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Der Riese Goliath war wohl eine Ausnahme

Archäologen graben Philister-Friedhof aus Der Riese Goliath war wohl eine Ausnahme

Viele Geheimnisse um die Philister könnten endlich aufgeklärt werden: Altertumsforscher haben im Süden Israels erstmals einen Friedhof des sagenumwobenen Volkes aus der Bibel ausgegraben. Demnach muss Goliath eine Ausnahme unter seinen Landsleuten gewesen sein.

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Die deutsche Theologin Lisa Sedlmayr in der Ausgrabungsstätte eines Philister-Friedhofes in der Nähe der Stadt Aschkelon (Israel): Archäologen haben dort erstmals weltweit einen Phililster-Friedhof entdeckt.

Quelle: Stefanie Järkel/dpa

Aschkelon. Die Wissenschaftler wissen noch nicht viel über die Philister. Bekannt ist, wie das Volk verschwand: Es wurde vor 2600 Jahren vom Heer des Babylonier-Königs Nebukadnezar ausgelöscht. Aber wie hatten die Philister vorher gelebt? Und woher kam das sagenumwobene Volk?

Das erklärt die Begeisterung der Archäologen, die in der Hafenstadt Aschkelon einen Philister-Friedhof entdeckt haben. "Dieser Friedhof mit 145 kompletten Skeletten ermöglicht endlich, die Philister von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen", erklärte der US-Archäologe Daniel Master. Er ist Grabungsleiter der privaten Leon-Levy-Expedition, die seit 1985 in Zusammenarbeit mit dem Semitischen Museum der Harvard-Universität in Aschkelon tätig ist.

Forscher hoffen auf neue Erkenntnisse

"Wir hoffen, nun nicht nur ihre Bestattungskultur zu verstehen, sondern in den Knochen auch Aufschlüsse darüber zu finden, wie sie lebten, sie quasi wieder zum Leben zu erwecken", sagte Master. Die Skelettfunde werden gegenwärtig DNA-Analysen unterzogen, ihr Radiokarbonalter wird bestimmt. Auch neue Erkenntnisse über die Herkunft des Seefahrervolks erhoffen sich die Forscher.

Die ersten Gräber waren 2013 auf dem Hügel über dem altertümlichen Philisterhafen Aschkelon entdeckt worden, wo in der Blütezeit 13.000 Menschen lebten. Heute liegt die archäologische Stätte in einem grünen Nationalpark an der Mittelmeerküste, der an die moderne Großstadt grenzt. In diesem Sommer wird die Erkundung des Friedhofs beendet, die Grabungsstätte wird wieder verfüllt.

Philister aßen Schweine- und Hundefleisch

Das "See-Volk" wie die Philister zur Unterscheidung von ihren zeitgenössischen Küstennachbarn, den Kanaanitern, auch genannt wurden, stammte vielleicht ursprünglich aus dem mykenischen Kulturkreis in der Ägäis. Darauf lassen die rot und schwarz verzierten Tonwaren schließen.

"Sicher ist aber bisher nur, dass sie Fremde im semitischen Siedlungsgebiet waren, wo sie von 1200 bis 600 vor Christus im Küstengebiet zwischen Gaza und dem heutigen Tel Aviv lebten", erläuterte Master. Die Sprache des Händlervolks gehörte zur indoeuropäischen Familie.

Die Philister praktizierten keine Beschneidung, sie aßen Schweine- und Hundefleisch, wie Funde aus Gaza, Gat, Aschdod und Ekron belegen, den vier weiteren von ihnen gegründeten Städten. Neben den bislang dürftigen archäologischen Funden gab vor allem das Alte Testament einige Informationen über die Philister. Denn diese waren auch die direkten und zeitweise verfeindeten Nachbarn der im hügeligen Inland lebenden Israeliten.

Sie waren nicht besonders groß

So wird im Buch Samuel geschildert, wie die Philister die Bundeslade der Israeliten erbeuten. Im Anschluss kam es dann zum Duell des riesigen Kriegers Goliath mit dem listigen David, der dank einer Steinschleuder gewann.

In einem Feldlabor nahe des Grabungshügels in Aschkelon erklärte die Anthropologin Sherry Fox, was ihr die Skelette verraten: "An den Zähnen sehe ich, dass sie kein leichtes Leben hatten. Wachstumsstörungen verweisen auf Fieberanfälle oder Mangelernährung in der Kindheit."

Die Knochen lassen demnach auf harte körperliche Arbeit schließen, wobei auch "die Zähne als Werkzeuge genutzt wurden, vielleicht beim Weben". Die Skelette weisen im Übrigen auf eine "durchschnittliche Körpergröße" der Philister hin, sagte Fox. Der großwüchsige Goliath scheint also eine Ausnahme gewesen zu sein.

afp/dpa/RND

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