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Klaus Hager: „Viele Hobbys senken das Demenzrisiko"
Klaus Hager: „Viele Hobbys senken das Demenzrisiko"
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16:42 31.05.2010
Von Nicola Zellmer
Prof. Klaus Hager, Chefarzt im Diakoniekrankenhaus Hannover und Geriater. Quelle: Handout

Im Alter lassen meist die körperlichen Fähigkeiten nach. Wie sieht es mit der geistigen Fitness aus?

Mit zunehmendem Alter nehmen auch geistige Leistungen ab, vor allem die Schnelligkeit und die Fähigkeit zur Abstraktion. Anderes wie der Wortschatz bleibt gleich – manchmal bis zum 90. oder 100. Lebensjahr. Wenn man körperliche Erkrankungen hat, wirkt sich das auch auf die geistige Fitness aus. Jeder kennt das: Wenn man Fieber hat, ist man müde und kann sich nicht mehr gut konzentrieren. Die gleiche Auswirkung haben chronische Erkrankungen. Depressive Patienten lassen ebenfalls in der Konzentration nach. Auch wer nicht mehr körperlich tätig ist, riskiert, geistig abzubauen.

Wie kann man die geistige Fitness lange bewahren?

Studien belegen, dass das Risiko, an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz zu erkranken, sinkt, wenn ältere Patienten viele Hobbys und Interessen haben. Außerdem spielt Bewegung eine wichtige Rolle. Es gibt sogar Experten, die die Senioren aufs Ergometer setzen und dort mit ihnen Gedächtnisübungen machen – mit besonders gutem Erfolg.

Welche Rolle spielt die Lebensqualität beim Bewahren der geistigen Fähigkeiten?

Die Auswirkungen der Umgebung sollten nicht unterschätzt werden. Positive Emotionen verbessern die Gedächtnisleistung. Glücklicherweise bieten viele Alten- und Pflegeheime heute eine breite Palette von Veranstaltungen an. Auch demente Patienten können in einer Koch- oder Musikgruppe Freude haben. Viele Heime bieten Gedächtnisgruppen an. Ich denke, es gibt für jedes Stadium die richtigen Angebote. Bei Gesunden und leichter Dementen ist es positiv, wenn sie ihre Umgebung mitgestalten und Aufgaben übernehmen können. Bei schwer Dementen helfen häufig alte Bilder, durch die sie sich in eine weit zurückliegende Erinnerungswelt versetzt fühlen. Gute Erfahrungen gibt es etwa mit Bildern oder Gegenständen aus den zwanziger Jahren.

Wie wichtig ist das Wohnumfeld?

Die Ausgestaltung ist für Demente sehr wichtig. Alzheimerpatienten haben manchmal erhöhten Bewegungsdrang – also muss die Umgebung so sein, dass sie auch laufen können, statt mit Medikamenten ruhiggestellt zu werden. Patienten mit einer Tag-Nacht-Umkehr profitieren von einem Nachtcafé oder einem Gemeinschaftszimmer, in dem sie nachts sitzen können. Auch die Qualifikation des Personals ist wichtig. Oft hilft es mehr, einen Dementen in den Arm zu nehmen, wenn er heftig argumentiert, als in der Diskussion gegenzuhalten.

Wie lässt sich feststellen, wie fit
 das Gedächtnis noch ist?

In der Geriatrie des Henriettenstifts machen wir eingangs den sogenannten Mini-Mental-Status-Test (MMST). Er enthält einfache Fragen wie „Was für ein Tag ist heute?“, aber auch Wortfolgen und Rechnungen. Wenn wir den Eindruck haben, der Patient hat kognitive Defizite, testen wir weiter. Im Allgemeinen gilt ein MMST unter 24 als Grenze zur beginnenden Demenz. Für geistig fitte Senioren muss man natürlich anspruchsvollere Tests wählen.

Wie können gesunde Senioren ihre 
geistige Fitness erhalten?

Sie sollten ihre Hobbys pflegen, aber auch neue Sachen anfangen. Die Aktivitäten sollen Spaß machen, man darf sich weder überfordern noch zu schnell nachlassen. Einmal Gedächtnisübungen zu machen, reicht nicht. Übrigens stellt auch die selbstständige Bewältigung des Haushalts im höheren Alter eine Herausforderung dar. Eine Anregung des Geistes sind auch soziale Kontakte, Freundschaften und Hobbys.

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