Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind ein Jungbrunnen. Zumindest für die betagten Bewohner des Eilenriedestifts in Hannover: Bei den Proben laufen die Mitglieder der Theatergruppe zur Höchstform auf. Gemeinsam mit Zweitklässlern aus der nahen Montessori-Schule üben die Schauspieler derzeit das neueste Stück, das noch vor den Schulferien im Juni seine Premiere erleben soll. Musikalisch begleitet werden sie von den Mitgliedern des Orff-Orchesters, darunter die 91-jährige Schlagzeugerin Ursula Spengler, die konzentriert und hellwach die Trommelstöcke schwingt.
„Hannoversche Geschichten“ heißt das Schauspiel, es ist ein amüsant verschlungener Rückblick auf eine Kindheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie dieses hat die Theatergruppe schon etliche Stücke zuvor selbst ersonnen, das Drehbuch geschrieben und vertont und die Rollen festgelegt. Als besonderes Bonbon haben die Senioren in der Stadt kleine Videosequenzen gedreht, die später bei der Aufführung eingeblendet werden.
Albrecht von Blanckenburg, der die Theatergruppe begleitet, ist mit dem Einsatz mehr als zufrieden. „Die waren sogar bei 15 Grad minus und Schneesturm zu Außenaufnahmen in der Innenstadt unterwegs“, sagt der Therapeut. Für die Fitness der Heimbewohner sind derartige Aktivitäten Gold wert. Das hat auch die Heimleitung erkannt. „Es ist ein erheblicher Bestandteil unserer Konzeption, dass ältere Menschen aktiv bleiben“, erklärt der Direktor des Eilenriedestifts, Anton Bilek. Mehr als 40 Hobbygruppen, fünf Aktivgruppen sowie Tanz- und Theatergruppen bietet sein Haus an. „Für manche unserer Bewohner artet das fast schon in Freizeitstress aus“, fügt Bilek schmunzelnd hinzu.
Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht: Die Angebote sind gestaffelt nach den Fähigkeiten und Ansprüchen der verschiedenen Bewohnergruppen. Jüngere Senioren, die noch voll im Alltag stecken, diskutieren beispielsweise über aktuelle Politik oder besuchen Seminare zur hannoverschen Geschichte. Andere sind zufrieden mit Film- oder Musikabenden. „Von unseren mehr als 400 Bewohnern sind rund 30 Prozent älter als 90 Jahre“, berichtet Bilek. „Auch diesen Hochbetagten wollen wir ein Angebot machen.“
Seit diesem Frühjahr bietet das Eilenriedestift zudem spezielle Wohngruppen für Demenzpatienten an. „Mit dem Nachtcafé haben wir dort eine Anlaufstelle für Patienten, die sonst bis spät in die Nacht allein in ihrem Zimmer sitzen müssten“, sagt Therapeut von Blanckenburg. In einem gemütlichen Aufenthaltsraum finden die Demenzpatienten Betreuer, mit denen sie reden oder spielen können. Auch für Snacks und Getränke ist gesorgt.
Die tägliche Ernährung ist auch im Klaus-Bahlsen-Haus in Hannovers Stadtteil Buchholz ein wichtiger Teil des Pflegekonzeptes. 49 Pflegebedürftige leben dort in vier Hausgemeinschaften; ein Teil leidet unter Demenzerkrankungen. Dennoch herrscht in dem mit hellem Holz und großen Glasfronten eingerichteten Wohn- und Essbereich eine friedliche, fast familiäre Atmosphäre. Nichts ist zu spüren von der für demente Menschen typischen Orientierungs- und Rastlosigkeit, während die Gruppe mit Shahla Moeini das Mittagessen vorbereitet. Wie automatisiert schälen zerbrechlich wirkende Hände Kartoffeln oder zerkleinern Obst für die Nachspeise. Aus dem Fleischtopf auf dem freistehenden Herdblock steigt ein köstlicher Duft. „Wir machen hier alles gemeinsam“, sagt Betreuerin Moeini, „die Bewohner sollen sich zuhause fühlen.“
Dazu gehört auch die Möglichkeit, persönliche Möbel und Erinnerungsgegenstände ins Heim mitzubringen. Oder bei der engen Kooperation mit dem benachbarten Kindergarten mitzumachen, für deren kleine Besucher die Großen im Klaus-Bahlsen-Haus eine Art Großeltern auf Zeit geworden sind. „Zu unserem Konzept gehört es, unseren Senioren so viel Alltagsnormalität wie möglich zu bieten“, erklärt Heimleiter Manfred Schwonnek vom Bereich Senioren der Stadt Hannover. „Die Angehörigen können Tag und Nacht zu Besuch kommen, und auch die Küche ist stets offen, falls jemand Getränke oder einen Snack braucht.“
Im Sommer fährt Moeini mit ihrer Gruppe auch auf den nahegelegenen Markt, und wie früher wählen die Senioren Kartoffeln, Äpfel und Bananen für den Wocheneinkauf aus. Gekocht wird dann nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Demnächst wollen wir unser Ernährungskonzept von der DGE zertifizieren lassen“, sagt Schwonnek.
