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2015 war ein eher sicheres Luftfahrtjahr

Unfallforscher ziehen Bilanz 2015 war ein eher sicheres Luftfahrtjahr

An Schlagzeilen mangelte in der Luftfahrt 2015 nicht. Vor allem der tragische Germanwings-Absturz über den Alpen löste Erschütterung aus. Dennoch ziehen Unfallforscher das Fazit: 2015 war für die Fliegerei ein eher sicheres Luftfahrtjahr.

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Bei der schwersten Flugzeugkatastrophe in diesem Jahr mit 224 Toten ist der russische Ferienflieger wahrscheinlich schon in der Luft über der Sinai-Halbinsel zerbrochen.

Quelle: Khaled Desouki

Hannover. Trotz zweier Großunglücke ist die Zahl der Toten in der kommerziellen Luftfahrt 2015 weltweit wieder gesunken. Flugunfallforschern zufolge lag sie bei 521 Opfern – 449 weniger als 2014. "Doch der gute Trend ist auch das Resultat eines desaströsen Vorjahres 2014 gewesen, in dem zwei Großraumflugzeuge der Malaysia Airlines verunglückten", betont Jan-Arwed Richter, Mitgründer des Hamburger Flugunfallbüros "Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre" (JACDEC). Von den 48 Flugzeugen, die 2015 bei Unfällen verloren gingen, waren 28 Regionalflugzeuge mit 75 oder weniger Sitzplätzen.

Das Unfalljahr bestätige einen langfristigen Ursachentrend-Trend, schreibt Richter in einer Analyse für das Luftfahrtmagazin "Aero International". Obwohl Fliegen angesichts von Milliarden sicher beförderter Passagiere extrem sicher sei, verschiebe sich der Fokus der Unfallursachen weg von der Technik und hin zum Faktor Mensch.

Schwere Unglücke überschatten Statistik

Denn die Statistik wurde überschattet durch zwei schwere Unglücke im März und Oktober mit jeweils mehr als 100 Toten, die offenkundig mutwillig herbeigeführt wurden. Darunter ist ein vom Copiloten über den Alpen vorsätzlich in den Grund gesteuerter Germanwings-Airbus.

Das zweite große Unglück war ein russischer Urlauberjet mit 224 Menschen an Bord, der nach dem Start in Ägypten vom Himmel stürzte – wahrscheinlich durch einen Terrorakt. Mit Blick auf den Faktor Terror kommt Richter zu dem Schluss: "In dieser Hinsicht war 2015 kein gutes Jahr". Insgesamt wurden noch sieben weitere Flugzeuge in arabischen Ländern durch Terrorismus oder bewaffnete Konflikte zerstört – allerdings alle am Boden und ohne Passagierschäden.

Kein Anlass zur Euphorie

Keinen Anlass zur Euphorie gab es auch bei den "schweren Zwischenfällen" - also Beinahekollisionen, Flugbewegungen auf der falschen Piste oder selbst der Landung auf einem falschen Flughafen. Die Zahl bewegte sich nach JACDEC-Berechnungen 2015 mit 33 Fällen auf konstantem Niveau.

Insgesamt lag der Anteil tödlicher Unfälle in der zivilen Weltluftfahrt 2015 bei 2,2 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent). Regional sorgte das Germanwings-Unglück mit 150 Toten dafür, dass Europa 2015 hinter Afrika die zweithöchste Opferzahl hat (164).

Afrika ist Spitzenreiter

Doch auch Unfallbilanz-Spitzenreiter Afrika wurde durch ein Großereignis nach unten gezogen: Der Absturz des russischen Metrojet-Charterjets auf dem Sinai mit 224 Toten prägte die Bilanz. "Ohne dieses Unglück wäre Afrika mit 25 Todesopfern bei neun Flugzeug-Totalverlusten im gesamten Jahr relativ glimpflich davon gekommen", schreibt Richter, der Nordamerika als sicherste Luftfahrtregion der Erde bezeichnet. Der letzte tödliche Unfall in der Linienfliegerei liege mehr als sechs Jahre zurück. 2015 gab es in der Region mit ihrem enormen Verkehrsaufkommen jedoch sechs Unfälle mit kleineren Regionalfliegern, bei denen sechs Menschen starben.

Das JACDEC in Hamburg ist eine weltweit angesehene Institution mit globaler Datenbank - das Büro arbeitet mit den führenden Luftfahrtbehörden der Welt zusammen.

dpa

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