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Australien will Chinas Monopol bei seltenen Erden brechen

Mineralienförderung Australien will Chinas Monopol bei seltenen Erden brechen

Seit China die Ausfuhr von seltenen Erden zeitweise gedrosselt hat, herrscht Aufregung am Elektronikmarkt. Jeder braucht die begehrten Metalle, 90 Prozent kommen aus China. Australier wollen für Abhilfe sorgen: sie bauen in Malaysia eine gigantische Raffinerie. Die Anwohner dort aber protestieren: Sie wollen keine schmutzige Raffinerie vor der Haustür.

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In Gebeng an der malayischen Ostküste entsteht auf 20 Hektar die größte Raffinerie für seltene Erden.

Quelle: dpa

Bangkok/Kuala Lumpur. In Gebeng an der malaysischen Ostküste ist ein riesiges Bauprojekt im Gange. Auf der 20 Hektar großen Baustelle entsteht eine der größten Raffinerien der Welt für seltene Erden. Die australische Bergwerksfirma Lynas will in vier Monaten mit der Produktion beginnen. „Die Anlage hat das Potenzial, 33 Prozent der Weltnachfrage zu decken und das Monopol, das China zur Zeit hat, zu brechen“, sagt Lynas-Sprecherin Liz Whiteway. Das wäre die Antwort auf Stoßgebete der Elektronikhersteller. Seit Peking im September zeitweise den Export drosselte, zittert die Industrie.

Lynas fördert die Mineralien, aus denen die seltenen Erden gewonnen werden, im 4000 Kilometer entfernten Bergwerk Mount Weld in Westaustralien, 35 Kilometer südlich des Städtchens Laverton. Der Gehalt an „seltene Erden-Oxyd“ (REO) in den Mineralien betrug bei Probebohrungen 15,4 Prozent. „Mount Weld ist das reichhaltigste Vorkommen seltener Erden der Welt“, sagt Whiteway. Die Reserven werden auf mindestens 1,5 Millionen Tonnen geschätzt.

Die 15 begehrten Metalle werden überall gebraucht: sie sind in Handys, Glasfaserkabeln, Computerchips, Röntgengeräten, Energiesparlampen, Flachbildschirmen und Motoren von Hybrid- und Elektrofahrzeugen enthalten. Der Bedarf steigt sprunghaft, der Preis explodiert: Allein Neodym für Kopfhörer und Hybridautos stieg von 42 Dollar das Kilogramm vor einem Jahr auf mehr als 280 Dollar an. Lynas schätzt, dass der Bedarf an seltenen Erden von 127.500 Tonnen (2010) innerhalb von vier Jahren auf 177.200 Tonnen jährlich wächst. In Gebeng sollen in einer ersten Phase 11.000, später 22.000 Tonnen im Jahr produziert werden. Eine noch größere Raffinerie entsteht zur Zeit in Kalifornien: Molycorp will 40.000 Tonnen im Jahr produzieren.

Lynas bereitet das kostbare Gut fernab der Heimat auf. „Mount Weld ist abgelegen, das eignet sich nicht“, sagt Whiteway. Gebeng in Malaysia habe sich unter anderem empfohlen mit seiner guten Hafenanbindung und gut ausgebildeten Technikern. Anwohner argwöhnen andere Gründe: Die Aufbereitung von seltenen Erden gilt als dreckiges Geschäft. Deshalb haben die Industrieländer dies weitgehend den Chinesen überlassen. Nach Angaben von Lynas kamen knapp 90 Prozent der 103.000 Tonnen seltene Erden auf dem Weltmarkt im vergangenen Jahr aus China, der Rest aus Indien, Russland und den USA.

Die Anwohner von Gebeng wollen keine Dreckschleuder. „Wir kennen die Fakten und Risiken, und wir haben beschlossen, dass wir so etwas in unserer Nachbarschaft nicht wollen“, sagt Jonathan Wong, Sprecher der „Stop Lynas“-Bewegung. „Wegen einer Gesetzeslücke war keine detaillierte Umweltverträglichkeitsstudie nötig“, sagt Mohamed Idris von der Umweltorganisation Friends of the Earth. Die Gegner organisieren Märsche und sammeln Unterschriften.

Die Malaysier sind gebrannte Kinder: In den 80er Jahren hat der japanische Konzern Mitsubishi Chemicals im Norden in der Asian Rare Earth-Fabrik seltene Erden aufbereitet, mit verheerenden Folgen. Die Raffinerie wurde 1992 geschlossen, das Gelände ist bis heute verseucht. Die Rate der Geburtsfehler und Leukämiefälle in der Umgebung ist höher als anderswo. Mitsubishi ist nie angeklagt worden, und hat den Betroffenen nie eine Entschädigung bezahlt. Fast 20 Jahre später ist die Firma immer noch bei der Säuberung des Gelände.

Solche Gefahren drohten in Gebeng nicht, versichert Whiteway. „Das Lynas-Ausgangsmaterial enthält 50 mal weniger ÄradioaktivesÜ Thorium als das, was Asian Rare Earth nutzte“, sagt Whiteway. „Die Einwohner sind null Strahlung ausgesetzt.“ Die Radioaktivität im Abfallprodukt sei verschwindend gering. Das Material werde aber dennoch in Containern gelagert, die ein Entweichen in die Umwelt verhindern.

Die Anwohner überzeugen die Beteuerungen von Lynas und ihrer eigenen Regierung nicht. Wong: „Die Regierung verlangt, dass wir das Leben unserer Kinder aufs Spiel setzen.

dpa

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