Ein Maximum an Komfort finden Betagte in der Seniorenresidenz Heidehaus, die erst in diesem Frühjahr in den Räumen des ehemaligen Krankenhauses eröffnet wurde. Noch wird auf dem großzügigen Gelände mit altem Baumbestand an der B6 in Stöcken allenthalben gebaut. Doch am Haupthaus, wo vor allem Pflegebedürftige untergebracht sind, lässt sich schon die Handschrift der Betreiberfamilie ablesen: Jedes der vier Stockwerke ist ein wenig anders eingerichtet. Allen gemeinsam sind hochwertige Möbel und Bilder. Sogar eine englisch anmutende Bibliothek mit Kamin gehört zur Ausstattung. Man wolle so ein wohnliches Ambiente mit hoher Pflegequalität verbinden, erklärt Peter Fächner von der Geschäftsführung.
Später will das Heidehaus auch die frei auf dem Gelände stehenden Pavillonhäuser mit ihren großen Balkonen sanieren, in denen sich früher Lungenkranke auskurierten. In komfortablen Appartements können dann nicht pflegebedürftige Senioren selbstständig wohnen. Dabei gibt es für alle Bewohner des Heidehauses eine Besonderheit: „Der Senior kann sein Haustier mitbringen, wenn er hier einzieht“, erklärt Fächner. „Für den Fall, dass er bei der Versorgung von Hund, Katze oder Kaninchen Hilfe braucht, stehen ausgebildete Tierpfleger bereit.“
Vor allem für Hundebesitzer ist das knapp zwölf Hektar große Außengelände des Heidehauses ideal: Sie können mit ihrem Liebling spazieren gehen, ohne Straßen kreuzen zu müssen. Nach dem Spaziergang stehen zudem Wellnessangebote und Therapien sowie Freizeitprogramme auf dem Plan. Dazu, sagt Fächner, „ gehören beispielsweise auch Einkaufstouren nach Hannover oder Kultur.“
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Kommentare
fit im Alter Dieter Rose – 08.10.10
Hilfe, ich bin in dem betreffendem Alter! Ich sehe hier wohl in vielen Pflegeheimen eine Modernisierung der Häuser, aber die Pflege selbst bleibt unbefriedigend. Da verändert sich zu wenig ins Positive.fit bleiben im Alter N. Zellmer – 08.06.10
Herzlichen danke für die Serie: aufgehoben, nicht abgeschoben.Besonders hat mir der Artikel" Fit bleiben im Alter" gefallen.Das Eilenriedestift in Hannover bietet wirklich ein vielfältiges Angebot, um körperlich und mental vital zu bleiben. Daran sollten sich andere Seniorenheime ein Beispiel nehmen.Die Aktivitäten sind genau so wichtig wie eine gute professionelle Pflege.Dann kann man sich wohlfühlen in einer Senioreneinrichtung. Nur auf das Essen warten macht eher depressiv und man verliert den Lebensmut.
Aktivitäten fördern die Gemeinschaft und die Kometenzen bleiben noch lange erhalten. "Wer rastet, der rostet". Angehörige, die für eine Pflegebedürftige einen geeigneten Platz in einem Heim suchen, sollten sich immer erkundigen, welche Angebote regelmäßig zum Tagesablauf gehören.
Ellen Prang
Diplom-Gerontologin
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