konnte.“ Doch diese Endgültigkeit machte ihrem Vater sehr zu schaffen. Schon nach einer Woche klagte er über fürchterliches Heimweh. „Er wollte nur noch nach Hause“, sagt seine Tochter. „Aber Mutter im Heim und Vater zu Hause, das ging auch nicht.“ Eine andere Lösung musste her.

In dieser Situation bekam sie einen Tipp aus dem Bekanntenkreis – für eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause. Seit einigen Wochen kommt Barbara, eine polnische Krankenschwester, die als Selbstständige über eine Agentur vermittelt wurde. Sie wohnt im Haus des alten Ehepaares, kauft ein, kocht, putzt und pflegt. Ihre Freizeit ist vertraglich festgelegt. „Meine Eltern mussten sich umgewöhnen, aber sie sind zufrieden,“ stellt die 59-Jährige fest. Auch die Hausärztin sei mit dem gesundheitlichen Zustand ihrer Mutter zufrieden, berichtet Schwarze. „Nur wenn diese Form der Betreuung nicht mehr klappt, dann gibt es keine andere Lösung mehr als die Unterbringung im Heim“, sagt die Tochter.

Die Wahl eines geeigneten Pflegeheims hat allerdings auch etwas mit Glück zu tun. Bärbel Lenz* aus Großburgwedel, die ihren demenzkranken Mann im vergangenen Herbst in einem Pflegeheim unterbringen musste, weil sie nach knapp zehn Jahren Pflege psychisch und physisch am Ende war, ist heute froh über diese Entscheidung. „Mein Mann ist dort glücklich“, sagt die 79-Jährige erleichtert. Sie hatte stark unter ihrem schlechten Gewissen gelitten, ihren kranken Mann in professionelle Hände gegeben zu haben. „Er ist fröhlich, charmant und dankbar gegenüber den Pflegerinnen.“ Um sich lange Wege zu ersparen, hatte sich die Seniorin für eine Einrichtung in der Nähe entschieden. „Dieses Heim und noch ein weiteres in Hannover waren mir empfohlen worden“, erzählt Lenz. „Heute weiß ich, dass mein Mann dort in den besten Händen ist.“

* Name geändert

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