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US-Astronaut Kelly hat noch nicht genug

Ein Jahr auf der ISS US-Astronaut Kelly hat noch nicht genug

Der US-amerikanische Astronaut Scott Kelly kehrt Anfang März von der Internationalen Raumstation zurück. Zusammen mit seinem russischen Kollegen Michail Kornijenko verbrachte der 52-Jährige ein Jahr im All und würde auch länger bleiben.

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US-Astronaut Scott Kelly geht 2010 in Kasachstan an Bord eines Sojus-Raumschiffs. Gerade verbrachte er ein Jahr auf der ISS.

Quelle: Maxim Shipenkov

Houston/Moskau. "Ich könnte auch noch 100 Tage bleiben, oder auch noch ein Jahr, wenn das sein müsste", sagte Kelly am Donnerstagabend bei einer Videoschaltung von der Internationalen Raumstation ISS. "Es käme natürlich drauf an, was ich machen würde, und ob das Sinn machen würde."Gemeinsam mit Kosmonaut Michail Kornijenko arbeitete und lebte der Amerikaner ein Jahr lang auf engstem Raum zusammen. Am 2. März endet die Langzeitmission im All. Die ISS sei zwar ein "magischer Ort", aber das Leben dort auch einschränkend und anstrengend. "Man fühlt sich nie ganz normal. Dass alles immer schwebt, macht den Alltag sehr viel schwieriger. Und man hat kein fließendes Wasser - ich fühle mich wie nach einem Jahr Camping im Wald." Gesundheitlich gehe es ihm nach dem knappen Jahr im All weitgehend gut, bis auf kleinere Probleme mit den Augen. "Am schwierigsten ist es, solange von den Menschen, die einem wichtig sind, isoliert zu sein." 

Auch Michail Kornijenko freut sich, seine Lieben bald wiederzusehen. "Nachrichten von der Erde sind wie ein Hauch frischer Luft, wie Vitamine", sagte er in einer Grußbotschaft. Zu seinem Kollegen habe er nach der ganzen Zeit eine besondere Beziehung aufgebaut. "Eine Freundschaft im Weltraum ist für immer."

Ein Jahr lang lebten und arbeiteten Scott Kelly und Mikhail Kornienko gemeinsam auf der Internationalen Raumstation ISS.

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Ein Jahr im Kosmos, das hat Folgen

So lange wie Kelly und Kornijenko lebte noch kein Raumfahrer ununterbrochen auf der ISS. Die Raumstation schwebt rund 400 Kilometer über der Erde. "Wenn auch die Beziehungen zwischen Russland und den USA einige Schwierigkeiten erlebt haben, wir arbeiten im All erfolgreich Seite an Seite", sagte Kornijenko. Auf der Erde kontrollieren Mediziner ständig den Zustand der beiden Langzeitraumfahrer, die doppelt so lange im All sind wie sonstige ISS-Besucher. Die Ärzte interessiert auch, ob die Männer nach der Landung in Kasachstan eigenmächtig ihre Kapsel verlassen können. Die Mission gelte als Test für einen Flug zum Mars. Dort werde den Ankömmlingen nach monatelanger Reise auch niemand aus dem Raumschiff helfen. Die permanente Schwerelosigkeit im Weltall schwächt die Muskeln und Knochen erheblich.

Ein anderes Problem ist der Abbau der Sehqualität. Etwa 70 Prozent der Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der ISS waren und älter sind als 50 Jahre, hätten Sehprobleme, sagt Jörn Rittweger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Auch psychisch birgt so eine Reise Risiken: "Wegen der Langzeitisolation kann es zu psychosozialen Problemen kommen", sagt der Moskauer Arzt Juri Bojko. Der Druck während eines Zehn-Stunden-Arbeitstages sei groß, zudem fehle der Kontakt zur Familie. Als privaten Ort hätten die Astronauten nur ihre Schlafkoje.

Zu den Astronauten

Michail Kornijenko ist seit 18 Jahren Kosmonaut bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Er wurde am 15. April 1960 in Sysran an der Wolga geboren und studierte Luftfahrttechnik. 1998 ist er als Kosmonaut ausgewählt worden. Vor der einjährigen Mission ist Kornijenko 2010 rund 176 Tage im All gewesen. Der Russe ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

Scott Kelly arbeitet seit 20 Jahren als Astronaut bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Geboren am 21. Februar 1964 in Orange im US-Bundesstaat New Jersey studierte Kelly später Elektrotechnik. Er absolvierte eine Pilotenausbildung und wurde 1996 zur Astronautenausbildung in die Nasa aufgenommen. Vor der Langzeitmission nahm er an drei Raumflügen teil und verbrachte rund 180 Tage im Weltraum. Der Astronaut ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Studienobjekte Mark und Scott Kelly

Die Zwillinge sind beide schon zu Raumfahrtmissionen unterwegs gewesen. Sie bieten ihre Dienste aber nicht nur der NASA an. Auch als Forschungsobjekte sind die Kellys beliebt. Während Scott Kelly gerade fast ein Jahr auf der Internationalen Raumstation verbrachte, blieb sein Bruder Mark auf der Erde und dient als Vergleichsproband. Das Ziel der Zwillings-Studie: Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich lange Weltraumreisen auf den Menschen auswirken. Interessant sind vor allem die Belastungen, denen der menschliche Körper dabei ausgesetzt ist - höhere Dosen kosmischer Strahlung, Muskel- und Knochenschwund, geschwächtes Immunsystem, Probleme mit den Augen und mögliche Folgen für das Erbgut. Diese Erkenntnisse sind für die geplanten Missionen Richtung Mars von Bedeutung.

Von Christina Horsten

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