Kann eigentlich jeder Angehörige pflegen?
Grundsätzlich ja, denn Pflege kann auch bedeuten, meinem Angehörigen vorzulesen. Doch nicht alle Angehörigen fühlen sich befähigt, etwa die Körperpflege durchzuführen. Die Pflege demenziell Erkrankter ist eine anstrengende Arbeit, bei der viele Angehörige an ihre Grenzen geraten und ihre Gesundheit gefährden. Trotzdem bringen sie die eigene Betroffenheit in der Regel nicht als Problem vor, sondern stellen vielmehr die Veränderungen des Erkrankten in den Vordergrund.
Worauf muss ich bei der Körperpflege achten?
Schnell gerät bei Betroffenen in Vergessenheit, ob und wann gewaschen, geduscht oder gebadet wurde. Pflegende Angehörige sind mehr und mehr gefordert, diese Bereiche zu übernehmen. Geben sie zu Beginn der Krankheit Anleitungen zur selbstständigen Körperpflege, werden sie im weiteren Verlauf immer mehr übernehmen müssen. Angehörige können im Zweifelsfall einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. Pflegekurse, die auch von Pflegekassen angeboten werden und oft unentgeltlich sind, sind hilfreich. Dort lernen Angehörige das Krankheitsbild, die richtige Pflege und Lagertechniken kennen.
Wann sollte man die Wohnung umbauen?
Zu Beginn der Krankheit mag die Orientierungsfähigkeit wenig eingeschränkt sein, doch die Umgestaltung der Wohnung wird Thema, wenn die Krankheit voranschreitet. Es sinnvoll, früh Gegenstände, über die man stolpern kann, aus dem Weg zu räumen. Im Verlauf der Krankheit sollte eine Wohnung hinsichtlich des Inventars „abgespeckt“ werden, sodass Übersichtlichkeit herrscht. Die Orientierung wird erleichtert, wenn Piktogramme an Türen angebracht werden: Sie geben Auskunft über den Raum, der sich dahinter verbirgt.
Viele Demenzpatienten sind aggressiv. Wie gehe ich damit um?
Für Angehörige ist es schwer nachvollziehbar, dass aggressives Verhalten oft eine Ursache hat, die durch die Krankheit begründet ist. Häufig reagiert der Betroffene auf Ängste, Überforderungen und Missverständnisse. Wir empfehlen, Ruhe zu bewahren – das ist natürlich leicht gesagt. Der Betroffene will nicht kränken, er kann seine Gefühle nicht mehr kontrollieren. Gelassenheit, das Vermeiden von Konfrontation und die Suche nach dem Gefühl, welches sich hinter dem Verhalten verbirgt, kann solch eine Situation entspannen. Wir empfehlen auch, den Raum zu verlassen – in der Regel kann sich der Erkrankte nicht erinnern, was und wie er was gesagt hat.
Wie gehe ich mit Störungen beim Essen und Trinken um?
Bei Demenz verändert sich oft die Geschmackswahrnehmung. Süße Sachen schmecken Betroffene sehr lange – deshalb sollte man Speisen sehr süß servieren, aber auch herzhaftes Würzen regt den Appetit an. Man empfiehlt sogar, das Fleisch zu süßen. Statt drei Mahlzeiten am Tag empfiehlt es sich, mehrere kleine Speisen anzubieten. Kann der Erkrankte nicht mehr mit Besteck umgehen, können die Speisen als „Fingerfood“ zubereitet werden. Und das Trinken nicht vergessen! Das Glas möglichst nicht voll gießen, immer wieder zum Trinken auffordern und Gläser mit großen Öffnungen benutzen, sodass der Kopf nicht zu weit nach hinten gebeugt werden muss.
Interview: Tatjana Riegler
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