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Ernährung

Ausgewogenes Essen wird im Alter wichtiger

Von Nicola Zellmer

Die Geschmacksnerven älterer Menschen verlieren an Sensibilität - das ausgewogene Essen sollte dennoch niemand vernachlässigen. Besonders, weil sich die Anforderungen an eine gesunde Ernährung im Alter verändern.
Im Klaus-Bahlsen-Haus helfen die Senioren in der Küche gerne mit.

Im Klaus-Bahlsen-Haus helfen die Senioren in der Küche gerne mit.

© Steiner

Berufstätige erledigen ihre Ernährung oft im Vorbeigehen: hier mal ein Burger, da ein paar Nudeln und zwischendurch noch einen Apfel. Mangelernährung brauchen sie trotzdem nicht zu fürchten. Gesunde Erwachsene haben relativ große Toleranzgrenzen, sodass ihnen auch ein Kantinenessen oder Tiefkühlkost die meisten Nährstoffe liefert – und häufig mehr Kalorien als nötig.

Bei älteren Menschen ist das anders. Denn mit etwa 65 Jahren ändern sich die Bedürfnisse des Körpers. Er verbraucht deutlich weniger Energie als zuvor. Dabei bleibt der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen jedoch gleich oder ist sogar erhöht. „Das bedeutet, dass ältere Menschen einen größeren Anteil von Obst, Gemüse, Milch oder Milchprodukten essen sollten“, erklärt Helga Strube, Ernährungsberaterin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Niedersachsen. „Tatsächlich haben Seniorenstudien aber gezeigt, dass 20 Prozent der über 65-Jährigen diese wichtigen Nahrungsmittel nur ein- bis zweimal pro Woche zu sich nehmen.“ Fisch werde ebenfalls zu selten gegessen, sagt Strube. Dafür stünden Fleisch und Wurst bei vielen alten Menschen ganz oben auf dem Speiseplan.

Mediziner beklagen, dass als Folge dieser Fehlernährung viele jüngere Senioren übergewichtig sind – verbunden mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Altersdiabetes. „Im höheren Alter, also bei Menschen über 75 Jahren, gibt es dann häufig Ernährungsdefizite“, sagt Strube. „Viele Hochbetagte leiden unter einer Mangelernährung oder sind untergewichtig.“ Das Problem wird dadurch verschärft, dass im Alter die Sensibilität der Geschmacksnerven abnimmt und die Zähne ausfallen. „Dann mögen viele Senioren eben am liebsten süßen Pudding essen“, sagt die DGE-Beraterin. „Das schmeckt ihnen, aber Pudding enthält keine Vitamine.“

Um Fehlernährung im Alter zu verhindern, hat die DGE 2003 im Projekt „Fit im Alter – gesund essen, besser leben“ einen Leitfaden zur Seniorenernährung entwickelt, der genaue Vorgaben für eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung enthält. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. Berücksichtigt werden dabei auch Erkrankungen wie Diabetes, Kau- und Schluckbeschwerden oder Demenz.

Eingesetzt werden die Richtlinien insbesondere in Alten- und Pflegeheimen. Erfüllen diese eine Reihe von strengen Kriterien können sie sich auch von der DGE zertifizieren lassen. „Wir wollen unser Ernährungskonzept noch in diesem Jahr nach dem DGE-Programm zertifizieren lassen“, hat sich beispielsweise Manfred Schwonnek, Betriebsleiter im städtischen Pflegeheim Klaus-Bahlsen-Haus in Hannover-Buchholz, vorgenommen. Dafür haben sich er und Pflegedienstleiterin Sigrun Kehrer ausführlich mit den Richtlinien für Seniorenernährung befasst.

Im Klaus-Bahlsen-Haus wird die Ernährung nicht dem Zufall überlassen, sondern engmaschig kontrolliert und sorgfältig mit dem Bedarf abgestimmt. Dazu gehören Ernährungsprotokolle, die individuell für jeden Bewohner ausgearbeitet werden und Auskunft geben über Nährstoffbedarf, eventuelle Einschränkungen und das tatsächliche Essen. Einmal im Monat wird das Gewicht überprüft. Nimmt ein Kranker etwa plötzlich mehrere Kilogramm ab, müssen die Pflegekräfte umgehend reagieren. „Gerade bei Hochbetagten ist ein größerer Gewichtsverlust häufig nicht mehr aufzuholen“, erklärt die DGE-Beraterin Strube. „Deshalb ist es wichtig, schnell gegenzusteuern.“ So kann es helfen, als Nachspeise gekochten Pudding mit Sahne statt mit Milch anzubieten. Das erleichtert die Gewichtszunahme.

Im Klaus-Bahlsen-Haus legen Betriebsleiter und Pflegedienstleiterin zudem großen Wert darauf, dass auch individuelle Wünsche der Bewohner auf dem Speiseplan berücksichtigt werden. „Der Wochenplan wird jeweils in den Hausgemeinschaften besprochen“, sagt Sigrun Kehrer. „Sehr gefragt ist deftige Hausmannskost, viele der Senioren essen aber auch gerne Fisch.“ Viele Gerichte gehören dabei zu den Klassikern, die die Bewohner noch von früher kennen. Und wer Lust hat, selbst mit Hand anzulegen, ist in den Wohngruppen gerne bei der Zubereitung der Speisen willkommen.

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