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Hilfsmitteln

Alles auf Groß

Von Tatjana Riegler

Rollatoren, Thermoteller, Riesentasten: Viele Hilfsmittel erleichtern älteren Menschen den Alltag – und den ihrer Familien.

Der Markt ist grenzenlos – aber kaum entdeckt. „Viele pflegende Angehörigen wissen ja gar nicht, welche Hilfsmittel es überhaupt gibt“, sagt Heike Müller-Schulz. Dabei, darauf weist die Diplom-Gerontologin der Alzheimer Gesellschaft Hannover in ihren Beratungsgesprächen stets hin, gibt es viele Hilfsmittel, die alten Menschen den Alltag erleichtern. Und den ihrer Familien.

Den Besuch in Sanitätshäusern und Apotheken empfiehlt Müller-Schulz gern. Allerdings gibt es dort meist die „gängigen Dinge“, wie die 49-Jährige sagt: Pflegebetten, Wannengriffe oder Rollatoren beispielsweise. Doch allein bei den Gehhilfen auf vier Rädern seien die Unterschiede groß, betont Monika Bothe. Die Geschäftsfrau bietet in ihrem Kaufhaus-Café „lebensWert“ in Hannover-Bemerode Rollatoren an, aus denen das „Kassenmodell“ mit seiner starren Optik heraussticht. Vor allem aber fällt das Stahlgestell mit einem Gewicht von 13 Kilogramm auf. Rollatoren aus Aluminium wiegen nur sieben bis acht Kilogramm, sind aber genauso stabil. „Muss man den Rollator oft über Stufen oder in die Bahn hieven, sollte man unbedingt aufs Gewicht achten“, sagt Bothe. Ebenso wichtig: Dient der Begleiter zur Sicherheit? Oder zum Abstützen? Dann sollten die Griffe sehr stabil oder ein Bügel angebracht sein. Immer sollte die Gehhilfe leicht zusammenzuklappen sein und zu Körpergewicht und Statur passen.

„Entscheidend ist das richtige Gefühl beim Gehen“, sagt Bothe. Und das haben die meisten ihrer Kunden nicht beim Kassenmodell für 99 Euro. Wenn sie es sich irgendwie leisten können, sagt die 53-Jährige, „nehmen die Leute ein anderes Modell“. Obwohl das von 150 bis 350 Euro kostet – den Zuschuss muss jeder selbst mit seiner Krankenkasse aushandeln. Die Chancen steigen, wenn eine ärztliche Verordnung für das Hilfsmittel vorliegt.

Ohnehin ist Selbstständigkeit für ältere Menschen eines der wichtigsten Lebensgefühle, das sie lange erhalten möchten. Viele Alltagshelfer unterstützen sie dabei, wenn die Senioren in ihrem Handeln eingeschränkt sind:

Telefone mit Riesentasten sind auch dann leicht zu bedienen, wenn die Feinmotorik in den Fingern nachlässt. „Für Schwerhörige gibt es noch optische Signale“, sagt Bothe. Zweimal zweieinhalb Zentimeter misst jede Taste; manche lässt sich mit der Nummer eines Familienmitglieds speichern und mit entsprechendem Foto versehen, falls das Erkennen von Zahlen nicht mehr so gut funktioniert. Zum Toptelefon (für 180 Euro) gibt es zusätzlich Notrufknöpfe. Auch Handys sind mit großen Tasten ausgestattet; manche haben einen SOS-Knopf und vier Tasten, unter denen man die wichtigsten Nummern speichern kann – sie verzichten aber auf verwirrende Sonderfunktionen.

Das selbstständige Essen erleichtern Teller und Becher in der richtigen Form. Thermoteller aus Kunststoff beispielsweise halten Speisen länger warm, weil ältere Menschen oft länger zum Kauen und Schlucken benötigen. Mit einem aufgesetzten Tellerrand fällt es ihnen leichter, die Nahrung auf die Gabel zu schieben. Bretter mit speziellen Kanten und Haltern helfen, das Brot beim Beschmieren oder das Brötchen beim Aufschneiden zu fixieren. Und Becher mit zwei Henkeln und nach innen gewölbtem Thermoeinsatz vermeiden das Verschütten und halten den Tee warm. Zwischen sieben und 30 Euro kosten die diversen Küchenhelfer – „ich empfehle sie gern“, sagt Müller-Schulz. Nur: Selten wird die Diplom-Gerontologin danach gefragt.

Meist sind es die erwachsenen Kinder, die ihre alten Eltern auf die Vielfalt der Produkte aufmerksam machen. „Ich erlebe oft, dass die Senioren selbst davor zurückschrecken, während die Kinder mal vorbeischauen“, sagt Bothe. Das gilt für Sehhilfen und Spazierstöcke wie für Badartikel. Doch Einsteigehilfen, Wannenlifter oder Duschhocker gewährleisten viel Sicherheit; die Pflegekassen übernehmen nach dem Pflegehilfsmittelkatalog die Kosten, zumindest anteilig, und selbst auf das Design der Geräte wird mittlerweile Wert gelegt. Die Angehörigen sind es auch, die eher zu Spielekästen greifen – bei Preisen von 5 bis 50 Euro eignen diese sich gut als Geschenk. Holzwürfel mit großen Punkten stehen bei „lebensWert“ im Regal, Rätselhefte in großen Buchstaben, Kartenspiele mit großgedruckten Farben, „Mensch ärgere Dich nicht“ mit großen Figuren, griffige Kartenhalter. Das Leben zu erleichtern, sagt Bothe, „ist mit wenigen Dingen möglich“. Nebenbei werden noch Geist und Geselligkeit gefördert.

Und sind die Helfer erst angeschafft, beobachtet Müller-Schulz immer wieder, „dann wird der Nutzen schnell erkannt!“

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